Stand: 20.05.2022 20:13
Das Sturmtief Emelinde hat NRW mit Wucht getroffen. Besonders groß sind die Schäden in Paderborn und Lipstadt – vermutlich durch einen Tornado. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt. Für andere Bundesländer sagt der DWD Unwetter voraus.
Erwartete Unwetter für weite Teile Deutschlands kommen aus dem Westen mit Blitz, Donner und Starkregen. Gewitter, ausgelöst durch das Tief Emelinde, trafen zunächst Nordrhein-Westfalen.
In Paderborn seien 30 bis 40 Menschen verletzt worden, “zehn davon schwer”, sagte ein Sprecher der Kreispolizei AFP. Demnach habe der „Tornado die Stadt mitgerissen“ und Millionenschäden verursacht. Die Polizei spricht von „Verwüstung“.
Den Angaben zufolge gibt es im gesamten Gebiet schwere Schäden, unzählige Dächer wurden abgedeckt und viele Bäume entwurzelt. Der öffentliche Nahverkehr, einschließlich der Bahn, war stark betroffen. Die Polizei bat die Menschen, wenn möglich zu Hause zu bleiben.
Sturmfront über Deutschland: Starkregen, mehrere Schäden und ein Tornado in Paderborn
Jan Koch, WDR, Tagesschau um 20 Uhr, 20. Mai 2022
Schwere Schäden auch in Lipstadt
Der Tornado zog auch durch Lipstadt. In der ganzen Stadt seien schwere Schäden entstanden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Zahlreiche Dächer wurden bedeckt und Bäume stürzten auf Autos. Von den Todesfällen habe er nichts gewusst, sagte der Sprecher.
Im Freizeitbad Cabrioli in Lipstadt waren zeitweise etwa 120 Badegäste eingeklemmt, weil umgestürzte Bäume den Eingang versperrten. Die Festgenommenen seien später entlassen worden, teilte die Feuerwehr mit. Im Stadtteil Hellinghausen ist durch den Sturm der obere Teil einer Kirche eingestürzt. Etwa 200 bis 300 Feuerwehrleute sind im Einsatz.
“Bitte bleiben Sie zu Hause”
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) forderte die Öffentlichkeit zu besonderer Vorsicht auf: „Bitte bleiben Sie zu Hause. „Vermeiden Sie Aufenthalte im Freien“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Vorsorglich wurden die Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen noch vor Beginn des Unwetters abgesagt.
Nach Angaben der Kreisverwaltung endet der Schulunterricht im Regierungsbezirk Köln um 11.30 Uhr, damit die Schüler sicher nach Hause zurückkehren können. Angesichts der Wettervorhersage hat das Landesamt für Natur und Umwelt Nordrhein-Westfalen den Hochwasser-Informationsdienst aktiviert: Niederschläge können den Abfluss in den Gewässern des Landes beeinflussen. Eine konkrete Prognose ist noch nicht möglich. Lokale Überschwemmungen können in Gebieten auftreten, die von sintflutartigen Regenfällen betroffen sind.
Der DWD warnt vor Orkanböen
Am frühen Nachmittag gab der Deutsche Wetterdienst (DWD) wegen heftiger Gewitter die erste offizielle Unwetterwarnung für NRW heraus. Später weiteten Meteorologen die Warnung auf Rheinland-Pfalz, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg aus.
Lokal kann es laut DWD in kurzer Zeit zu Starkregen bis zu 40 Litern pro Quadratmeter, Hagel bis zu fünf Zentimetern und starken Windböen bis Orkanböen mit Geschwindigkeiten zwischen 100 und 130 Stundenkilometern kommen. Der DWD warnte davor, dass Bäume entwurzelt, Fliesen herunterfallen, Keller und Straßen überflutet werden könnten. Auch Hagel- oder Blitzschäden an Gebäuden, Autos und der Landwirtschaft sind möglich.
Am Samstag kann sich die Lage beruhigen
Auch in Süddeutschland wird abends und nachts mit Gewittern gerechnet. „Allerdings ist die Schlechtwettergefahr hier meist nur lokal begrenzt und nimmt nachts ab“, sagt DWD-Meteorologe Sebastian Altnau. Am Samstag beruhigt Hoch „Zeus“ das Wetter. „Die nächste Gewitterlage wird am Montag mit einem neuen Tief aus Südwest angekündigt“, blickte Altnau voraus. Diese Gewitter dürften eher die Südhälfte Deutschlands treffen.
Insbesondere Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen müssen sich in den nächsten zwei Tagen auf starke Gewitter einstellen. Am heftigsten ist es laut DWD im nördlichen Sachsen-Anhalt in der Altmark. Überflutete Straßen, überflutete Keller, herunterfallende Äste und ausufernde Bäche sind zu erwarten.
In Rheinland-Pfalz blieben alle vom Kreis Ahrweiler geförderten Schulen geschlossen. Die Bevölkerung sollte weitere Wettervorhersagen in Radio, Fernsehen und Internet sowie durch die Warn-Apps Katwarn und Nina aufmerksam verfolgen.
Stefan Laps, ARD Wetterzentrum, mit Informationen zu Unwetterwarnungen
tagesschau24 19:00 Uhr, 20. Mai 2022
Deutsche Bahn: „Tickets flexibel nutzen“
Die Deutsche Bahn hat ihre Kunden auf Verspätungen und Ausfälle vorbereitet. Der Konzern rechnet mit schweren Wetterauswirkungen auf den Schienenverkehr in West-, Mittel- und Ostdeutschland.
Fahrgäste, die ihre geplante Reise auf Freitag verschieben möchten, können ihre flexibel gebuchten Fernverkehrstickets bis einschließlich sieben Tage nach Ende der Pause nutzen. Sitzplatzreservierungen können laut Website der Deutschen Bahn kostenlos umgetauscht werden.
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