Stand: 22.04.2022 22:21 Uhr
Es sollte der Abend ihres Lebens als Fußballer werden – vor einer Rekordkulisse von 91.648 Zuschauern im Halbfinal-Hinspiel der Champions League des FC Barcelona erlitten die Spieler des VfL Wolfsburg ein Debakel. Beim 1:5 (0:4) waren sie noch gut bedient.
von Florian Neuhaus
Am Donnerstag drehten die Wolfsburgerinnen noch fleißig im Fußballtempel Camp Nou – und posteten sie in den sozialen Medien. Freitags waren sie oft nur staunende Gäste. Der Titelverteidiger „Barça“ zeigte von Beginn an Weltklasse, die Abwehr des VfL wurde im vollen Stadion und vor lärmenden Zuschauern komplett geschlagen. Die niedersächsischen Frauen ließen sich zeigen.
„So schwierig es jetzt auch ist, wir müssen den Rekord und den Moment des Spielens im Camp Nou aufnehmen. Die Erfahrung wird uns für den Rest unseres Lebens begleiten.“ VfL-Trainer Tommy Strout
In der zehnten Minute – die Gastgeber feierten gerade das 2:0 – trommelt Almut Schult auf seine Mitspieler ein. Im Kreis versuchte der Torhüter, der der beste „Wolf“ war, die Mannschaft aufzuwecken. Aber ihre Worte verklangen schnell. Lediglich zwei Punkte war Barcelona heute Abend besser – am Ende stand es 20:3 nach Treffern aufs Tor.
“Barça kann eine Reise ins Finale planen”
Wolfsburgs Trainer Tommy Stroot versammelte sein Team auf dem Platz, um an seine Spieler zu appellieren, sich trotz der Niederlage nicht nur zu ärgern: „Auch wenn wir alle enttäuscht sind, wäre es falsch, einfach in der Kabine zu verschwinden und zu gehen. Dafür ist der Moment zu besonders.“
VIDEO: Champions League: Wolfsburg kassiert bittere Niederlage (2. Minute)
Barcelona war vor dem Spiel der Favorit. Auch wenn Barça die Reise ins Endspiel bereits planen könne, habe ihre Mannschaft im Rückspiel „die Aufgabe, ein ganz anderes Gesicht zu zeigen“. Der Rückkampf am 30. April in Wolfsburg soll nur eine Randnotiz sein.
Barça brennt ein Offensiv-Feuerwerk
Dem druckvollen und einfallsreichen Angriffsspiel des FCB war das Wolfsburger Quartett mit Joel Wedemayer, Catherine Hendrich, Dominique Jansen und Felicitas Rauch nicht gewachsen. Ein langer Pass reichte und Aitana Bonmati traf zum 1:0 (3.).
Sieben Minuten später kickte Ex-Hamburgerin Ana-Maria Chernogorcevic den Ball aus dem VfL-Kapitän Jansen. Caroline Graham Hansen traf nach ihrem Pass eine Häkelarbeit, ließ seinen ehemaligen Teamkollegen Wedemayer aufgeben, und Schult hatte mit einem gezielten Linksschuss keine Abwehrchance – 2:0.
Svenya Hut verpasst eine doppelte Anschlusschance
Angesichts der Dominanz von Barça ist es unwahrscheinlich, dass Svenya Hut den Spielverlauf wirklich verändern wird. Doch zumindest kurzzeitig zeigten auch die Wolfsburgerinnen ihr Können: Svendis Jonsdottir kam über links ins Spiel. Jill Rudd leitete seinen Pass sofort an Hutt weiter. Irene Paredes Hernandez klärte den Schuss des deutschen Nationalstürmers vor der Linie. Torhüterin Sandra Panos (15.) pariert den Unterschied.
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Der VfL-Schutz ist zu schnell
Es war ein kurzer Hoffnungsschimmer – mehr nicht. Strout verzichtet auf große Veränderungen und hofft, dass seine Spieler mit ihrer offensiven Spielweise dem entgegenwirken können. Missverständnis. Barça nahm schnell wieder Fahrt auf und in der 33. Minute traf Jennifer Hermoso Fuentes bereits zum 3:0. Das vierte Tor ging an Weltfußballerin Alexia Putelas (38.) – ihr neuntes in dieser Saison in der Champions League.
Jill Rudd erzielt einen Ehrentreffer für Wolfsburg
Barcelona hat sich nach der Pause auch alleine betrunken. Doch eine ganz knappe Abseitsentscheidung mit einem Tor (50.) und Schult, der alles rettete, was zu retten war, verhinderten das 5:0. Und plötzlich war der Ball auf der anderen Seite im Netz. Tabea Vasmut schaffte es, einmal in der Mitte zu beschleunigen und Jill Rudd freizugeben. Die Niederländerin traf zum 1:4 (70.), der dank Videobeweis vermeldet wurde.
Vielleicht würde dieses Ergebnis wenig Hoffnung auf einen Rückkampf lassen. Damit hat sich Schult fast selbst übertroffen. Doch fünf Minuten vor Schluss kassierte Jansen einen Elfmeter, den Putelas sicher bis zum Endergebnis verwertete. Die Wolfsburgerinnen können sich nun auf die Meisterschaft und den Pokal konzentrieren.
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Dieses Thema im Programm:
NDR 2 Sport 22. April 2022 | 23:03 Uhr
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