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Der neue Direktor des RBB verdient fast so viel wie Schlesinger

Patricia Schlesinger (links) wurde als Direktorin entlassen. Kathryn Vernau (rechts), die Verwaltungsdirektorin des Westdeutschen Rundfunks (WDR), muss jetzt beim RBB aufräumen Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Thomas Spikermann

Von Michael Sauerbier

Du hast nichts gelernt! Nach dem Eklat mit Pras und Kungelei im RBB ist von Bescheidenheit keine Spur. Die neue Regisseurin Kathryn Vernau (49) nimmt fast so viel mit nach Hause wie ihre gefeuerte Vorgängerin Patricia Schlesinger (61).

Vernau hat am Donnerstagvormittag seinen Posten in der RBB-Chefetage angetreten. Für 295.000 Euro im Jahr, teilte der Sender nach wiederholten Anfragen der BZ am Freitagabend mit.

Das sind nur 8.000 Euro weniger, als Schlesinger erhielt. Und etwa 50.000 Gehaltserhöhung gegenüber Vernaus altem Job als WDR-Verwaltungsdirektor.

Die Spitzen der CDU-Fraktionen in Bund und Ländern hatten eine Grenze von 190.000 Euro gefordert – so viel verdiente der brandenburgische Ministerpräsident. Die Warnung zum Sparen blieb unbeachtet.

„Ich bin enttäuscht und wütend“, sagt Brandenburgs CDU-Fraktionsvorsitzender Jan Redmann, „dass die RBB-Spitze auch in dieser Situation nicht bereit ist, ein Zeichen der Bescheidenheit zu setzen. Wir müssen den Gehaltsrahmen im Landesrundfunkvertrag verbindlich festlegen!’

Auch den Panoramablick über die Hauptstadt hat Vernau von Schlesinger geerbt: Ihr Büro befindet sich „vorerst“ im 13. Stock des RBB-Fernsehzentrums am Theodor-Heuss-Platz (Charlottenburg). „Denn dort ist das Team“, sagt der Wirt. „Es gibt Überlegungen, wie es an den Standorten Potsdam und Berlin gleichermaßen präsent sein kann.“ Schlesingers Luxusbüro nebenan wurde entkernt und steht nun allen Mitarbeitern als Besprechungsraum zur Verfügung.

Auf den Kanzler-Audi A8 mit Massagesitz muss der Vernau-Nachfolger vorerst verzichten. „Der geleaste Dienstwagen von Frau Schlesinger wird im September zurückgegeben“, teilte der Sender der BZ mit. „Frau Vernau nutzte ursprünglich RBB-Fahrzeuge oder öffentliche Verkehrsmittel für ihre Dienstreisen. Es wird keinen persönlich ernannten Fahrer geben.’

Erstaunlich: Gegen ihre fristlose Kündigung hat Schlesingers Vorgängerin noch nicht geklagt, erst die Gerichte und dann der RBB, hieß es auf BZ-Anfrage. Außerdem hatte der RBB ihre Rente für ihren leitenden Job gestrichen. Die dreiwöchige Klagefrist vor dem Arbeitsgericht ist bereits abgelaufen. Womöglich steht Schlesinger aber noch vor dem Landgericht Berlin …

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