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Der Notfallplan tritt in Kraft. So will Europa Gas sparen.

So entsteht der Preis für Benzin und Diesel

Mit dem Krieg in der Ukraine schossen die Treibstoffpreise in die Höhe. Hier erklären wir, wie die Kraftstoffpreise ermittelt werden.

17.03.2022

Werbekampagnen für kürzeres Duschen oder Bußgelder für die Nutzung der Klimaanlage bei geöffneten Türen – die EU-Staaten erwägen Maßnahmen zur Senkung des Gasverbrauchs um 15 Prozent. Aber nicht alle machen mit.

Weniger Duschen, weniger Straßenlaternen, Schwitzen im Büro: Mit Maßnahmen wie diesen wollen die EU-Staaten in den kommenden Monaten Sprit sparen, um für das Worst-Case-Szenario – einen Lieferstopp aus Russland – gewappnet zu sein.

Ab Dienstag tritt der Gas-Notplan der EU in Kraft. Sie fordert die 27 Länder auf, ihren Gasverbrauch von Anfang August bis Ende März 2023 freiwillig um 15 Prozent gegenüber dem Durchschnittsverbrauch der vergangenen fünf Jahre zu senken. Der Notfallplan gilt zunächst für ein Jahr.

Wenn nicht genug gespart wird und es zu weit verbreiteten Versorgungsengpässen kommt, könnte der nächste Schritt darin bestehen, einen EU-weiten Alarm mit verbindlichen Einsparzielen auszulösen. Allerdings ist die Hürde dafür hoch: Notwendig ist die Zustimmung von mindestens 15 EU-Staaten, die zusammen mindestens 65 Prozent der Gesamtbevölkerung der Union ausmachen.

Aber nicht alle Länder zeigen vollen Einsatz. Während viele EU-Mitgliedstaaten konkrete Maßnahmen vorschlagen, müssen andere noch Pläne zur Erreichung des europäischen Sparziels vorlegen. Ungarn blockierte die Pläne komplett. Überblick:

Deutschland: Stein- und Braunkohlekraftwerke sind wieder in Betrieb

Das besonders vom russischen Gas abhängige Deutschland soll nach Angaben des Ministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz sogar mehr als die vereinbarten 15 Prozent erreichen. Um Gas zu sparen, produziert seit Ende Juli Strom aus einem zuletzt in Reserve befindlichen Kohlekraftwerk. Weitere folgten, ebenso wie Braunkohlekraftwerke.

Eine Regierungskampagne soll die Menschen zum Energiesparen motivieren. Einsparungen sind auch in öffentlichen Gebäuden vorgesehen, in denen sporadisch genutzte Räume wie Flure oder Lobbys nicht mehr beheizt werden. Bei Erdgasheizungen in Wohngebäuden sollte eine Prüfpflicht bestehen, zum Beispiel zur Temperaturabsenkung während des Vorlaufs oder in der Nacht. Für Unternehmen soll die Möglichkeit, ungenutzte Gasmengen auf Auktionen zu verkaufen, Anreize zum Energiesparen bieten.

Österreich: Umstellung auf Öl

Österreich setzt auf andere Brennstoffe. Das stillgelegte Steinkohlekraftwerk Mellach soll bei Bedarf wieder in Betrieb genommen werden. Außerdem sollen große Unternehmen und Kraftwerke ab Herbst auch Erdöl als Alternative zu Gas nutzen können, wobei der Staat die Kosten für die Umstellung übernimmt. Zudem wird ab Herbst eine Energiesparaktion gestartet. Laut Energieministerium haben allein die hohen Preise im ersten Halbjahr bereits zu einem um rund sieben Prozent geringeren Gasverbrauch als im Vorjahreszeitraum geführt.

Frankreich: Bußgelder für den Betrieb von Klimaanlagen bei geöffneten Türen

In Frankreich müssen die öffentliche Verwaltung und der Privatsektor beim Energiesparen die Führung übernehmen. Dazu werden Zielpläne für die Bereiche erstellt, darunter Klimatisierung und Beleuchtung in den Gebäuden. Behörden sind beispielsweise verpflichtet, Geräte nicht im Standby-Modus zu lassen und weniger zu kühlen und zu heizen. Einige Supermärkte haben angekündigt, ihre Türen bei eingeschalteter Klimaanlage konsequenter zu schließen. Das will die Regierung für alle Transaktionen durchsetzen, im Zweifel und mit Bußgeldern. Gleichzeitig sollen die hochgeschlossenen Kernkraftwerke bestmöglich winterfest gemacht und die Produktion erneuerbarer Energie gefördert werden.

Niederlande: Förderung von Sparmaßnahmen

Die Niederlande zielen mit einer Werbekampagne vor allem auf Sparmaßnahmen der Bevölkerung ab: Die Bürger sollen kürzer duschen und die Heizung um mindestens ein Grad reduzieren. Branchenspezifikationen sind jedoch nicht ausgeschlossen, die nach dem Sommer bekannt gegeben werden sollen. Seit Beginn der Energiekrise verbraucht das Land etwa 25 Prozent weniger Gas pro Monat als in den Vorjahren.

Belgien: Bürger zum Energiesparen aufgefordert

Auch in Belgien ging der Verbrauch in der ersten Jahreshälfte allein aufgrund der hohen Preise zurück. Die Regierung forderte die Bürger auch auf, Energie zu sparen.

Italien: Heizperiode um zwei Wochen verkürzen

In Italien dürfen öffentliche Büros nur noch auf 25 Grad kühlen, die Heiztemperatur wird von 20 auf 19 Grad gesenkt. Auch eine Verkürzung der Heizperiode um zwei Wochen ist angedacht. Derzeit gibt es keine Gasverbrauchsbeschränkungen für die Industrie.

Griechenland: Straßenbeleuchtung auf ein Minimum reduzieren

In Griechenland dürfen die Behörden Räume nicht mehr unter 26 Grad kühlen, die Straßenbeleuchtung muss auf das unbedingt Notwendige reduziert werden. Aktuell gibt es auch ein aus staatlichen und europäischen Mitteln finanziertes Programm, bei dem Bürger alte Klimaanlagen und Kühlschränke durch neue, energiesparende Geräte ersetzen können. Außerdem müssen einige Kohlekraftwerke wieder hochgefahren werden, während andere Kraftwerke von Gas auf Öl umgestellt werden müssen.

Spanien: Räume nicht über 19 Grad heizen

In Spanien dürfen alle öffentlichen Einrichtungen sowie Kaufhäuser, Kinos, Arbeitsstätten, Hotels, Bahnhöfe und Flughäfen ihre Räumlichkeiten nur noch auf 27 Grad kühlen und auf maximal 19 Grad heizen. Außerdem müssen Geschäfte und Betriebe mit automatischen Systemen ihre Türen geschlossen halten. Die Beleuchtung in ungenutzten Büros, Schaufenstern und Denkmälern muss nach 22 Uhr ausgeschaltet werden.

Schweden: Online-Haushaltsführer

In Schweden ermutigt die Energieagentur Haushalte mit einem umfassenden Online-Leitfaden zum Energiesparen.

Finnland und Dänemark: Das Energieeinsparziel wurde bereits erreicht

Nach Angaben der Regierung hat Finnland seinen Gasverbrauch in den vergangenen zehn Jahren bereits halbiert und seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine weiter gesenkt – für weitere Maßnahmen besteht laut Regierung kein unmittelbarer Bedarf. Auch in Dänemark wurde das Energiesparziel bereits erreicht.

Estland: Ölschiefer als Ersatz für Gas

Laut Wirtschafts- und Infrastrukturministerin Riina Sikut ist der Verbrauch in Estland im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt bereits um 16 Prozent gesunken. Wärmeversorger und Industrie sind jedoch angehalten, Gas einzusparen und auf andere Brennstoffe umzusteigen. Zudem kann heimischer, aber klimaschädlicher Ölschiefer Gas in der kommenden Heizperiode teilweise ersetzen.

Litauen: Vilnius stellt auf Ölheizung um

Laut dem stellvertretenden Energieminister Albinas Zananavičius sollte Litauen keine zusätzlichen Maßnahmen ergreifen. Grund dafür sind neben dem Preisverfall der Nachfrage auch die Pläne der Hauptstadt Vilnius, in der kommenden Heizperiode Erdgas durch Heizöl zu ersetzen.

Lettland: Leitlinien sind in Arbeit

In Lettland arbeitet die Regierung noch an Richtlinien zur Umsetzung von Energiesparmaßnahmen.

Tschechien, Slowenien, Bulgarien: Keine konkreten Pläne

Die Tschechische Republik setzt stark auf freiwillige Maßnahmen. Beispielsweise haben die Verbraucher in der Tschechischen Republik den Gasverbrauch aufgrund hoher Preise bereits reduziert. Auch in Slowenien gibt es keine konkreten Pläne, eine Studie ist im Gange. Die Übergangsregierung in Bulgarien hat noch keine Maßnahmen formuliert, um das 15-Prozent-Ziel zu erreichen.

Polen und Ungarn: nicht teilnehmend

In Polen sieht sich die nationalkonservative Regierung nicht an das 15-Prozent-Einsparziel gebunden. Die Freiwilligkeit der Regelung wird betont. In Ungarn schließt die rechte Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán die Umsetzung des Ziels kategorisch aus.

dpa/tgab