26.07.2022 22:09 3.383
“The Perfect Boss”: Eine Affäre zwischen einem älteren Chef und einem jungen Praktikanten sorgt für Chaos!
Javier Bardem als perfekter Chef! Die moderne Arbeitswelt wird in der preisgekrönten spanischen Kinosatire verspottet. Die Filmkritik von TAG24.
Von Stefan Broel
Deutschland – Einer der großen Hits der Preisverleihungssaison! Mit „Der perfekte Chef“ wird am 28. Juli eine Satire über die moderne Arbeitswelt in Deutschland gezeigt Kinos An. Warum die Arbeit von Fernando Leon de Aranoa (54) so überzeugend ist, erfahren Sie im Folgenden TAG24 Filmkritik.
Julio Blanco (Javier Bardem, 53) stellt mit seiner Firma Industriewaagen her und ist führend auf seinem Gebiet. Diesen Status möchte er natürlich behalten. © PR/Alamode Filmverleih
Zu Beginn werden einige arabische Jugendliche im Park gezeigt, die von gleichaltrigen Spaniern angegriffen werden. Übrigens von Salva (Martin Páez), der mit seinen Männern sogar einen am Boden liegenden Mann tritt. Nur die eintreffende Polizei kann schlimmere Folgen verhindern. Salva wird gefangen und eingesperrt.
Also bittet sein Vater Fortuna (Celso Bugallo, 75) seinen Chef Julio Blanco (Javier Bardem, 53), ein gutes Wort für Salva einzulegen, schließlich sei er ein „braver Junge“. Da für Julio alle Probleme seiner Angestellten seine sind und er sie als seine Kinder ansieht, lässt er Salva frei und gibt ihm einen Job.
Der junge Mann darf vor der Boutique von Blancos Frau Adela (Sonia Almarcha, 50) Wache stehen, hängt dort aber mehr herum und schubst Kunden weg. Aber das ist nicht Julios einziges Problem.
Untertitel für Kino- und Filmnachrichten inklusive! Er ist der am schwierigsten zu verstehende Schauspieler
Sein langjähriger Freund und Produktionschef Miralas (Manolo Solo, 58) steckt in einer Ehekrise, die sich auch auf seine zunehmend sprunghafte Arbeit auswirkt. Auch sein Logistikmanager Khaled (Tarik Rmilly, 41) ist ein Rebell und schläft mit vielen Frauen in der Belegschaft. Außerdem musste Blanco aus Kostengründen einige Leute entlassen. Jose (Oscar de la Fuente, 46) ist einer von ihnen, deshalb ist er verzweifelt und protestiert mit einem Megaphon vor der Fabrikhalle, beschimpft seinen ehemaligen Chef mit mehr oder weniger gelungenen Reimen.
Auch sein Leibwächter Roman (Fernando Albizu, 58) geht ihm auf die Nerven. Aber nicht so sehr wie die neue Praktikantin Liliana (Almudena Amor, 24), mit der er eine Affäre beginnt, die ihn und seine Firma schließlich ins Chaos stürzt. Er will den Regierungspreis für hervorragende Unternehmensführung erhalten. Und das zuständige Gremium hat bereits seinen Besuch angekündigt…
Deutscher Trailer zu „The Perfect Boss“ mit Javier Bardem, Manolo Solo und Almudena Amor
“The Perfect Boss” wirft einen kritischen, aber witzigen Blick auf die moderne Arbeitswelt
Julio Blanco (Javier Bardem, 53, links) ist hingerissen von der charmanten Liliana (Almudena Amor, 24). © PR/Alamode Filmverleih
De Aranois („A Perfect Day“, „Loving Pablo“, „Mondays in the Sun“) hat mit dieser Geschichte großartige Arbeit geleistet. Durch eine puzzleartige Anordnung von Details und Wendungen entfalten Regisseur, Drehbuchautor und Produzent nach und nach die volle Kraft ihrer hervorragend durchdachten Arbeit.
Dadurch nimmt der Film schnell Fahrt auf und hält das Publikum während seiner 120-minütigen Laufzeit in Atem. Das liegt auch an der subtilen, präzisen Schrift, die mehrere Ebenen hat. Mit geschliffenen und oft mehrdeutigen Dialogen entlarvt er auf witzige Weise viele Probleme der modernen Arbeitswelt und nimmt sie dennoch ernst, weshalb man sich auch lange nach dem Anschauen noch mit ihnen identifizieren und meist identifizieren kann.
Im Kern geht es um Menschen, ihre Fehler, ihr Scheitern und die Widerstände, die sie überwinden müssen, um erfolgreich zu sein. All dies wird am Beispiel eines Chefs gezeigt, der es allen recht machen will, aber erkennen muss, dass dies nicht geht und er nicht alles kontrollieren kann.
Zudem macht de Aranoa deutlich, wie sehr es in den meisten Unternehmen nur um den Schein geht. Blancos Betrieb glänzt nur an der Oberfläche. Wenn Sie etwas tiefer graben, können Sie viele Beschwerden und Probleme sehen. Wie genau de Aranois all diese Dinge beobachtet und mit Klischees spielt, als wäre die Affäre großes Autorenkino! Glücklicherweise schafft er es auch, sie in seine aufregende und manchmal urkomische Handlung einzuflechten.
Originaler spanischer Trailer zu „El Buen Patron“ unter der Regie von Fernando Leon de Aranoa mit Oscar de la Fuente
„The Perfect Chef“ wurde für 20 Goyas in Spanien nominiert
Julio Blanco (Javier Bardem, 53, links) ist ehrgeizig und will auch den nächsten Preis für seine unternehmerische Tätigkeit gewinnen. © PR/Alamode Filmverleih
Trotz der vielen Charaktere wirkt die Komödie keineswegs überdreht. Da alle Figuren symbolisch für eine größere Gruppe von Menschen stehen, arbeiten sie sehr gut zusammen. Außerdem bekommt jeder gute Szenen, weshalb viele kleine Auftritte in Erinnerung bleiben.
Besonders Bardem („Wege des Lebens – The Roads Not Taken“, „Dune“, „James Bond: Skyfall“), der für sein wahnsinniges Weltklasse-Schauspiel – wie auch für die Satire selbst – mehrfach ausgezeichnet wurde, sticht heraus.
Tatsächlich brach The Perfect Boss einen Rekord in Spanien, indem er als erster Film für 20 Goyas nominiert wurde und sechs gewann, alle in den Hauptkategorien.
Er hat weltweit 30 Auszeichnungen und 47 Nominierungen und ging als spanischer Kandidat um den Oscar ins Rennen, ging in die Vorauswahl, schaffte es aber nicht unter die ersten fünf Filme. Eine umstrittene Entscheidung, denn beispielsweise war “The Hand of God” nur von gemischter Qualität.
Aber der ultimative Gewinner”fahr mein Auto” war ein herausragender Film, der norwegische Beitrag “Der schlimmste Mensch der Welt” auch toll. Und irgendwann sogar top funktioniert wie “Held – Lord Soltanis verlorene Ehre” oder “Viel Freiheit„nicht aus der Vorauswahl.
Julio Blanco (Javier Bardem, 53) lässt bei all dem Stress die Sau raus. © PR/Alamode Filmverleih Adela (Sonia Almarcha, 50, links) ahnt nichts von der Affäre zwischen ihrem Mann und Liliana (Almudena Amor, 24) und kleidet die junge Dame sogar in ihrer Boutique besonders schön. © PR/Alamode Filmverleih
Insgesamt lohnt sich The Perfect Boss als intelligente Komödie mit Tiefgang, die witzig, interessant und mitreißend ist und viele Themen der modernen Arbeitswelt auf witzige Weise behandelt. Dank der wunderschönen Kostüme, der exzellenten Kinematografie und der abwechslungsreichen Drehorte ist der Showwert reichlich vorhanden. Deshalb ist es ein sehenswerter Film geworden und auch auf der großen Leinwand sehenswert!
Titelbild: PR/Alamode Film Distribution
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