Bis: 08.09.2022 23:20
Als Olaf Scholz den neuen DFB-Campus betrat, ragten die deutschen Fußballer weit über ihm auf – auf der LED-Wand in der Lobby. Nur neun Tage nach dem verlorenen EM-Finale in Wembley mit seiner Trostrede in der Kabine besuchte der Bundeskanzler die Verbandszentrale in Frankfurt. Durch das Bestehen auf “Equal Pay”, d.h. gleiche Bezahlung für Frauen- und Männer-Nationalmannschaften machte die SPD-Politikerin am Dienstag (08.09.2022) einen Schritt nach vorne.
Der lange Weg zur Gleichbehandlung im Fußball
08.09.2022 23:30 Uhr
Der Präsident des Verbandes, Bernd Neuendorf, kündigte eine Debatte im Deutschen Fußball-Bund zur Harmonisierung der Prämien an. „Ich bin zumindest bereit, mit den Vertretern der A-Nationalmannschaften in unseren Gremien darüber zu sprechen, ob unser über Jahrzehnte gewachsenes Bonussystem noch aktuell ist (…) und gegebenenfalls angepasst werden kann.“ sagte Neuendorf nach der Gesprächsrunde mit Scholz, DFB-Geschäftsführer Oliver Bierhoff und Vizepräsidentin Celia Sasic.
Bundeskanzler Olaf Scholz besucht den DFB in Frankfurt
08.09.2022 23:30 Uhr
“Scholz: ‘Das ist eine politische Sache’ – 60.000 Euro statt 400.000 Euro
„Ich denke, das ist eine politische Sache, da macht es Sinn, über gleiche Prämien zu diskutieren“, sagte Scholz nach der einstündigen Führung und Diskussion mit Vereinsfunktionären. Während der Frauen-Europameisterschaft in England schaltete sich die Kanzlerin in die Debatte ein und forderte per Twitter gleiche Preisgelder für Männer und Frauen in den Nationalmannschaften: „It’s 2022. Women and men should be equal pay.“
Die DFB-Frauen erhielten für ihren zweiten Platz nach der 2:1-Endspielniederlage gegen England am 31. Juli jeweils 30.000 Euro. Für den Titel gäbe es 60.000 Euro. Die Männer würden bei einem Sieg bei der EM 2021 jeweils 400.000 Euro Preisgeld erhalten. Weitere Leistungsprämien für Nationalspieler aus dem Verband müssen vor der WM in Katar (21. November bis 18. Dezember) vereinbart werden. Die Frauen-Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland findet vom 20. Juli bis 20. August 2023 statt.
Neuendorf: „Die Märkte sind noch sehr unterschiedlich“
Neuendorf betonte, der DFB sei in dieser Frage “keineswegs rückständig” und verwies auf die in diesem Jahr ausgesetzten Rekordprämien für Frauen. Sie müsse auch “anerkennen, dass die Märkte trotz gleicher Aktivität immer noch sehr unterschiedlich sind”. Nach der Behauptung von Scholz verwies Bierhoff auch immer wieder auf die deutlich höheren Einnahmen der Herrenmannschaft.
Scholz über Lohngleichheit: „Sehr wichtige Entwicklung“
08.09.2022 23:30 Uhr
Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sagte am Wochenende im Interview mit Bayern 1 bei „Heute im Stadion“: „Wir haben gesagt, dass wir erstmal ein ausgeglichenes Spiel haben wollen, dass wir bessere Strukturen haben, dass wir gleiche Talente haben, das Alle Mädchen können Fußball spielen.”
Voss-Tecklenburg: „Vielleicht etwas weniger für Männer, etwas mehr für Frauen“
Voss-Tecklenburg, die im Urlaub ist und am Dienstag nicht in Frankfurt war, hat dennoch einen klaren Blick auf die Boni: „Ich würde mir einen Ausgleich wünschen, also vielleicht etwas weniger bei den Männern und etwas mehr bei den Frauen. Vielleicht Jemand Tag für den gleichen Titel, den Männer und Frauen erreichen, auch das gleiche Geld.
Genau in diese Richtung könnte es gehen, wenn der DFB jetzt mit den jeweiligen Nationalmannschaften über die WM-Prämien verhandelt. Grundsätzlich plädierte Scholz bei seinem Kurzbesuch in Frankfurt dafür, dass der Frauenfußball nach der EM-Euphorie “überall und auch ganz oben gefördert werden kann”. 60.000 vs. 400.000 Euro.
Quelle: sportschau.de
Add Comment