Der größte Speicher ist leer Wie Reden unabhängig von russischem Gas ist
Von Mark Dimpfel, 6. Februar 2022, 19:09 Uhr
Deutschlands wichtigster Gasspeicher in Reden ist fast leer, weil Gazprom seit Monaten nur noch geringe Mengen liefert. Der Bundesregierung sind seit langem die Hände gebunden. Doch nach und nach erlangte Wirtschaftsminister Habek die Kontrolle über das Depot zurück. Rezension.
Warum ist der Gasspeicher Rehden so wichtig?
Zwischen Bremen und Osnabrück liegt im niedersächsischen Reden die größte Gasanlage Deutschlands. Mit einem Fassungsvermögen von 3,9 Milliarden Kubikmetern repräsentiert der unterirdische Riese ein Fünftel der deutschen Lagerfläche. Zum Vergleich: Das entspricht dem Jahresverbrauch von etwa zwei Millionen Einfamilienhäusern. Dort laufen mehrere Erdgaspipelines zusammen, darunter die NEL-Pipeline, die Gas von Russland nach Reden transportiert.
Wem gehört der Gasspeicher?
Der deutsche Chemieriese BASF produziert seit langem Gas in Reden. Nach und nach stieg jedoch Gazprom in das Geschäft ein und 2015 übernahm der russische Staatskonzern das Lager vollständig. Betreiber ist Astora, eine Tochtergesellschaft von Gazprom Germania. Ausgerechnet Rehden, der Eckpfeiler der deutschen Gasversorgung, ist seither in russischer Hand. Schon damals gab es Zweifel an dem Deal der Grünen, zum Beispiel in der schwarz-roten Bundesregierung herrschte Vertrauen in Russland als Zulieferer.
Wo ist das Problem?
Tatsächlich war das Gas schon seit langem sicher in Reden angekommen. Mitte letzten Jahres stellte Gazprom jedoch plötzlich die Befüllung des Depots wie gewohnt ein. Experten vermuten, dass dies ein frühes Mittel ist, um Druck auf Putin auszuüben, der nur wenige Monate später die Ukraine angreifen sollte. Seitdem ist die Nutzung zurückgegangen, und der Speicher ist jetzt mit einer Kapazität von zwei Prozent fast leer. Spätestens mit Kriegsausbruch wurde Reden endgültig zum Symbol für die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas – und brachte wegen seiner gähnenden Leere die Bundesregierung in politische Schieflage.
Wie stellt sich die Bundesregierung dagegen?
Bundeswirtschaftsminister Habek hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kontrolle über das größte Lager des Landes zurückzugewinnen. Der erste Schritt war die Entscheidung im April, die Bundesnetzagentur zum Geschäftsführer von Gazprom Germania zu ernennen. Damit erhielt der Bund zwar die Kontrolle über den Betreiber, die Nutzungsrechte verblieben jedoch bei Gazprom Export in Moskau. Und sie haben keinen Ehrgeiz gezeigt, die Gasversorgung über das absolute Minimum hinaus zu erhöhen. Um diese Lücke zu schließen, hat die Bundesregierung das Gasspeichergesetz verabschiedet. Sie legt die Füllstandsvorgaben für Rehden zu jährlichen Stichtagen fest. Am 1. Oktober sollen es 80 Prozent, am 1. November 90 Prozent und am 1. Februar 40 Prozent sein. Wenn Gazprom Export diese Anforderungen nicht erfüllt und es den Anschein hat, können andere Quellen die Daten bereits importieren.
Wozu dient die neue Regelung?
Um die korrekte Befüllung des Gasspeichers sicherzustellen, erließ Habek am Mittwoch einen Ministerialerlass. „Da sich die Speicherstände des größten deutschen Gasspeichers in Reden seit Monaten auf historisch niedrigem Niveau befinden, ist schnelles Handeln erforderlich“, sagte der Wirtschaftsminister. Daher ist der Marktmanager für den deutschen Gasmarkt Trading Hub Europe (THE) mit Sitz in Ratingen berechtigt, die erforderlichen Füllmengen auszuschreiben. THE kann Gas auch direkt kaufen und speichern – und soll per Verordnung möglichst bald damit beginnen.
Was nun?
Woher das benötigte Gas kommen soll, ist noch unklar. Eine stärkere Nutzung von verflüssigtem Erdgas wäre möglich. Hier könnten kurzfristig Importe aus europäischen Nachbarländern helfen. Dieses wiederum ist deutlich teurer als russisches Gas, und den Verbrauchern dürften zusätzliche Kosten entstehen. Fest steht: Große Mengen Gas müssen schnellstmöglich nach Rehden zurückfließen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Obwohl die deutschen Erdgasspeicher grundsätzlich gut gefüllt sind, liegt der Füllstand mit rund 48 Prozent deutlich über dem Vorjahresniveau. Doch wenn Deutschlands größter Gasspeicher noch leer ist, drohen im Winter Schwierigkeiten.
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