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Ein Angriff auf Österreich? “Dann erwarten wir noch Hilfe” – Politik

Schweden wirft die Neutralität über Bord, Finnland auch – und Österreich? Hierzulande muss die „Kein Blinker“-Debatte wieder aufgenommen werden.

Auch als Bundeskanzler Karl Nechamer verkündete, die Diskussion um die Neutralität Österreichs sei beendet, flammte das Thema immer wieder und immer intensiver auf. In Causa trafen sich am späten Montagabend ÖVP-Sicherheitssprecher Christian Stocker als glühender Verteidiger der Neutralität und Militärstratege Walter Feichtinger als Befürworter einer „Blinker“-Debatte über eine neue Sicherheitspolitik bei ORF „ZiB 2“.

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“Ich würde sagen, wir müssen uns einfach umschauen”, begründete Feichtinger, warum über Österreichs Neutralität diskutiert werden sollte. Die Lage habe sich geändert, „die Bedrohungslage ist anders“ und man müsse sich fragen, ob Neutralität heute noch das beste Sicherheitsinstrument für Österreich sei, so der Militärstratege. Für Stoker hingegen ist die Neutralität weniger ein Sicherheitsinstrument als vielmehr ein Zeichen der Unteilbarkeit und Unabhängigkeit des Landes.

„Das muss so bleiben“, sagte Stoker. Und nur weil so etwas wie Neutralität alt sei, sei es noch lange nicht schlecht, sagte der ÖVP-Politiker. Zudem habe sich laut Stoker die Neutralität bereits weiter entwickelt, auch bei den Grenzen innerhalb des EU-Bündnisses. Dies gehe jedoch “nicht weit genug”, sagte Feichtinger, der die Haltung Österreichs verurteilte. Im Rahmen der Neutralität hat sich die EU die Freiheit genommen, anderen angegriffenen EU-Staaten nicht helfen zu müssen.

„Das sehe ich nicht so“

Auf der anderen Seite erwarte Österreich genau diese Hilfe von anderen EU-Staaten, falls es selbst angegriffen werde, so Feichtinger. “Ich sehe das überhaupt nicht so”, sagte Stoker. Österreich ist nicht nur von Nato-Staaten umzingelt und verteidigungsneutral, sondern auch von der Europäischen Union – und hat eine Beistandspflicht, wenn ein EU-Land angegriffen wird. Die Verteidigungsausgaben der ÖVP sollen auf 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöht werden, um die Verteidigungsfähigkeit Österreichs zu verbessern, so der Sicherheitssprecher der ÖVP.

Dass Neutralität funktioniert, zeigt Stocker am Beispiel der Schweiz. Feichtinger hingegen “fehlt der Glaube”, dass die Bundeswehr konkret handeln werde, bisher habe er nur “Absichtserklärungen” gesehen. Doch dann waren sich beide Seiten plötzlich einig, dass der Krieg in der Ukraine eine Einladung sei, die Sicherheit des Landes zu überdenken, aber nicht alles über Bord zu werfen. Aber das müsse „ohne Jalousien“ passieren, sagt Feichtinger, und diese Diskussionen will man im Moment wohl verhindern.

Nav Account rfi Zeit 16.05.2022, 22:35 | Akt: 16.05.2022, 22:39