Einmal mehr waren es Frauen, die diese Spielzeit in Salzburg zumindest in der Oper zu einem echten Festspiel machten: Frauen wie die litauische Sopranistin Hasmik Grigoryan, die vor vier Jahren mit einer fulminanten Interpretation der Titelpartie ihre Weltkarriere startete Richard Begins Salome Strauss hier in Salzburg, und in Giacomo Puccinis Einakter „Il Trittico“ veredelt sie mit ihrer ganzen Stimme drei sehr unterschiedliche Frauenfiguren.
Ungewöhnliche Kombinationen, theatralische Übernahmen
Dieser stimmliche Akzent erleichterte auch die Überwindung der Tatsache, dass der ansonsten psychologisch so fein gezeichnete und zugleich immer wieder für ungewöhnliche Interpretationen bekannte Regisseur Christoph Loy mit diesem „Il Trittico“ recht hochwertig verarbeitete Produkte ablieferte.
Ganz anders das Gefühl bei der ersten Opernpremiere der diesjährigen Festspielsaison, wo der italienische Regisseur Romeo Castellucci Béla Bartóks Blaubarts Burg mit Karl Orffs apokalyptischem Opernoratorium De Temporum Fine Comoedia auf die Bühne brachte. Er konzentrierte sich nicht auf Blaubart, der sonst leicht zu einem männlichen Monster mutiert, sondern auf die Frau Judith, die von Ausryn Standit dramatisch verkörpert wird.
Endlos schöne Musik und krachende Rhythmen
Castellucci inszeniert ihren Einzug in Blaubarts Schloss und das Aufschließen der berühmten sieben Türen auf der nur von wenigen feurigen Symbolen erleuchteten schwarzen Bühne der Salzburger Felsenreichschule als einen unüberwindbaren Abstieg ins Dunkel der eigenen Seele. Theodore Kurentzis trieb Gustav Mahlers Jugendorchester so eindrucksvoll durch die unendliche Schönheit von Bartóks Musik und die stampfenden Rhythmen von Orffs Spiel vom Ende der Zeiten, dass selbst eingefleischte Kritiker verstummten. Sie hatten den als Klassik-Rebellen gefeierten und geächteten griechischen Dirigenten am Vorabend dieser Salzburger Festspiele wegen der Beteiligung seines Ensembles MusicAeterna an russischer Förderung ins Kreuzfeuer geraten.
Aber zurück zu den Frauen, die in diesem Jahr in Salzburg musikalische und szenische Momente geschaffen haben: Verdis Aida war eine von ihnen in der Person von Elena Stikhina, die in der überarbeiteten Inszenierung und Videoinstallation der iranischen Künstlerin Shirin Neshat die Frau als Große darstellt Opfer jeder Form von Krieg und Besatzung. Und auch „Káťa Kabanová“ von Leoš Janáček, mit der Corinne Winters als sozial ausgegrenzte Frau ihr fulminantes Festivaldebüt gab.
Während sich also die Oper bei den diesjährigen Salzburger Festspielen musikalisch von ihrer besten Seite präsentierte und auch thematisch in den Ernst der Weltlage hinabstieg, ließ das Drama unter seiner Intendantin Bettina Herring in seinen vier Inszenierungen nichts unversucht, um seine Aktualität zu beweisen.
Menschliche Verlorenheit befragen
Tatsächlich war das Programm mit einer Uraufführung, zwei kompletten Neufassungen klassischen Materials und einer ungewöhnlichen Kombination von Stücken eines Festivals würdig, und die Geste war klar eingeschrieben, dem Theater einen neuen dramatischen Schub zu verleihen.
Dass nicht alles geklappt hat, hat nur gezeigt, dass auch Scheitern festivalwürdig sein kann. Mit Spannung erwartet wurde beispielsweise die Neuaufnahme der zehn Szenen aus Arthur Schnitzlers berühmtem „Reigen“ durch zehn berühmte Autoren, inszeniert von der lettisch-amerikanischen Regisseurin Jana Ross. Am Ende entpuppt sie sich jedoch als ebenso überambitioniert wie Euripides und Goethes moderne Adaption des Opfermythos der Iphigenie, die die polnische Regisseurin Evelina Marciniak und die Dramatikerin Joanna Bednarczyk im heutigen Bildungsbürgertum ansiedeln.
Ivo van Hoves Verflechtung von Ingolstädter Fegefeuer und Marilouise Fleissers Ingolstädter Pioniere hingegen war ebenso inszeniert wie dramatisch und warf einen dunklen Blick auf die missbrauchte Seele einer jungen Generation. Es bleibt die Uraufführung des ersten Theaterstücks des Ausnahmeregisseurs Torsten Lensing mit dem Titel „Mad for comfort“, das sich als schwebende, surreale Frage nach menschlicher Einsamkeit und gleichzeitig vor allem mit Sebastian Blomberg, David, entpuppte Streisow, Ursina Lardy und Andre Jung: ein Schauspielfestival und damit Festivalglück!
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