Germany

Eine tiefe moralische Entscheidung, Europa zu erweitern DiePresse.com

Im Laufe ihrer Geschichte hat die EU immer Länder akzeptiert, die sich von Diktaturen oder fernen Mächten befreit haben. Es ist nicht ohne Risiko

Ist der Status der Ukraine als Kandidatenland eine wirtschaftlich pragmatische Entscheidung? Wahrscheinlich nicht. Das riesige Land mit seiner riesigen Landwirtschaft, mit seinen riesigen ungelösten internen Problemen (zB Korruption), seiner heiklen geopolitischen Lage ist als Beitrittskandidat eher ein Albtraum für alle wirtschaftlich denkenden Menschen. Außerdem muss die Instabilität berücksichtigt werden, die dieses Land in die EU bringen kann. Aber die 27 Staats- und Regierungschefs der EU kommen nicht umhin, der Ukraine und Moldawien danach den ersten Türspalt zu ihrer Gemeinschaft zu öffnen. Sich an der russischen Invasion zu rächen, die den eigenen Standpunkt notgedrungen auf Europa gelenkt hat, wäre eine Verletzung der eigenen Werte.

Kandidatenstatus bedeutet natürlich noch keinen Beitritt und natürlich gibt es noch große Reformhindernisse, die Kiew überwinden muss. Das Beispiel Türkei zeigt, dass es Länder gibt, die nie so enden. Aber darum geht es hier nicht. Der Punkt ist, dass überraschenderweise die politische Moral den politischen Pragmatismus überschattet, nicht zum ersten Mal in Europa.