Die Terrasse von Isabel Waldinger hat viele Blumen, darunter drei Dipladenia. „Dann bemerkte ich plötzlich, als ich draußen saß, dass irgendwo ein ständiges Summen und Summen im gleichen Ton war“, schildert Waldinger. Der Grund: Ein Taubenschwanz steckte in der Blüte einer Dipladenia-Pflanze.
Schütteln half nichts, also brach Waldinger die Blume ab: „Ich ging zum Tisch und öffnete die Blume ganz nach oben und sah, dass sie mit ihrem Rüssel an der Stempellippe klebte und nicht rauskam“, sagt Waldinger.
Pigeontail und Dipladenia nicht kompatibel
Waldinger ließ den Elenden los und hielt sich zunächst nicht viel dabei. „Danach wurde es häufiger und ich hatte immer Tinnitus“, sagt Waldinger. Die Rettungsaktionen nahmen zu, bis sie sich schließlich an inatura in Dornbirn wandte – wo festgestellt wurde, dass Taubenschwänze und Dipladenia nicht kompatibel waren.
Denn es gab keine sogenannte Co-Evolution zwischen dem Schwalbenschwanz und der zur Familie der tropischen Wolfsmilchgewächse gehörenden Dipladenia, wie dies bei anderen Insekten und Pflanzen der Fall ist.
Mit anderen Worten, Insekten und Pflanzen arbeiten seit Millionen von Jahren eng zusammen, denn einige wollen bestäubt werden, andere brauchen den Nektar als Brennstoff. Wenn Taubenschwänze aus dem Mittelmeer auf Dipladenia aus den Tropen treffen, geht nichts mehr: „Diese Probleme entstehen nur, weil Menschen die beiden mehr oder weniger auf einem anderen Kontinent zusammengebracht haben“, sagt Klaus Zimmermann von der inatura Dornbirn.
Die Pflanze hält Schwalbenschwänze
Denn Dipladenia hat eine unkomplizierte, „idiotenhafte“ Bestäubungsmethode entwickelt: Sie hält ihre Besucher. Für andere Motten ist dies kein Problem, sie können manchmal bis zu 24 Stunden an einer Dipladenia-Blüte hängen bleiben.
Aber der Schwanz der Schwalbe landet nicht, wenn sie Nekar trinkt. Mit wahnsinnig schnellen Flügelschlägen schwirrt es durch die Luft, weshalb die Motten auch Kolibri-Hawk-Moths genannt werden. Um zu verhindern, dass der Wind den Schwanz der Taube von ihrer Blüte weht, verbindet sie sich mit ihrem Rüssel.
Das Andocken geht blitzschnell, weshalb der Schwalbenschwanz blitzschnell wieder verschwindet. Aber Dipladenia lässt diesen Vorgang nicht zu: Sie hält weiterhin den Schwanz der Taube. Der Schwalbenschwanz hingegen brummt weiter, bis er schließlich stirbt.
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