Germany

Empfehlung des Klimarates löst Debatte aus – noe.ORF.at

Politik

Für Diskussionen sorgt derzeit die Empfehlung des Klimarates, dass künftig nicht die Kommunen, sondern die Bundesländer über die Vergabe von Bauland entscheiden sollen. Gemeindevertreter in Niederösterreich lehnen diese Initiative ab.

06.07.2022 06.38

Ab heute 6.38 Uhr online

Politik

Klimarat: Politik will Empfehlungen „ernst nehmen“

Geht es nach dem Bürger-Klimarat, der am Montag mehr als 90 Empfehlungen vorgelegt hat, wie Österreich bis 2040 klimaneutral werden kann, sollen Bürgermeister künftig nicht mehr über die Vergabe von Bauplätzen entscheiden können. Ab 2024 müssen die jeweiligen Bundesländer entscheiden, so der Klimarat. Den Bundesländern würde es leichter fallen, Nein zu neuen Baugrundstücken oder Gewerbeansiedlungen zu sagen. Allerdings profitieren die Kommunen beispielsweise von der Gemeindesteuer.

“Ignoranz der gängigen Praxis”

Die Empfehlung wird derzeit diskutiert. Sowohl ÖVP- als auch SPÖ-Gemeindevertreter in Niederösterreich sind gegen den Vorschlag. „Keine andere Organisation hat stärkere regionale Kompetenzen als die Gemeinden“, sagte der Präsident des ÖVP-Gemeindeverbandes Niederösterreich, Johannes Pressl, gegenüber noe.ORF.at. Angelegenheiten der Gemeindeentwicklung und Gemeindeorganisation werden in der Verantwortung der jeweiligen Gemeinden liegen und sollten dies auch bleiben.

APA/Tobias Steinmaurer Der Klimarat stellte am Montag seine Empfehlungen an die Politik – neben den Themen Mobilität, Energie und Ernährung wurde auch das Thema Flächennutzung diskutiert

Pressl wies auch darauf hin, dass vielerorts schon seit langem eine Landesplanung läuft und jeder Bau im Einklang mit dem Raumordnungsgesetz stehen muss. Der Präsident der Gemeindevertretung SPÖ, Rupert Dwarak, vertritt dieselbe Position. Die Empfehlung des Klimarates ist Unsinn und beruht auf Unkenntnis der gängigen Praxis. „Landumgestaltung ist sowieso nur mit Zustimmung des Staates möglich“, sagt Dwarak.

Reduzierung der Neuanbahnungen

Im Amt des zuständigen Landeshauptmann-Stellvertreters Stefan Pernkopf (ÖVP) wird die Rolle des Landes als Gesetzgeber und Aufsichtsbehörde erwähnt. Darüber hinaus gibt es ein Konzept der Raumordnung zwischen Gemeinden, das bereits in vielen Regionen umgesetzt ist und ständig erweitert wird. In Niederösterreich sei die Zahl der Neuantritte in den letzten Jahren zurückgegangen, heißt es.

Um den Rasen vor Bebauung zu schützen, gibt es in Niederösterreich zudem 1.200 Siedlungsgrenzen, die nicht bebaut werden dürfen. Auch Betriebsgebiete werden zunehmend gemeindeübergreifend entwickelt und geführt, d.h. in Zusammenarbeit mit mehreren Kommunen.