- Startseite
- Politik
Erstellt: 04.08.2022 Aktualisiert: 04.08.2022 08:59
Von: Moritz Serif, Lucas Meyer, Nail Akkoyoun, Niklas Kirk
Teilt
Die Energiekrise droht sich zu verschärfen. Russland will die Turbine für die Gaspipeline Nord Stream 1 nicht abnehmen.
+++ 9.00 Uhr: Aufgrund der anhaltenden Energiekrise sind viele Gaskraftwerke bereits geschlossen. In Hannover hat der Energieversorger Enercity wegen der bevorstehenden winterlichen Energieknappheit die Verbrennung von Erdgas bei der Stromerzeugung bereits deutlich reduziert, wie dpa schreibt.
„Aktuell ist der Gasfluss fast vollständig reduziert“, sagte ein Unternehmenssprecher. Welche Spätfolgen der Eingriff hat, kann das Unternehmen noch nicht genauer sagen. Das Gaskraftwerk beteiligt sich auch an der Glättung des Stromnetzes, das restliche Gas fließt in den Speicher. Gaskraftwerke, die derzeit zu Speicher-, Heiz- und Industriezwecken genutzt werden, würden auslaufen und nur noch systemrelevante Kraftwerke weiterbetrieben, schreibt dpa.
Energiekrise: Hannovers Gaskraftwerk erstickt. (Archivbild) © Julian Stratenschulte/dpa
Update Donnerstag, 4. August, 7.40 Uhr: Die EU-Länder haben sich darauf geeinigt, den Gasverbrauch um 15 Prozent zu senken. Hier muss Deutschland laut dpa-Berechnungen am meisten sparen. Demnach muss Deutschland von Anfang August bis März nächsten Jahres gut 10 Milliarden Kubikmeter Gas weniger verbrauchen, um das Ziel der EU-Staaten zu erreichen.
Die hier einzusparende Gasmenge entspricht in etwa dem durchschnittlichen Verbrauch von fünf Millionen Haushalten (jeweils mit vier Personen) pro Jahr. 10 Milliarden Kubikmeter Gas entsprechen etwa 100 Milliarden Kilowattstunden, schreibt DPA.
- Wie viel Gas muss jedes Land einsparen, um das Ziel zu erreichen:
- Deutschland: 10 Milliarden Kubikmeter Gas.
- Italien: 8 Milliarden Kubikmeter Gas.
- Frankreich: 5 Milliarden Kubikmeter Gas. .
- Niederlande: 5 Milliarden Kubikmeter Gas.
- EU insgesamt: 45 Milliarden Kubikmeter Gas.
- Quelle: dpa
Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sieht Deutschland auf dem richtigen Sparkurs. Im Vergleich zum Vorjahr (unbereinigt) hat Deutschland Einsparungen zwischen 14 und 15 Prozent. Habeck sagte kürzlich in Brüssel, Deutschland müsse seinen Verbrauch um mehr als 15 Prozent senken. Deutschland hat im Vergleich zur EU einen sehr hohen Gasverbrauch, weshalb hier absolut gesehen am meisten eingespart werden muss, um das Ziel zu erreichen.
Energiekrise: Mertz und Scholz besuchen Kernkraftwerke
+++ 22.30 Uhr: Inmitten der Debatte um ein längeres Leben der Atomkraft besuchen CDU-Chef Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder am Donnerstag (4. August) das Kraftwerk Isar 2 bei Landshut in Bayern. Sie wollten sich ein Bild von der aktuellen Lage machen und dann ein Statement abgeben (13.00 Uhr), wie die Staatskanzlei in München mitteilte
Energiekrise: Russland verweigert die Abnahme der Nord Stream 1-Turbine
+++ 20.09 Uhr: Nach Angaben des russischen Gaskonzerns Gazprom ist es wegen der gegen Moskau verhängten Sanktionen “unmöglich”, Russland mit der in Deutschland verfügbaren Turbine für die Pipeline Nord Stream 1 zu beliefern. In einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung nannte das Unternehmen auch “Unklarheiten in der aktuellen Situation bezüglich der vertraglichen Verpflichtungen von Siemens”, berichtete AFP.
Bundeskanzler Scholz und die Gasturbine. © Bernd Thissen/dpa/Picture Alliance
Gerhard Schröder: Diskussion mit Putin zur Energiekrise
+++ 16.31 Uhr: Altkanzler Gerhard Schröder hat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Energiekrise in Europa gesprochen, berichtet dpa. „Schröder war tatsächlich kürzlich in Moskau. Er hatte ein persönliches Treffen mit Präsident Putin“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch gegenüber Interfax. Schröder wollte wissen, ob es möglich sei, Nord Stream 2 in Betrieb zu nehmen.
Putin antwortete, es sei technisch möglich, aber bis Ende des Jahres könnten noch maximal 27,5 Milliarden Kubikmeter Gas durch Ostseepipelines nach Europa gepumpt werden. Wegen des aggressiven Krieges Russlands gegen die Ukraine hat die Bundesregierung den Einsatz von Nord Stream 2 ausgeschlossen.
Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin sind gute Freunde. © Alexey Druzhinin/Picture Alliance/dpa
Energiekrise: Scholz hält Weiterbetrieb von Atomkraftwerken offen
Update vom Mittwoch, 3. August, 14.10 Uhr: Olaf Scholz will sich angesichts der anhaltenden Energiekrise die Möglichkeit einer erweiterten Nutzung von Atomkraftwerken offen halten. Die Pfähle seien “nur für die Stromerzeugung relevant und nur zu einem kleinen Teil davon”, sagte die Kanzlerin bei einem Besuch in Mülheim an der Ruhr. “Aber es könnte trotzdem Sinn machen.”
Derzeit sind in Deutschland drei Kernkraftwerke am Netz: Isar 2, Neckarwestheim und Emsland. Eigentlich hören die Zentren zum Jahresende auf zu arbeiten, spätestens nächstes Jahr. Die Entscheidung werde auf Basis eines Stresstests der Stromversorgung getroffen, dessen Ergebnisse in Kürze vorliegen, sagte Scholz.
Grund sei unter anderem, dass „insbesondere in Bayern der Ausbau der Windenergie nur sehr langsam vorankomme“. Zudem geht der Ausbau des Übertragungsnetzes nach Süden nicht so schnell voran, wie wir uns das erhofft hatten.
Bundeskanzler Olaf Scholz bei einem Treffen mit Siemens Energy in Mülheim an der Ruhr. © Christoph Reichwein/Imago
Olaf Scholz über die umstrittene Turbine: „Sie ist da, sie kann geliefert werden“
Erstmeldung vom Mittwoch, 3. August: Mülheim/Ruhr – Auf einer Pressekonferenz in Mülheim an der Ruhr hat Bundeskanzler Olaf Scholz zur umstrittenen Turbine der Gaspipeline Nord Stream 1 Stellung bezogen. Seit Wochen ist die Turbinenwartung in der Pipeline ein Streitpunkt im Zusammenhang mit gedrosselten Gaslieferungen aus Russland. Siemens widersprach der Aussage des Kreml, westliche Sanktionen würden die vollständige Wartung der notwendigen Komponenten verhindern.
Der staatliche Gaskonzern Gazprom warf Siemens Energy vor, nicht die notwendigen Unterlagen und Informationen zur Reparatur der Maschine geschickt zu haben. Verantwortlich für die Situation sei nicht “Gazprom”, sondern “Siemens Energy”, sagte Markelow. „Je schneller das Unternehmen seine vertraglichen Verpflichtungen in der Verdichterstation Portovaya erfüllt, desto schneller wird sich die Versorgungssituation für den europäischen Markt normalisieren“, sagte Gazprom-Vizepräsident Vitaly Markelov in einer Erklärung vom 29. Juli.
Olaf Scholz nach Russland: „Die Turbine ist jederzeit einsetzbar“
Bei einer Ortsbesichtigung erklärte die Bundeskanzlerin, dass die verhängten Sanktionen einer Lieferung der Turbine nach Russland nicht entgegenstehen. Da die Sanktionen nicht das Gasgeschäft betreffen und Siemens auch alle notwendigen technischen Informationen liefern wird, kann die Turbine jederzeit aus Russland angefordert werden. Daher ist ein Weitertransport und eine Installation in Russland jederzeit möglich. „Die Turbine ist da, sie kann geliefert werden. Es muss nur jemand sagen, ich will sie, dann ist sie ganz schnell da“, resümiert Scholz
Im weiteren Verlauf der Pressekonferenz bekräftigte Scholz angesichts der vorherrschenden Energiekrise, dass er sich künftig von erheblichen Liefermengen unabhängig machen wolle. Denn selbst wenn die Turbine geliefert wird, muss damit gerechnet werden, dass Russland seinen Lieferverpflichtungen nicht nachkommt. Im ersten Schritt sollten alle Einsparungen beim Gasverbrauch getätigt werden, damit wir mit hohen Gasreserven in den kommenden Winter gehen können. Im Gegenzug bekäme Scholz viel positives Feedback aus der Wirtschaft zur Sparbereitschaft. Diesmal verwies er auf die umstrittene Inbetriebnahme von Kohlekraftwerken als Brücke.
Äußerungen von Altkanzler Gerhard Schröder blieben unerwähnt und unbeantwortet. In einem Interview mit dem Stern kritisierte er, dass die Turbine immer noch in Mühlheim bei Siemens steht. „Die Turbinen, die benötigt werden, um Gas in die Pipeline zu bekommen, kommen von Siemens und müssen regelmäßig gewartet werden“, sagt Schröder und ergänzt: „Aber Siemens hat die viel diskutierte Turbine aus der Wartung in Kanada nach Mülheim gebracht, das durch die Ruhr eingeschleppt wurde. Ich verstehe nicht, warum sie dort ist und nicht in Russland.”
Russland: Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 werden seit Monaten kontrovers diskutiert
Die Gaslieferungen durch die Gaspipeline Nord Stream 1 in der Ostsee sind seit Juni eingeschränkt. Einer der Gründe, die Gazprom nennt, ist die fehlende Turbine von Siemens Energy, die die Kanzlerin zu einer Ortsbesichtigung veranlasste. Im Zusammenhang mit weiteren Reparaturarbeiten wurden die Gaslieferungen kürzlich wieder auf 20 % der möglichen Liefermenge reduziert. (nki/nak mit afp)
Add Comment