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Energiekrise: Söder und Mertz besuchen ein Atomkraftwerk

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Erstellt: 08.03.2022, 22:30

Von: Moritz Serif, Nail Akkoyoun, Niklas Kirk

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Die Energiekrise droht sich zu verschärfen. Russland will die Turbine für die Gaspipeline Nord Stream 1 nicht abnehmen.

+++ 22.30 Uhr: Inmitten der Debatte um ein längeres Leben der Atomkraft besuchen CDU-Chef Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder am Donnerstag (4. August) das Kraftwerk Isar 2 bei Landshut in Bayern. Sie wollten sich ein Bild von der aktuellen Lage machen und dann ein Statement abgeben (13.00 Uhr), wie die Staatskanzlei in München mitteilte

Markus Söder (links) und Friedrich Merz (rechts) wollen das Kernkraftwerk Isar 2 während der Energiekrise besichtigen (Archivfoto). © Kai Osthoff/dpa/Picture Alliance

Energiekrise: Markus Söder fordert mehr Tempo als Ampeln

+++ 20.52 Uhr: CSU-Chef Markus Söder fordert von der Bundesregierung mehr Tempo in der Energiekrise. „Warum wieder halbherzig? Bei der Atomkraft hat die Ampel zu lange geschwankt und mit Unwahrheiten operiert. Jetzt sind endlich Lösungen gefragt“, sagte der bayerische Ministerpräsident am Mittwochabend der Deutschen Presse-Agentur in München.

Energiekrise: Russland verweigert die Abnahme der Nord Stream 1-Turbine

+++ 20.09 Uhr: Nach Angaben des russischen Gaskonzerns Gazprom ist es wegen der gegen Moskau verhängten Sanktionen „unmöglich“, Russland mit der in Deutschland verfügbaren Turbine für die Pipeline Nord Stream 1 zu beliefern. In einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung nannte das Unternehmen auch “Unklarheiten in der aktuellen Situation bezüglich der vertraglichen Verpflichtungen von Siemens”, berichtete AFP.

Bundeskanzler Scholz und die Gasturbine. © Bernd Thissen/dpa/Picture Alliance

Energiekrise: Gerhard Schröder hat eine Welle der Empörung ausgelöst

+++ 18.31 Uhr: Altkanzler Gerhard Schröder hat für eine Welle der Empörung gesorgt. Das berichtet Zeit Online. Der SPD-Politiker und Gaslobbyist sagte im Gespräch mit dem Stern, Russlands Präsident Wladimir Putin sei an einer Verhandlungslösung interessiert. Eine militärische Rückeroberung der von Russland annektierten Halbinsel Krim durch die Ukraine bezeichnete Schröder jedoch als “absurd”.

Nun gab es kritische Stimmen: Unions-Fraktionschef Thorsten Frei sagte der Rheinischen Post, Russlands Außenminister Sergej Lawrow habe gerade gesagt, er werde „die Ukraine von der Landkarte verschwinden lassen“. Man müsse sich diesen „Realitäten“ stellen und nicht „den Fantasien eines Menschen folgen, der seine persönlichen finanziellen Interessen über die Interessen seines Landes stellt“, sagte der CDU-Politiker zu Schröder.

„Wenn er sagt, dass Putin eine Lösung will“, dann kann sie jetzt sagen, wie die Lösung aussehen soll: „Putin will nämlich die Ostukraine“, sagte die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann in der RTL-Frühstart-Sendung /n-tv.

Gerhard Schröder: Diskussion mit Putin zur Energiekrise

+++ 16.31 Uhr: Altkanzler Gerhard Schröder hat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Energiekrise in Europa gesprochen, berichtet dpa. „Schröder war tatsächlich kürzlich in Moskau. Er hatte ein persönliches Treffen mit Präsident Putin“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch gegenüber Interfax. Schröder wollte wissen, ob es möglich sei, Nord Stream 2 in Betrieb zu nehmen.

Putin antwortete, es sei technisch möglich, aber bis Ende des Jahres könnten noch maximal 27,5 Milliarden Kubikmeter Gas durch Ostseepipelines nach Europa gepumpt werden. Wegen des aggressiven Krieges Russlands gegen die Ukraine hat die Bundesregierung den Einsatz von Nord Stream 2 ausgeschlossen.

Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin sind gute Freunde. © Alexey Druzhinin/Picture Alliance/dpa

Energiekrise: Scholz hält Weiterbetrieb von Atomkraftwerken offen

Update vom Mittwoch, 3. August, 14.10 Uhr: Olaf Scholz will sich angesichts der anhaltenden Energiekrise die Möglichkeit einer erweiterten Nutzung von Atomkraftwerken offen halten. Die Pfähle seien “nur für die Stromerzeugung relevant und nur zu einem kleinen Teil davon”, sagte die Kanzlerin bei einem Besuch in Mülheim an der Ruhr. “Aber es könnte trotzdem Sinn machen.”

Derzeit sind in Deutschland drei Kernkraftwerke am Netz: Isar 2, Neckarwestheim und Emsland. Eigentlich hören die Zentren zum Jahresende auf zu arbeiten, spätestens nächstes Jahr. Die Entscheidung werde auf Basis eines Stresstests der Stromversorgung getroffen, dessen Ergebnisse in Kürze vorliegen, sagte Scholz.

Grund sei unter anderem, dass „insbesondere in Bayern der Ausbau der Windenergie nur sehr langsam vorankomme“. Zudem geht der Ausbau des Übertragungsnetzes nach Süden nicht so schnell voran, wie wir uns das erhofft hatten.

Bundeskanzler Olaf Scholz bei einem Treffen mit Siemens Energy in Mülheim an der Ruhr. © Christoph Reichwein/Imago

Olaf Scholz über die umstrittene Turbine: „Sie ist da, sie kann geliefert werden“

Erstmeldung vom Mittwoch, 3. August: Mülheim/Ruhr – Auf einer Pressekonferenz in Mülheim an der Ruhr hat Bundeskanzler Olaf Scholz zur umstrittenen Turbine der Gaspipeline Nord Stream 1 Stellung bezogen. Seit Wochen ist die Turbinenwartung in der Pipeline ein Streitpunkt im Zusammenhang mit gedrosselten Gaslieferungen aus Russland. Siemens widersprach der Aussage des Kreml, westliche Sanktionen würden die vollständige Wartung der notwendigen Komponenten verhindern.

Der staatliche Gaskonzern Gazprom warf Siemens Energy vor, nicht die notwendigen Unterlagen und Informationen zur Reparatur der Maschine geschickt zu haben. Verantwortlich für die Situation sei nicht “Gazprom”, sondern “Siemens Energy”, sagte Markelow. „Je schneller das Unternehmen seine vertraglichen Verpflichtungen in der Verdichterstation Portovaya erfüllt, desto schneller wird sich die Versorgungssituation für den europäischen Markt normalisieren“, sagte Gazprom-Vizepräsident Vitaly Markelov in einer Erklärung vom 29. Juli.

Olaf Scholz nach Russland: „Die Turbine ist jederzeit einsetzbar“

Bei einer Ortsbesichtigung erklärte die Bundeskanzlerin, dass die verhängten Sanktionen einer Lieferung der Turbine nach Russland nicht entgegenstehen. Da die Sanktionen nicht das Gasgeschäft betreffen und Siemens auch alle notwendigen technischen Informationen liefern wird, kann die Turbine jederzeit aus Russland angefordert werden. Daher ist ein Weitertransport und eine Installation in Russland jederzeit möglich. „Die Turbine ist da, sie kann geliefert werden. Es muss nur jemand sagen, ich will sie, dann ist sie ganz schnell da“, resümiert Scholz

Im weiteren Verlauf der Pressekonferenz bekräftigte Scholz angesichts der vorherrschenden Energiekrise, dass er sich künftig von erheblichen Liefermengen unabhängig machen wolle. Denn selbst wenn die Turbine geliefert wird, muss damit gerechnet werden, dass Russland seinen Lieferverpflichtungen nicht nachkommt. Im ersten Schritt sollten alle Einsparungen beim Gasverbrauch getätigt werden, damit wir mit hohen Gasreserven in den kommenden Winter gehen können. Im Gegenzug bekäme Scholz viel positives Feedback aus der Wirtschaft zur Sparbereitschaft. Diesmal verwies er auf die umstrittene Inbetriebnahme von Kohlekraftwerken als Brücke.

Äußerungen von Altkanzler Gerhard Schröder blieben unerwähnt und unbeantwortet. In einem Interview mit dem Stern kritisierte er, dass die Turbine immer noch in Mühlheim bei Siemens steht. „Die Turbinen, die benötigt werden, um Gas in die Pipeline zu bekommen, kommen von Siemens und müssen regelmäßig gewartet werden“, sagt Schröder und ergänzt: „Aber Siemens hat die viel diskutierte Turbine aus der Wartung in Kanada nach Mülheim gebracht, das durch die Ruhr eingeschleppt wurde. Ich verstehe nicht, warum sie dort ist und nicht in Russland.”

Russland: Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 werden seit Monaten kontrovers diskutiert

Die Gaslieferungen durch die Gaspipeline Nord Stream 1 in der Ostsee sind seit Juni eingeschränkt. Einer der Gründe, die Gazprom nennt, ist die fehlende Turbine von Siemens Energy, die die Kanzlerin zu einer Ortsbesichtigung veranlasste. Im Zusammenhang mit weiteren Reparaturarbeiten wurden die Gaslieferungen kürzlich wieder auf 20 % der möglichen Liefermenge reduziert. (nki/nak mit afp)