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Energiewirtschaft: Auch die Gewinner der Krise wollen einen Gaszuschlag

Stand: 19.08.2022 16:21

Neben Uniper wollen fast ein Dutzend Energieunternehmen von der neuen Gasumlage profitieren. Darunter sind offensichtlich Unternehmen, die Milliardengewinne machen. Brauchen Sie die Gebühr wirklich?

Die Liste der Energieunternehmen, die die Gassteuer nutzen wollen, wird immer länger: Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie haben sich bisher zwölf Unternehmen zur Nutzung der Steuer angemeldet. Bisher sind nur vier von ihnen offiziell bekannt: Uniper, die Tochter der EnBW VNG, der Energiekonzern EWE und Wingas, die zur ehemaligen Gazprom Germania, jetzt Sefe, gehört. Sie kündigten öffentlich ihre Teilnahme am Gassteuersystem an.

Wer die weiteren Kandidaten sind, hat das Bundeswirtschaftsministerium noch nicht bekannt gegeben. Wie das Handelsblatt nun berichtet, enthält die Liste überwiegend ausländische Energiekonzerne. Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV, das Schweizer Energiehandelsunternehmen Axpo, der niederländisch-schweizerische Rohstoffhändler Vitol und sein Schweizer Rivale Gunvor sollen den Gaszuschlag beantragt haben. Auch einige Unternehmen bestätigten den Antrag auf Anfrage des Handelsblatts.

Nutznießer der hohen Energiepreise

Wenn diese Unternehmen die Gassteuer bekommen, wäre das politisch heikel. Denn ausländische Energiekonzerne profitieren derzeit von den hohen Preisen für Öl, Gas und Strom. In der ersten Jahreshälfte gelang es einigen von ihnen, ihre Gewinne um bis zu 200 Prozent zu steigern. Zudem wurde die Handelsgruppe Gunvor jahrelang vom inzwischen sanktionierten russischen Oligarchen Gennadi Timtschenko kontrolliert. Er hat das Unternehmen gegründet.

VNG und EWE sind nicht in existenziellen Schwierigkeiten

Bei mehreren deutschen Antragstellern ist zudem fraglich, ob sie auf den Gaszuschlag angewiesen sind. Deutschlands zweitgrößter Gasimporteur VNG hat Experten zufolge in den ersten sechs Monaten dieses Jahres Verluste hinnehmen müssen, gehört aber dem Energieversorger EnBW. Und er brachte im ersten Halbjahr einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro ein. EnBW-Chef Frank Mastio sagte kürzlich im “Handelsblatt”, dass VNG wohl keine Probleme wie Uniper haben werde. Das Risiko sei „nicht gering, aber nicht existenziell“.

Auch der Oldenburger Energieversorger EWE ist profitabel. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat das niedersächsische Unternehmen rund 355 Millionen Euro operativ erwirtschaftet. Darüber hinaus hat EWE mit der Beteiligungsgesellschaft Ardian einen finanzstarken Partner. Ardian hält 26 Prozent des Versorgungsunternehmens.

Kritik an Verbraucherschützern

Verbraucherschützer sind empört über Trittbrettfahrer, die die Spritsteuer nutzen wollen. Die Vorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), Ramona Popp, warnte davor, die falschen Unternehmen zu unterstützen. „Die Bundesregierung hat deutlich gemacht, dass sie mit der Gasumlage eine Insolvenz verhindern will, aber Profitgier zu Lasten der Verbraucher ausschließen muss“, sagte sie dem Handelsblatt. Es sei dringend notwendig, dass jene Unternehmen, „die trotz sprudelnder Gewinne von der Abgabe profitieren wollen, keine Unterstützung erhalten“. Es sollte nicht passieren, dass Verbraucher die Gewinne und Dividenden von Unternehmen finanzieren.

RWE und Shell verzichten auf den Zuschlag

Tatsächlich gibt es auch Unternehmen, die bereits angekündigt haben, auf die Gassteuer zu verzichten. Der RWE-Chef sagte vergangene Woche, dass das Unternehmen auf das ihm zustehende Geld aus der Umlage verzichten werde. „RWE ist ein finanzstarkes und stabiles Unternehmen. Wir erwägen daher, unsere Ersatzgasversorgungsverluste vorerst nicht steuerlich geltend zu machen“, sagte RWE-Vorstandsvorsitzender Markus Krebber.

Die Kosten für Alternativen zu russischem Gas trägt RWE selbst. Den Essener Bürgern war offenbar klar, dass die Forderung nach einem Gaszuschlag politisch nur schwer durchsetzbar sein würde. RWE hat im ersten Halbjahr 2,8 Milliarden Euro verdient – mehr als ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum.

Shell verzichtet zudem auf einen Gaszuschlag. Das teilte ein Sprecher vergangene Woche mit. „Shell und RWE haben sich offenbar bewusst gegen einen Gaszuschlag entschieden, um öffentlich nicht angreifbar zu werden“, sagte Jörg Scheiching, Geschäftsführer des Energieberatungsunternehmens ECG, gegenüber tagesschau.de. Für andere Gasimporteure wie VNG sei es viel Geld: “Die können einfach nicht darauf verzichten.”

Etwa 20 Gasimporteure können den Zuschlag beanspruchen

Theoretisch kann jedes Unternehmen, das russisches Gas importiert, die Gassteuer beantragen. Experten wie Scheyhing von ECG schätzen, dass es in Deutschland bis zu 20 Unternehmen geben soll.

Gasimporteure sind derzeit aufgrund stark begrenzter russischer Lieferungen gezwungen, teure Alternativen zu kaufen, um ihre Verträge zu erfüllen. Um Ungleichgewichte zu vermeiden und letztlich die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, können sie ab Oktober 90 Prozent der entstehenden Mehrkosten weitergeben. Sie müssen über die Gasumlage an alle Endkunden verteilt werden.