„Der Text spricht mich viel besser an als ich“, sagte Anna Marwan am Sonntagnachmittag bei der Ingeborg-Bachmann-Preisverleihung im ORF-Landesstudio Klagenfurt fassungslos. Marwan wurde von vielen für diesen stillen Text bevorzugt, aber er hatte bekannte Namen wie Hirschl oder Zeman an seiner Seite. Und auch die Texte von Juan S. Guse und Alexandru Buluc hatten vorab die Chance, den Preis zu gewinnen. Preisträgerin und Preisträgerin war Literatur, die sich behutsam und feinfühlig mit den Themen Einsamkeit und der Stellung der Frau in einer auf das Selbstbild fokussierten Welt auseinandersetzt. Und wer könnte getrost auf dekorative Accessoires und große Namen wie in anderen Texten dieses Wettbewerbs verzichten, nur weil die Gemälde funktionierten und schnell zum Gegenteil wurden.
Der Germanist Klaus Kastberger, der den Text vorgeschlagen hatte, sagte in seiner Laudatio auf Anna Marwan, er wisse nicht, welche Wirkung dieser ruhige Text auf die Zuhörer haben werde: „Marvan präsentiert die deutsche Sprache, als hätte er nie in einer anderen Sprache gelebt. Er bewegt seine Zunge vor sich her“, zog Kastberger vor diesem Werk seinen Hut. Im Schatten der Pandemie gehe es Marwan um Einsamkeit, „aber es spricht auch von den Möglichkeiten einer neuen Situation.“ Er sei beeindruckt von der Ausgewogenheit, die dieser Text bringe.
Eine Welt, in der alles „elend“ geworden ist.
Eine Ich-Erzählerin erzählt in The Green Frog von mehreren sporadischen Besuchen in ihrem Haus durch den Postboten, den sie nur anzieht, um aus dem Fenster zu schauen, den Gärtner, den sie vollständig bekleidet trifft und mit dem sie die Welt der Farben und darüber hinaus erkundet erkundet sich selbst. „Menschen ist es egal, ob ihr Bestes schwach geworden ist“, lautet der Anspruch an das Beste im alltäglichen Sprachgebrauch, während das Beste dahintersteckt.
Lieber Text von Ana Marwan! Aber ich mache mir schon Sorgen, wie lange die Jury bei der FFP2-Maske bleiben wird. #tddl
– Favian del Favaro (@FabsNavarro) 24. Juni 2022
„Wir sehnen uns nach einem anderen Land, das trocken ist“, schrieb Marwan. “Ich wollte, dass es sich vermehrt.” Marwan vergleicht eine sinnliche, schöne und furchtbar brutale analoge Welt mit all den digitalen Ansprüchen, die die Gegenwart prägen. Ihr Hinterfragen, dann aber das Greifen nach dem Ego, ist das, was sich all diesen Ansprüchen entgegenstellt. In Zeiten einer Pandemie lebt man „voll“ nur im Sommer. Alles in Marwans Welt sei aus der Praxis: „Moskitonetze sind weg – das ist gemeinsames Leid.“ Die Welt könne nicht „bei 40 Grad in Farbe gewaschen werden“. Und auch nicht im Modus erfahrener Stellvertreter zu „googlen“, sagt Marwan in einem präzisen, prägnanten Text, der zwischen der Konstruktion des Bildes und der Umkehrung aller Metaphern oszilliert.
Gerald Heidegger / ORF.at Anna Marwan eröffnet den zweiten Tag der Lesung des Ingeborg-Bachmann-Preises.
Ein „Gänsehauttext“, der die Jury beschäftigte
In der Jurydiskussion sah Mara Delius den Text als „einfühlsames Porträt einer Einsiedlerin, die das Motiv feministischer Literatur sehr modern interpretiert“. Philip Tingler las den Beitrag nicht als Text eines ausgewählten Retreats, „sondern als Illustration einer spätmodernen Geisteshaltung und als Spiel mit dem Bedürfnis, gesehen zu werden“. Die Rolle des abwesenden Mannes als Funktion im Text war Juror Michael Wiederstein wichtig: „Bevor der Mann zurückkommt, kann ‚alles gesaugt werden‘; die frau entscheidet sich gegen das kind, gegen das leben auf dem land.
Anna Marwan: Portrait, Lesung und Diskussion
Jurypräsidentin Insa Wilke sieht in der Anziehungskraft des Textes und der Widersprüchlichkeit und Rätselhaftigkeit der Bilder eine der Stärken dieser Arbeit. Klaus Kastberger fand am Donnerstag nach der Lektüre einen “Gänsehaut-Text”, der einen packt, “weil er viele Widersprüche zwischen Idylle und Horror herstellt”.
Die Gewinner der Preise
Folgende Gewinner wurden bisher bekannt gegeben:
- Bachmann-Preis: Anna Marwan (nominiert von Klaus Kastberger)
- Publikumspreis: Elias Hirschl (nominiert von Klaus Kastberger)
- Deutschlandfunkpreis: Alexandru Buluch (vorgeschlagen von Insa Wilke)
- KELAG-Preis: Juan C. Gusse (nominiert von Mara Delius)
- 3sat-Preis: Leon Engler (nominiert von Philipp Tingler)
Preisregeln
Die Kandidaten sammeln Punkte bei der Jury, die sie am Samstagabend vergab. Wer die meisten Punkte sammelt, gewinnt den Bachmann-Preis. Alle anderen Preise werden in absteigender Punktzahl vergeben. Bei der Siegerehrung werden die Preise „von unten nach oben“ vergeben.
Wer welche Auszeichnung erhalten würde, wussten weder die Jury noch die Organisatoren. Die Namensnennung war dem Notar vorbehalten. In diesem Jahr gewannen eine Frau und vier Männer die Preise in den fünf Kategorien.
Es gibt fünf Auszeichnungen
Fünf Preise wurden verliehen: der Ingeborg-Bachmann-Preis (gestiftet von der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee) in Höhe von 25.000 Euro, der Deutschlandfunk-Preis (gestiftet von Deutschlandradio in Höhe von 12.500 Euro), der KELAG-Preis (gestiftet von Kärntner-Elektrisiert -Aktiengesellschaft) 10.000 Euro), den 3sat Award (7.500 Euro) und den BKS Bank Publikumspreis (gestiftet von der BKS Bank in Höhe von 7.000 Euro).
Elias Hirschl als Publikumsliebling am dritten Tag
Leona Stahlmann, Clemens Bruno Gatzmaga, Juan S. Guse und Elias Hirschl stellten das Programm für den letzten Tag der Bachmann-Preis-Lesung am Samstag zusammen. Schaut man sich die emotionalen Debatten der Jury vom Vortag an, so zeigte die Jury, dass sie schnell warm wird und gerne mal aufheizt, wenn der erste Text schon auf den Weltuntergang blickte und der zweite fleißig „geschüttelt“ wurde. . Für das heimische Publikum war Elias Hirschl der Favorit des Tages.
ORF
Bachmann-Preis mit großer Textbreite
In Sachen Breite hatte Bachmann dieses Jahr einiges zu bieten. Und es fordert die Jury auch heraus, wie sie mit dem Übermaß an präsentierten Geschichten und Textformen umgehen soll. Viele der Autorinnen und Autoren des Bachmann-Preises haben nicht Deutsch als Muttersprache, manche stammen aus anderen Erzähltraditionen und machen diese Erfahrung zum Thema ihrer Texte, oder auch ihre Erzählweisen stammen aus anderen Traditionen.
Die Gewinner der Fotos
Eine Fotoserie mit 4 Fotos
ORF Elias Hirschl, ein Fan des Klagenfurter Publikums, erhielt den ORF Alexandru Bulucz Publikumspreis mit dem Deutschlandfunkpreis ORF Juan S. Guse erhielt den KELAG ORF-Preis Leon Engler erhielt den 3sat-Preis
Gleichzeitig fällt auf, dass Literatur heute mit anderen Erzählgenres konkurriert, von Netflix-Plattformen bis hin zur ewigen Selbstthematisierung sozialer Plattformen. Die Jury hat manchmal noch ästhetisch hohe Erwartungen oder versucht zu verteidigen, wozu sie aufgefordert ist: die Qualität der Texte zu bewerten. „Das“, so Juror Kastberger, „ist immer Geschmackssache, egal wie sehr wir unterschiedliche objektive Kriterien in die Analyse einfließen lassen.“
Bachmann-Preis
Vortrag über die Literatur von Anna Baar
Am zweiten Tag gab es einen ausgezeichneten Streit um Zemans Text, der mit Querverweisen überladen war. Und auch im Finale zum Auftritt der Autorin Mara Genschel, die einen Text als Fundstück und Rollenspiel präsentierte. „Bewerten wir die Leistung oder den Text oder beides?“, lautete die Frage der Jury. Und vom Podium kam zum ersten Mal die Antwort des Autors: “Du sagst die ganze Zeit nur, es ist eine Show, ich habe es nie gesagt.” Zu diesem Zeitpunkt war die Temperatur im Fernsehgarten so hoch geworden, dass die Juryschlachten beendet waren, was dazu führte, dass das Studio nicht auskühlte, sondern vor Aufregung bis zu einem gewissen Grad an Erschöpfung. Alexandru Buluc, der hier vor allem für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Poesie bekannt war, hatte den ersten Lesetag angedeutet. Alle Tage und Lesungen sowie Diskussionen können gelesen und durchsucht werden.
Dies waren die Tage des Lesens
Lesen Sie am Donnerstag
- Hannes Stein
- Eva Siechelschmidt
- Leon Engel
- Alexander Buuch
- Andreas Moster
Mehr dazu in Bulucz über das Migrationstrauma als Favorit
Am Freitag lesen
- Ana Marwan
- Behzad Karim Hani
- Osama Al Shahmani
- Barbara Zemann
- Mara Genschel
Mehr dazu in Am zweiten Tag wurde es heiß
Lesen Sie am Samstag
- Leona Stalmann
- Clemens Bruno Gatsmaga
- Juan C Gans
- Elias Hirschl
Mehr dazu in Dodge, The End of the World, Bobo Hell
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