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Experte: Die Inflation wird noch zwei Jahre über zehn Prozent bleiben

Die hohen Preise machen vielen Kunden noch zu schaffen, sagt Monika Koepl-Turina, Leiterin des industrienahen Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria. Köppl-Turyna erwartet, dass sich die Löhne unterhalb der Inflation einpendeln, d.h. reale Lohneinbußen.

Die Preise, insbesondere für Strom und Gas, stiegen stark an und so erwogen die ersten Unternehmen die Schließung von Anlagen. Aber „die großen Probleme stehen noch bevor“, sagt Monika Köpl-Turina, Leiterin des industrienahen Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria. Denn die hohen Preise am Spotmarkt haben viele Kunden noch nicht getroffen, da sie noch durch Termingeschäfte abgesichert sind. Die stärksten Auswirkungen auf die Wirtschaft werden in den Jahren 2023 oder 2024 erwartet.

„Der Jahreswechsel wird eine spannende Zeit, da viele Hecken auslaufen und Hecken ersetzt werden müssen“, sagte Köppl-Turyna. Sie hat eine Modellrechnung angestellt, wie sich die Wirtschaft in den kommenden Jahren entwickeln kann. Dabei beschränkte sie sich ausdrücklich darauf, dass die Märkte derzeit äußerst volatil sind und die Prognose mit ungewöhnlich hoher Unsicherheit behaftet ist.

Auch 2026 gibt es noch keinen Rückgang auf zwei Prozent Inflation

Doch Köppl-Turyna geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im nächsten Jahr um 20 Milliarden Euro schwächer ausfallen wird als ohne die Energiekrise und es zu einer „milden Rezession“ kommt, also Schrumpfung der Wirtschaftsleistung. 2024 besteht Hoffnung auf ein leichtes Wirtschaftswachstum. Die Inflation hingegen dürfte 2023 – und auch 2024 – über zehn Prozent liegen. Auch 2026 sieht der Ökonom nicht, dass die Inflation in die Nähe der von der Europäischen Zentralbank (EZB) gewünschten zwei Prozent sinkt. Rund 120.000 Stellen könnten wegfallen, Kurzarbeit könne nur noch zeitweise Arbeit geben. Wie viele Menschen arbeitslos bleiben, hänge auch vom Ausgang der Tarifverhandlungen ab, betont Koepl-Turina. Sie rechnet mit Abschlüssen unterhalb des Inflationsniveaus und dementsprechend Reallohneinbußen.

EcoAustria hat aber auch überlegt, ob eine Deckelung der Gaspreise, wie in Spanien und Portugal, eine Option wäre. Grundsätzlich sollte es eine europäische Lösung geben, solange Strom teurer aus Österreich exportiert werden kann. Um aber zu verhindern, dass auch Kohlekraftwerke subventioniert werden, müsste die Obergrenze für die Gasförderung auf 125 Euro pro MWh festgesetzt werden – das Dreifache des spanischen Betrags. Dies würde zu einem Strompreis von 300 € pro MWh führen. Das wäre zwar 40 Prozent weniger als im September, läge aber immer noch deutlich über dem langjährigen Durchschnitt und „biete starke Anreize zur Konsumreduzierung“. Eine solche Maßnahme würde den Steuerzahler jährlich 1,5 Milliarden Euro kosten. Wird zusätzlich das Heizen unterstützt, belaufen sich die Kosten auf knapp 2 Milliarden Euro.

Köppl-Turyna warnt davor, dass die Ausgestaltung von Subventionen für Unternehmen “sehr sorgfältig” erfolgen müsse, um riskantes Verhalten von Unternehmen, die beispielsweise Energie aus Spotmärkten bezogen haben, nicht zu subventionieren. Es ist wichtig, den Energiebedarf zu senken, was nicht durch Subventionen behindert werden sollte.

(APA)