Von Matthäus Becker
Extreme Spannung vor einem der explosivsten Prozesse des Jahres! Das Amtsgericht in Tiergarten soll am Montag hinter Panzerglas tagen. Die Verteidiger stehen unter bewaffnetem Polizeischutz – aus Angst vor Übergriffen der militanten linken Szene.
Zuhörer und Journalisten müssen sich einer Leibesvisitation unterziehen. Ihr Ausweis wird kopiert und alle elektronischen Geräte müssen an der Sicherheitsschleuse abgegeben werden.
► Der außergewöhnliche Grund für höchste Sicherheitsstufe ist die Brandstiftung des Linkspolitikers Firat Kocak. Inzwischen kann die Justiz versuchten Mord nicht mehr ausschließen.
Die Klugheit eines Politikers ist völlig ausgebrannt. Ein weiteres Auto wurde ebenfalls zerstört Foto: Jörg Bergman
Der Hintergrund
Vor dem Amtsgericht Tiergarten wurden fünf Männer (im Alter von 35 bis 50 Jahren) angeklagt, die angeblich der rechtsextremen Neonazi-Szene angehörten. Dazu gehören illegales Posten von rechtsextremen Parolen („Antifa Hurensohn“, „Headshot“, „Antifa Bastard“, etc.), Sozialbetrug und Corona-Soforthilfebetrug.
Im Mittelpunkt der Anklage stehen jedoch zwei Autobrandstiftungen. Einer war der berühmte linke Politiker Firat Kocak.
Der Mord
Am 1. Februar 2018 um 2.55 Uhr wurde der Politiker am Klettenweg in Neukölln durch eine Explosion und einen Brand geweckt. Die Flammen zerstörten einen Mercedes und drohten, das Haus seiner Eltern und eine Gasleitung im Schuppen zu verschlingen. Doch Firat Kocak konnte dies verhindern.
Mehr über die Menschen vor Gericht
Die Ermittlungen
Der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen. Aber monatelang passierte nichts. Zwei hochrangige Staatsanwälte wurden entlassen und zwangsweise versetzt.
Erst als die Staatsanwaltschaft den Komplex übernahm, wurden die mutmaßlichen Täter verurteilt und angeklagt.
Die Hauptangeklagten Sebastian T. (35, links) und Thilo P. (39) sollen für die Anschlagsserie in Neukölln verantwortlich sein Foto: Olaf Wagner
► Die Hauptangeklagten Sebastian T. (35, ehemaliger NPD-Landesvorsitzender, mehrfach vorbestraft wegen Körperverletzung, Kampfsport) und Thilo P. (39, Berufskraftfahrer, AfD-Mitglied, nicht vorbestraft) sind für mehr als 70 weitere Brandstiftungen verantwortlich in Neukölln, laut LKA Berlin.
Brisant: Kurz vor Prozessbeginn tauchte ein Schreiben auf, in dem er sich zu Kocaks Brandstiftung bekennt. Lesen Sie mit BILDplus, was dahintersteckt!
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