Veröffentlicht6. Juni 2022, 20:00 Uhr
Das Juwel des FCZ Wilfried Gnonto wird nach seinem exklusiven internationalen Debüt in Italien gefeiert. Aber wer ist dieser 18-Jährige? Und bleibt er beim Schweizer Meister? Ansilo Canepa verrät, wann er bereit ist zu sprechen.
Hier bereitet das FCZ-Juwel bei seinem Debüt den 1:0-Sieg Italiens gegen Deutschland vor.
SRF
Die italienischen Zeitungen waren voll von ihm. Geht man auf die Website der italienischen Sportbibel „La Gazzetta dello Sport“, sieht man nur ein Gesicht: das des FCZ-Schmucks Wilfried Gnonto. “Wer ist Willie Gnonto?”, fragte die Zeitung und gab gleich die Antwort: “Das ist Willie Gnonto.” Das Medium fuhr fort: „Italien findet Schmuck. Jahrgang 2003, 18 Jahre alt, viel Talent und Lust auf Arbeit: Die Nationalmannschaft hat eine neue Jugend am Start.“
Aber wer ist dieser Junge? Wer ist dieser Torschütze, der gemäss Transfermarkt.ch einen Marktwert von rund sechs Millionen Franken hat? Der Italiener wurde im November 2003 als Kind von Einwanderern aus der Elfenbeinküste geboren. Gnonto wuchs in Verbania am Lago Maggiore auf, nur wenige Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt. Sein Talent zeigt sich früh. 2012 ging er in die Jugendakademie von Inter Mailand, wo er Trainer und Scouts begeisterte. Drei WM-Tore hat er mit 15 Jahren schon geschossen – 2019 bei der U17-WM. Ja, außerdem ist Gnonto der jüngste Torschütze in der Geschichte dieses Wettbewerbs.
Gnonto war ein Diebstahl
Doch als der Fußballer schließlich feststellte, dass die Serie A nicht die beste Talentliga ist, war für ihn klar, dass er Inter verlassen musste. Für seine Entwicklung, seine Karriere. Er wollte nicht in einer Jugendakademie versinken oder von einem Unterklub nach dem anderen angeheuert werden. Und so kam es, dass im Sommer 2020 der FC Zürich zuschlug. Thomas Bickel, der frühere Sportdirektor des FCZ und heutige Leiter der Scout-Abteilung, konnte ihn überzeugen. Gemäss NZZ musste der Schweizer Meister den Italienern lediglich eine Ausbildungsvergütung von knapp über 100’000 Franken zahlen. Was für ein Schnäppchen!
Nach einem etwas holprigen Start in die Super League fing er in dieser Saison so richtig an zu fliegen. Unter Ex-Trainer Andre Breitenreiter kam Gnonto immer häufiger zum Einsatz – sogar von Anfang an. In dieser Saison hat der 18-Jährige 36 Spiele in allen Wettbewerben bestritten, zehn Tore erzielt und fünf weitere vorbereitet. Am Ende wurde er Schweizer Meister, wurde in die Nationalmannschaft Italiens berufen und debütierte gleich.
Matteo Politano musste am Samstag im Spiel gegen Deutschland (1:1) in der 65. Minute verletzt fallen, Italiens Trainer Roberto Mancini führte den 18-Jährigen an. Viel Glück! Nach Flanke von Gnonto in der 73. Minute musste Pellegrini nur noch den Fuß in die Mitte setzen. 1:0 stand es für den Europameister. Mancini lobte ihn nach dem Spiel und sprach von dem Stürmer “mit großartigen Qualitäten”. Gnonto selbst sagte bescheiden: „Heute hat mir unser Trainer eine Chance gegeben und ich denke, ich habe sie optimal genutzt.“
Wilfried Gnonto mit dem Champions Cup und seinen Eltern.
frischen Fokus
Das sagt der FCZ-Chef zu den Gerüchten
Italien spielt am Dienstagabend in der League of Nations gegen Ungarn. Spielt der FCZ Juwel wieder? Gut möglich. Fakt ist: Viele Klubs in Europa werden ihm sehr genau folgen. Mehrere Vereine haben ihn auf der Liste. Gazeta schreibt über Brügge, Anderlecht, Ajax, Eindhoven, Freiburg, Monaco, Lyon, Roma, Fiorentina und Sassuolo. Auch Transferexperte Gianluca di Marzio sagte, Hoffenheim wolle bei Gnonto unterschreiben. Heißes Hören! Immerhin ist Breitenreiter der neue Trainer der TSG.
Kein Verein erhält es umsonst. Der 18-Jährige hat beim FCZ noch einen Vertrag bis Sommer 2023. Die Zürcher hoffen auf eine zweistellige Ablösesumme. Gegenüber 20 Minuten verriet FCZ-Boss Ansilo Canepa, dass es bereits einige Angebote gegeben habe. „Wenn Willie die Chance bekommt, zu einem europäischen Top-Klub zu wechseln, sind wir vielleicht bereit zu reden. Aber ich betone: ein Top-Klub“, sagte Kanepa. Der 69-Jährige verfolgte das Spiel gegen Deutschland live im Fernsehen. Der FCZ-Boss: «Sein Debüt war phänomenal. Italienische Kommentatoren waren begeistert. Jedes Mal, wenn Willie am Ball war, gab es ein Gemurmel in der Menge.“
Und so bleibt es abzuwarten. Für das Spiel am Dienstagabend, für die nächsten Wochen. Hängt wohl vom neuen Trainer des FCZ ab. Wie plant man mit Supertalent? Apropos Trainer: Auf die Frage nach dem Stand der Trainersuche sagte Kanepa in 20 Minuten: „Da sind wir auf dem richtigen Weg!“ Man darf gespannt sein.
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