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Fischsterben in der Oder: Ursache noch unklar – Reibereien mit Polen

    schalte aus

  • Christoph Gschomann

  • Kai Hartwig

Tausende tote Fische treiben in mehreren Regionen an den Ufern der Oder. Das Fischsterben gibt Experten weiterhin Rätsel auf.

  • Mehrere Tonnen toter Fisch in der Oder: Laborergebnisse sollen Aufschluss geben. Erste Analysen weisen auf Quecksilber als mögliche Ursache hin.
  • Minister Lemke kritisiert Zusammenarbeit mit Polen: Gemeinsame Aufklärung mit Polen soll wegen fehlender Informationen nicht funktionieren.
  • Linken-Politiker Goerke kritisiert Lemke: Der Linke-Bundestagsabgeordnete fordert finanzielle Hilfen für die Städte und Unternehmen entlang der Oder.
  • Polen spricht von „Falschinformationen“: Aus Polen soll in letzter Zeit kein Wasser mehr in die Oder geliefert worden sein.
  • Dieser Newsticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 15. August, 8.30 Uhr: Am Montag (15. August) gab ein Sprecher des Umweltministeriums in Schwering erste Ergebnisse des deutsch-polnischen Treffens zum Problem des Fischsterbens in der Oder bekannt. Das Treffen, an dem auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) teilnahm, fand am Vorabend im polnischen Szczecin (Szczecin) statt. Die Umweltminister Polens und Deutschlands sowie der Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern waren sich einig, dass Ölbarrieren im Stettiner Haff eine weitere Ausbreitung der schwimmenden Kadaver verhindern sollen.

Die Oder erreicht auf polnischer Seite bei Stettin das Stettiner Haff, das zu zwei Dritteln zu Polen gehört, und hat zwei Wasserverbindungen zur Ostsee. Im deutschen Teil des Boddens – rund 900 Quadratkilometer groß, etwa doppelt so groß wie der Bodensee – sind bislang keine toten Fische aus der Oder angespült worden.

Tausende tote Fische schwimmen in der Oder: Die Laborforschung läuft auf Hochtouren

Update 15. August, 7.10 Uhr: Das Sterben der Oderfische bleibt ein Rätsel. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Wojtke (SPD) will sich am Montag bei Lebus – an der Grenze zu Polen – selbst ein Bild von der Lage machen. Auch dort retteten Einsatzkräfte und Freiwillige am Wochenende große Mengen toter Fische aus dem Grenzfluss.

Darüber hinaus werden im Bundesstaat weitere Laborergebnisse erwartet. Es wird übrigens geprüft, ob der erhöhte Salzgehalt im Wasser mit dem Töten der Fische zusammenhängt. Nach Angaben der polnischen Regierung wurden bei früheren Labortests keine giftigen Substanzen gefunden. Der Fisch sei auf Quecksilber und andere Schwermetalle getestet worden, sagte die polnische Umweltministerin Anna Moskova am Sonntagabend in Stettin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne).

Das Fischsterben an der Oder bleibt ein Rätsel.

© Marcin Bielecki/dpa

Fischsterben in der Oder: Lemke setzt bei Aufklärung auf Zusammenarbeit mit Polen

Update 14. August, 21.29 Uhr: Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) setzt bei der Aufklärung des Oder-Fischsterbens auf eine Zusammenarbeit mit Polen. Nach einem Treffen mit ihrer polnischen Amtskollegin Anna Moskova am Sonntagabend in Stettin seien lösungsorientierte Gespräche geführt und “gute, gemeinsame Schritte” vereinbart worden. Dazu gehören insbesondere Verbesserungen der Informationsketten. In den letzten Tagen gab es Lücken. Die deutsche Seite wurde zunächst von Fischern über die toten Fische informiert.

Nun geht es darum, den Schaden zu minimieren, die Bevölkerung zu informieren und zu schützen sowie die Ursache der Umweltkatastrophe zu ermitteln. Lemke bedankte sich auch bei den ständigen und ehrenamtlichen Helfern, die bereits massenhaft tote Fische aus dem Grenzfluss entfernt haben. „Es ist klar, dass wir vor einer wirklich schweren Umweltkatastrophe stehen“, sagte der Minister. Die möglicherweise jahrelang anhaltenden Auswirkungen sind noch nicht absehbar.

Die polnische Regierung: Bisher wurden keine giftigen Substanzen in den Fischen gefunden

Update 14. August, 21.25 Uhr: Nach Angaben der polnischen Regierung wurden bei Labortests an toten Fischen aus der Oder keine giftigen Substanzen gefunden, die den Fischtod verursachten. Der Fisch sei auf Quecksilber und andere Schwermetalle getestet worden, sagte die polnische Umweltministerin Anna Moskova am Sonntag in Stettin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne). In den kommenden Stunden werden die Fischproben auf weitere 300 Schadstoffe, darunter auch Pestizide, untersucht. Außerdem sollen Fischkadaver seziert und das Verhalten der Fische kurz vor ihrem Tod untersucht werden.

Moskau sagte, dass Wasserproben erhöhte Sauerstoffwerte zeigten, was für die Sommerperiode und niedrige Wasserstände ungewöhnlich ist. Möglicherweise ist das Wasser oxidiert. Das könnte bedeuten, dass das Fischsterben nicht natürlich ist, sondern dass es einen Täter gibt, der Stoffe ins Wasser abgegeben hat.

Update 14. August, 18.59 Uhr: Im Zusammenhang mit dem Fischsterben in der Oder haben polnische Wasserbehörden Berichte dementiert, dass zwischen Ende Juli und Anfang August Wasser aus polnischen Stauseen in den Fluss geleitet wurde. Laut der Nachrichtenagentur PAP handelt es sich um Falschinformationen, die in polnischen und deutschen Medien verbreitet werden. Demnach ist der kurzfristige Anstieg des Wasserspiegels witterungsbedingt. „Ende Juli fielen in Tschechien heftige Regenfälle, die den Abfluss und den Wasserstand der Oder beeinflussten“, heißt es in der Erklärung.

Das Brandenburger Umweltministerium schrieb am Donnerstag in einer Mitteilung, dass nach ersten Ergebnissen der Analyse am 8. August eine „starke Welle organischer Stoffe“ die Oder bei Frankfurt überquert habe. In deutschen und polnischen Medien wurde darüber spekuliert, ob auf polnischer Seite Staustufen oder Rückhaltebecken geöffnet worden seien, um mögliche Verschmutzungen schneller flussabwärts in die Ostsee zu spülen.

Lemke will eine Erklärung von Polen

Update 14. August, 17.07 Uhr: Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) fordert bei einem für Sonntagabend geplanten Treffen mit ihren polnischen Amtskollegen eine Klärung der Hintergründe des Oderfischsterbens. Die Regierung des Nachbarlandes habe bereits eingeräumt, dass Informationen über die Umweltkatastrophe auch nicht an Polen weitergegeben worden seien, sagte sie am Sonntag gegenüber NDR Info. „Diese Informationen kamen erst viel später zu uns.“ Ziel des Treffens solle es nun sein, „dieses Verbrechen aufzuklären“. Sie wartet auf Klärung, welche Wasserproben bisher analysiert wurden und was die Ursache des Schadens sein könnte.

Um 18 Uhr trifft sich Lemke mit ihrer Amtskollegin Anna Moskova und Polens Infrastrukturminister Andrzej Adamczyk in Stettin. An dem Treffen nehmen auch Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) und Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Thiel Backhaus (SPD) teil. Lemke betonte, dass die Folgen des Tötens der Fische nicht kompensiert werden können. „Sobald eine solche Katastrophe in einem Fluss passiert, dann ist der Schaden da und kann nur noch begrenzt werden.

Der Linke-Politiker kritisiert Umweltminister Lemke

Update 14. August, 14.30 Uhr: Der Tod der Fische in der Oder ist noch immer ein Rätsel. Der Bundestagsabgeordnete von der Linken, Christian Görke, hat die Bundesregierung und Bundesumweltministerin Steffi Lemke nun um finanzielle Hilfe für die Dörfer und Unternehmen gebeten, die im betroffenen Gebiet angesiedelt und von den Umweltschäden schwer betroffen sind.

Zudem kritisierte der Linken-Politiker scharf, dass keine konkrete Begründung für das Massensterben gegeben werden könne. „Ich erwarte von Umweltminister Lemke eine weitere Klärung des Grundes. Ein kurzer Besuch und Krokodilstränen, nachdem der Umweltminister für ein paar Tage untergetaucht ist, reicht nicht aus.

Anfängliche Theorien, dass das Fischsterben auf Quecksilber oder Schwermetalle im Wasser zurückzuführen sei, wurden mittlerweile widerlegt. In der Oder sind jedoch nach neueren Analysen erhöhte Salzgehalte festzustellen. „Der hohe Salzgehalt der Oder hat möglicherweise andere Giftstoffe im Wasser oder Bodensediment aktiviert. Die toxikologische Untersuchung der Fische wird helfen, Schadstoffe zu identifizieren, die zum Tod der Tiere beigetragen haben könnten“, sagte die polnische Umweltministerin Anna Moskova der Nachrichtenagentur PAP.

Fischsterben in der Oder: Zusammenarbeit mit Polen hat laut Ministerin Lemke “offensichtlich nicht funktioniert”

Update 14. August, 9.30 Uhr: Bundesumweltministerin Steffi Lemke sprach bei ihrem Besuch in Frankfurt (Oder) von Anfangsschwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit Polen. Grund dafür sind fehlende Informationen. „Das Thema deutsch-polnische Zusammenarbeit hat an dieser Stelle offensichtlich nicht funktioniert“, sagte der Grünen-Politiker im Gespräch mit den örtlichen Einsatzkräften. „Sonst hätten wir zumindest vom Land Brandenburg oder den Nachbarkommunen früher Informationen erhalten.

Lemke hatte zuvor mit der polnischen Umweltministerin Anna Moskova vereinbart, gemeinsam an einer Untersuchung des Fischsterbens zu arbeiten, in die deutsche und polnische Experten entsandt würden. Laut Lemke wurde bereits eine Vereinbarung zur besseren Abstimmung getroffen.

Oder Fischsterben: Polnische Regierung schließt Quecksilber als Ursache aus

Update vom 13. August, 17.59 Uhr: Laut…