– Ulrich Körner wird neuer CS-Chef, Tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel
Die zweitgrösste Schweizer Bank findet keinen Ausweg aus der Krise. Für das zweite Quartal wies sie einen Verlust von über 1,5 Milliarden Franken aus. Jetzt muss der CEO gehen – und es gibt satte Einsparungen.
Gepostet heute um 08:35 Uhr Aktualisiert vor 1 Stunde
Überraschenderweise wird der neue CS-Chef: Ex-McKinsey-Mann Ulrich Koerner.
Foto: PD
Was am Dienstagabend bekannt wurde, ist nun offiziell: Ulrich Körner wird ab dem 1. August 2022 Thomas Gottstein als CEO der Credit Suisse ablösen. Das gab die angeschlagene Grossbank am Mittwoch mit einem Verlust von 1,593 Milliarden Franken im zweiten Quartal bekannt.
Koerner leitet die Vermögensverwaltung der Bank, die Vermögen für institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Versicherungen und Stiftungen verwaltet. Der 60-jährige deutsch-schweizerische Doppelbürger kam erst im März 2021 zur Credit Suisse; zuvor Leiter der Vermögensverwaltung bei UBS. Von 1998 bis 2009 war Koerner jedoch in leitenden Positionen bei der Credit Suisse tätig.
Neben diesen Personal- und Quartalszahlen kündigte die CS eine «umfassende Strategieüberprüfung» an, in der die Kosten mittelfristig von CHF 19 Milliarden auf weniger als CHF 15,5 Milliarden gesenkt und die Vermögenswerte der Wealth Management- und Asset Management-Geschäfte gestärkt werden sollen . Die neue Kostenbasis bedeutet eine Einsparung von mehr als 18 Prozent gegenüber dem aktuellen Wert. Tausende Jobs bei der Grossbank sind in Gefahr.
Auch das zweite Quartal 2022 schloss die Credit Suisse mit einem grossen Verlust ab. Wie bereits im Juni angekündigt, hat insbesondere das stark negative Ergebnis bei der Investmentbank die Grossbank in die roten Zahlen getrieben.
Unter dem Strich stand für das zweite Quartal 2022 ein Nettoverlust von 1,59 Milliarden Franken, wie die Credit Suisse ( CS ) am Mittwoch mitteilte. Im Vorjahresquartal hatte sie noch einen Gewinn von 253 Millionen Franken erwirtschaftet.
Das Ergebnis im zweiten Quartal wurde auch durch höhere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten und andere Posten beeinflusst. Die Bank habe auch unter geopolitischen, makroökonomischen und marktspezifischen Herausforderungen gelitten, hieß es.
Die schwierigen Marktbedingungen im zweiten Quartal 2022 haben das Ergebnis der Investmentbank nun deutlich in die roten Zahlen gezogen, wobei die Division einen Vorsteuerverlust von CHF 1,116 Milliarden auswies. Das Ergebnis der Grossbank wurde zudem durch einen Verlust von 168 Millionen Franken bei ihrer Beteiligung an der Fondsplattform Allfunds belastet.
Die schwierigen Marktbedingungen in den letzten Monaten haben das Ergebnis der Investmentbank deutlich in die roten Zahlen gedrückt, wobei die Division einen Vorsteuerverlust von 1,116 Millionen Schweizer Franken auswies. Eine deutlich geringere Emissionstätigkeit an den Kapitalmärkten und eine rückläufige Kundenaktivität belasteten das Ergebnis der Division.
Aber auch in der Vermögensverwaltung rutschte die Bank in die roten Zahlen. Für das zweite Quartal wies der Vorzeigebereich einen Vorsteuerverlust von 96 Millionen Schweizer Franken aus. Der Geschäftsbereich wurde hauptsächlich durch den Rückgang der Kundenaktivität und des Volumens aufgrund von Marktentwicklungen beeinträchtigt.
Das verwaltete Vermögen sank von 1,555 Milliarden Franken per Ende März auf 1,454 Milliarden Franken. CS schätzte den Netto-Neugeldzufluss im zweiten Quartal auf 7,7 Milliarden.
Bereits im ersten Quartal des laufenden Jahres hat die Grossbank einen Verlust von 273 Millionen Franken ausgewiesen. Zuvor hatte sie das von zahlreichen Stürzen und Ausfällen geprägte Geschäftsjahr 2021 mit einem Verlust von 1,6 Milliarden Franken abgeschlossen. (sda)
Der zurückgetretene CEO Thomas Gottstein leitet die Bank seit Mitte Februar 2020. Vorgänger Tijan Thiam musste wegen einer dubiosen Affäre zurücktreten. Unter der Führung von Gottstein erlitt die Bank jedoch erneut eine Reihe kostspieliger Misserfolge, darunter den Zusammenbruch von Greensill Capital und Archegos Capital Management Anfang 2021.
Thomas Gottstein tritt zurück: Die Bank hat unter dem bisherigen Chef der Credit Suisse nie Halt gemacht.
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Eigentlich sollte Gottstein die Restrukturierung der Bank leiten, doch die Welle negativer Meldungen hörte auch in dieser Woche nicht auf. Es wurde bekannt, dass die CS laut Gericht auf Bermuda im Streit mit dem ehemaligen georgischen Ministerpräsidenten Bidsina Iwanischwili 607 Millionen Dollar zahlen muss.
Das Gericht des Atlantischen Archipels verurteilte die Credit Suisse Ende März zur Zahlung von Iwanischwili. Die genaue Höhe der Prämie wurde jedoch zunächst nicht bekannt gegeben. Die Schweizer Grossbank kündigte umgehend an, das Urteil anzufechten.
Der Verwaltungsrat hat Gottstein im April bestätigt
Ende April unterstützte CS-Präsident Axel Lehmann den unter Beschuss geratenen Gottstein. Lehmann sagte in einem Interview, dass die krisengebeutelte Bank mit Gottstein wieder auf Kurs kommen müsse.
Angesprochen auf die Turbulenzen der vergangenen Monate sagte Lehmann: Die CS habe eine Governance-Krise, ein Vertrauensproblem und müsse konsequent an Altlasten arbeiten. „Es sollte nicht so eine Häufung unangenehmer Überraschungen geben.
Aktien stürzen ab
Die Aktien der Credit Suisse haben derweil stark unter der schlechten Form der Bank gelitten. War es im Februar 2021 an der Schweizer Börse noch rund 13 Franken wert, ist das Papier mittlerweile für knapp über fünf Franken erhältlich. Und in diesem Monat fiel die Aktie erstmals kurzzeitig unter die 5-Franken-Schwelle.
SDA/nlu
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