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Gas-Krimi: Putins Sprecher macht plötzlich Hoffnung auf Turbinen

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Erstellt: 25.07.2022, 16:45 Uhr

Von: Patricia Huber

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Die bereits gewartete Turbine Nord Stream 1 ist noch immer blockiert. Sie ist derzeit in Köln. Die neusten Informationen zur Gaskrise im Newsticker.

  • Kretschmann erläutert die Einsparziele: Er sei optimistisch, dass die Gasknappheit vermieden werden könne.
  • Endet das Turbinen-Drama bald? Der Kreml-Sprecher macht Hoffnung: Laut Dmitri Peskow könnten die “relevanten Mengen” Gas bald wieder geliefert werden.
  • Gas-Chef kritisiert Ladestufenpläne: Klaus Müller ist sich sicher, dass die Ziele von Robert Habeck bis November kaum zu erreichen sind.
  • Dieser Gaskrisen-Newsticker wird laufend aktualisiert.

Update 25. Juli, 16.44 Uhr: Der russische Gaskonzern Gazprom drosselt weiter die Lieferungen durch die Gaspipeline Nord Stream 1 in der Ostsee. Ab diesem Dienstag fließen täglich 20 Prozent oder 33 Millionen Kubikmeter Gas durch Deutschlands wichtigste Versorgungsleitung, teilte das Unternehmen am Montag mit. Grund sei die Reparatur einer anderen Turbine, geben sie an.

Gas-Krimi: Putin-Sprecher macht plötzlich Hoffnung auf Turbinen – Kretschmann verdeutlicht Sparziel

Update 25. Juli, 15.34 Uhr: Der russische Energiekonzern Gazprom sieht Risiken bei seinem Einbau in die Gaspipeline Nord Stream 1, trotz erhaltener Begleitdokumente für die von Kanada zurückgegebene Turbine. „Gazprom hat die relevanten Dokumente geprüft, aber es ist ihre Aufgabe, zu erklären, dass sie zuvor Risiken erwähnt und zusätzliche Fragen aufgeworfen haben”, sagte das Unternehmen auf seinem Telegram-Kanal. Es bleiben Fragen zur Lieferung von Gas durch die Ostseepipeline.

Gazprom fordert, die Turbine aus den Sanktionen Kanadas herauszunehmen. Auch dies müsse dokumentiert werden, da ansonsten die Operation ein erhebliches Sanktionsrisiko berge, so das Unternehmen. Darüber hinaus bleiben Fragen zu Sanktionen der EU und des Vereinigten Königreichs offen, die für die Lieferung dieser Turbine und die Reparatur anderer Einheiten der Pipeline in der Ostsee wichtig sind.

Kretschmann erklärt Sparziele: „Selbst in die Hand nehmen“

Update 25. Juli, 14.46 Uhr: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigte sich nach dem Gipfeltreffen zur Gaskrise optimistisch, dass der winterliche Gasnotstand vermieden werden könne. Wenn man 20 Prozent seines Gasverbrauchs einspare, “dann haben wir keine Gasmangelsituation”, sagte der Grünen-Politiker. „Wir haben es alle selbst in der Hand.“ Auch Kretschmann zeigte sich zuversichtlich, dass Baden-Württemberg im Falle eines Rückschlags keinen Schaden nehmen würde.

Winfried Kretschmann blickt optimistisch auf die aktuelle Gassituation. © IMAGO/Arnulf Hettrich

Endet das Turbinen-Drama bald? Der Kreml-Sprecher macht Hoffnung

Update 25. Juli, 13.33 Uhr: Es sieht so aus, als ob das Ende der Turbinenkriminalität endlich in Sicht ist. Nach russischen Angaben soll die notwendige Turbine demnächst in die Gaspipeline Nord Stream 1 eingebaut werden. Dmitri Peskow, ein Sprecher des russischen Präsidialamts, sagte, die Turbine werde sofort nach dem Rücktransport installiert und Erdgas in “angemessenen Mengen” nach Europa geliefert. Das berichtet das Handelsblatt. Peskov erklärte: „Die Turbine wird nach Erledigung aller Formalitäten installiert. […] Und das Gas wird in den entsprechenden Mengen gepumpt, den Mengen, die technisch möglich sind.“

Auch die Kritik von Bundeskanzler Olaf Scholz, Russland sei kein verlässlicher Energielieferant mehr, wies der Kreml zurück. „Diese Behauptungen stehen in völligem Widerspruch zur Realität und Geschichte der Lieferungen“, wurde Peskov von der Nachrichtenagentur Interfax zitiert.

Der russische Regierungssprecher Dmitri Peskow äußerte sich zum Zustand der Nord Stream 1-Turbine. © IMAGO/Alexander Rumin

Russland hat kein Interesse daran, die Gaslieferungen nach Europa zu stoppen. „Russland ist ein verantwortungsvoller Gaslieferant, und was auch immer die Europäische Kommission sagt, in europäischen Hauptstädten oder in den USA, Russland war und ist das Land, das Europas Energiesicherheit weitgehend garantiert“, sagte Peskow. Die Situation kann sich jedoch ändern, wenn die EU weiterhin auf Sanktionen zurückgreift, die ihr letztendlich schaden werden.

Gas-Chef kritisiert Ladestandspläne: „Da kommen wir nicht hin“

Update 25. Juli, 12.38 Uhr: Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hält das Ziel eines Gasspeichergrades von 90 oder 95 Prozent bis zum 1. November – wie es Robert Habeck zuletzt forderte – für unrealistisch. Wenn nur noch 40 Prozent der Versorgungskapazität durch die Pipeline Nord Stream 1 gehen sollen, seien bestenfalls maximal 80 bis 85 Prozent zu erreichen, sagte Müller am Montag bei einem Krisengipfel der baden-württembergischen Landesregierung nach Angaben der Teilnehmer. Die Vermietungsquote liegt aktuell bei 65,9 Prozent. Er wies daher darauf hin, dass die Werte in vielen Nachbarländern niedriger seien.

Ziel der Bundesregierung und der Netzagentur ist es, 20 Prozent Gas einzusparen, um sich auf den Winter vorzubereiten. „Im Moment haben wir etwa 14 Prozent Einsparungen. Da kommen wir im Winter nicht ohne Mehraufwand hin“, sagte Müller, der per Video zugeschaltet war.

Der Wirtschaftsminister Robert Habek bei einer Pressekonferenz. Per Video verlinkt Rechts: Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. (Archiv) © Wolfgang Kum/dpa

DGB fordert „Energiepreisobergrenze“

Update 25. Juli, 11.11 Uhr: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat davor gewarnt, dass bei einer Gasknappheit in diesem Winter die Gesellschaft auseinandergerissen wird. „Wenn wir in einen Gasnotstand geraten, werden die Zentrifugalkräfte groß sein. Größer als mit Corona, und dieses Problem haben wir auch noch auf den Wangen“, sagte der Grünen-Politiker am Montagmorgen beim Gipfel zur Gaskrise in Stuttgart, als er die Teilnehmer begrüßte.

Daher werde es in den nächsten Monaten vor allem darum gehen, „sich in den wesentlichen Punkten nicht spalten zu lassen“. Kretschmann warnte: „Unser Patriotismus ist auch gefragt.“ Für Deutschland, die freiheitliche demokratische Ordnung und Europa.

Unterdessen fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine „Energiepreisobergrenze“. Im Winter dürfe es nicht auf den eigenen Geldbeutel ankommen, “ob die Wohnung warm oder kalt bleibt”, sagte DGB-Landeschef Kai Burmeister. Auf dem Gipfel wird er darum bitten, dass die Menschen jetzt eine Entlastung von den steigenden Preisen brauchen. Burmeister will auch dafür sorgen, dass Schulen als kritische Infrastruktur gelten und bei Gasknappheit weiter geheizt werden. Nach den strengen Corona-Wintern rechnen Eltern und Kinder damit, dass „Schulen nicht geschlossen werden“.

Gasturbine Nord Stream 1 steckt in Köln fest

Update 25. Juli, 9.38 Uhr: Der Turbinenstreit um Nord Stream 1 geht weiter. Weil die Turbine in Kanada gewartet werden musste, reduzierte der russische Energieversorger Gazprom die Gasmenge. Die Turbine ist jetzt wieder einsatzbereit, aber die Lieferung auf die Baustelle gestaltet sich offenbar schwierig.

Wie ntv berichtet, soll das gesuchte Bauteil am 17. Juli von einem Logistikunternehmen von Montreal nach Köln gebracht worden sein. Dort sitzt sie nun allerdings fest, weil die entsprechenden Dokumente für den Weitertransport fehlen. Siemens Energy führte die Wartung durch. In einer Stellungnahme hieß es lediglich: „Natürlich wollen wir die Turbine so schnell wie möglich an ihren Einsatzort transportieren. Wie lange das dauert, liegt allerdings nicht ganz in unserer Hand.“ Bis zum Weitertransport der Turbine könnten nach Angaben von mit der Materie vertrauten Personen noch Tage oder Wochen vergehen, berichtet Reuters.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sagte am vergangenen Donnerstag (21.07.) in einer Presseerklärung: „Man hat manchmal den Eindruck, dass Russland sie nicht mehr zurücknehmen will.“ Tatsächlich befürchtet die Regierung seit langem, dass Russland die fehlende Gasturbine nutzen würde als Grund, die Fördermenge gering zu halten oder noch stärker zu drosseln.

Kreml-Chef Wladimir Putin drohte kürzlich, die Gaslieferungen weiter auf 20 Prozent des Tagesmaximums zu drosseln, wenn die Turbine nicht bis nächste Woche wieder installiert werde. Auch Gazprom warnte in diesem Fall vor „erheblichen potenziellen Risiken“.

Gaskrise: Ursula von der Leyen warnt Kritiker vor Notfallplan

Erstmeldung 25. Juli, 9.23 Uhr: Brüssel – EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drängt Länder, die weniger abhängig von russischen Gaslieferungen sind, sich ebenfalls an den Sparbemühungen zu beteiligen.

„Auch Mitgliedsstaaten, die kaum russisches Gas kaufen, können sich den Folgen einer möglichen Lieferunterbrechung auf unserem heimischen Markt nicht entziehen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur kurz vor einem Sondertreffen der Energieminister an diesem Dienstag. Die Volkswirtschaften in der EU sind eng miteinander verflochten. Eine Gaskrise würde jeden Mitgliedsstaat in der einen oder anderen Form treffen.

„Deshalb ist es wichtig, dass alle Mitgliedsstaaten die Nachfrage begrenzen, alle mehr sparen und es mit den stärker betroffenen Mitgliedern teilen“, so von der Leyen. Energiesolidarität ist ein Grundprinzip der europäischen Verträge.

Bewertungen aus Spanien und Portugal

Kurz zuvor hatten unter anderem Spanien und Portugal einen Vorschlag der Europäischen Kommission für einen Gas-Notfallplan kritisiert. Die portugiesische Regierung kann den Vorschlag überhaupt nicht akzeptieren…