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Gasknappheit: Hoffnung auf schnelle Lösung durch LNG-Terminals schwindet

Diese Woche wurde es in Hamburg ernst. Ein bisschen aber. Das städtische Unternehmen Bäderland senkte die Temperatur in den sieben beheizten Freibädern der Hansestadt um drei Grad – um Sprit für den Winter zu sparen. Auch in der kalten Jahreszeit soll das Wasser in den Becken nicht mehr auf 28 Grad erhitzt werden, sondern nur noch auf 25.

Ein erster sanfter, überschaubarer Hinweis darauf, was nicht nur Schwimmern passieren kann. Ohnehin ist die Gefahr groß, dass wegen fehlender Lieferungen aus Russland in der kalten Jahreszeit alle Betriebe, öffentlichen Gebäude und Haushalte in ganz Deutschland nicht mehr ausreichend mit Wärme versorgt werden können.

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Deshalb fallen im Hamburger Rathaus bereits mehrere sperrig klingende Sätze. “Wenn wir in den großen Industrieunternehmen nicht genug Gas einsparen”, sagt der für die Energieversorgung zuständige Senator Jens Kerstan (Die Grünen), “könnten wir Versorgungsengpässe bekommen, die dann einzelne Stadtteile betreffen könnten.”

Bei akutem Gasmangel könne „Warmwasser nur im Notfall zu bestimmten Tageszeiten bereitgestellt werden“. Auch eine „allgemeine Absenkung der maximalen Raumtemperatur im Fernwärmenetz“ kommt in Betracht.

LNG-Terminals in diesem Jahr? Nichts wird herauskommen

Kerstan gehört wie der Erste Bürgermeister Peter Chenscher (SPD) zu jenen Politikern und Experten, die hofften, dass die vier zunächst von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) gecharterten schwimmenden LNG-Terminals die vielleicht größte Gasknappheit in diesem Jahr lindern könnten sogar verhindert.

Anfang Mai ging Chenscher noch davon aus, dass „ein solches Terminal“ mit einer Kapazität von acht Milliarden Kubikmetern pro Jahr bereits im Dezember im Hamburger Hafen in Betrieb gehen könnte. Aber es wird nichts herauskommen.

Allenfalls einer der schwimmenden Rettungsanker von Habeck, die für den Standort Wilhelmshaven geplante „Hoegh Esperanza“, wird bis zum Frühwinter in Betrieb sein und – ganz wichtig – auch per Pipeline an das Ferngasnetz angeschlossen. Vielleicht noch nicht Vollgas, eher halbe Fahrt voraus. Aber zumindest dies.

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„Wenn alles nach Plan läuft“, sagt ein Sprecher von Uniper, dem angeschlagenen Gasimporteur, der mit dem Betrieb der Hoegh Esperanza beauftragt ist, „könnte LNG im Winter 2022/2023 an unserem FSRU in Wilhelmshaven abgeladen werden.“ sogenannte schwimmende Speicher und Uniper definiert die Regasification Unit (FSRU) als 7,5 Milliarden Kubikmeter Gas.

Das entspricht etwa 8,5 Prozent des jährlichen deutschen Gasbedarfs von 90 Milliarden Kubikmetern – und eine Zahl, die Wilhelmshaven wohl kaum decken kann. Das Bundeswirtschaftsministerium schätzt derzeit fünf Milliarden Kubikmeter, die „Hoegh Esperanza“ jährlich bereitstellen kann.

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Auch darüber, wann das gerade im spanischen Murgados angelegte LNG-Terminalschiff das erste Gas ins deutsche Netz einspeisen darf, gibt es unterschiedliche Angaben. Während Niedersachsens Energieminister Olaf Lies (SPD) kühn den 21. Dezember nannte, rechnet der Branchenverband Zukunft Gas mit Februar. Wichtigste Voraussetzung ist die Fertigstellung einer 26 Kilometer langen Leitung, die „Hoegh Esperanza“ im niedersächsischen Dorf Etzel an das Ferngasnetz anschließt. Die Baugenehmigung wurde jedoch gerade erteilt.

Neue Rohrleitungen sind erforderlich

Brunsbüttel ist noch nicht so weit. Das zweite vom Bund gecharterte Schwimmterminal, die Hoegh Giant, wird im Elbehafen in Schleswig-Holstein anlegen. Es sollte Flüssiggas verarbeiten, das in einem ähnlichen Maßstab wie die Hoegh Esperanza geliefert wird. Dies erfordert jedoch den Bau von zwei Pipelines. Eine drei Kilometer lange Strecke, entlang der das Gas zunächst in das bestehende Gastransportnetz eingespeist werden kann.

Allerdings ist die Kapazität begrenzt, so dass bei der voraussichtlichen Inbetriebnahme im Winter nur die Hälfte der Kapazität des Terminals genutzt werden kann. Eine zweite Leitung von 55 Kilometern Länge wird benötigt, um die volle Nutzung des Gases nach Hamburg zu gewährleisten. Laut Gasunie, dem für den Bau der Leitung verantwortlichen Gasnetzbetreiber, kann die Anlage Brunsbüttel erst dann voll genutzt werden, wenn diese fertiggestellt ist – frühestens Anfang 2023/2024.

Angst vor Gasknappheit – die Nachfrage nach Kaminöfen steigt

Energiepreise kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben. Darüber hinaus haben Bedenken der Endverbraucher über Gas- und Ölknappheit das Finanzministerium in einem anderen Gewerbe, den Herstellern von Holzöfen, zum Klingen gebracht.

Quelle: WELT/ Leonie von Randow

Wenn alles gut geht, besser als derzeitige realistische Erwartungen, werden zwei staatlich beauftragte LNG-Terminals mit einer jährlichen Gesamtkapazität von acht bis neun Milliarden Kubikmetern Gas mehr oder weniger den ganzen Winter über in Betrieb sein. Doch Tim Keller, Chef von Zukunft Gas, sieht düsterer aus. Aus seiner Sicht werden „die ersten LNG-Mengen Deutschland erst Mitte des Winters erreichen“.

Quelle: Infografik WELT

Hamburg sucht die Locations

Die beiden anderen vom Bund gecharterten schwimmenden LNG-Terminals Transgas Force und Transgas Power der griechischen Reederei Dynagas sind ohnehin erst für Mai 2023 bestellt – auch wegen der geplanten Standorte Hamburg, Rostock und Stade wird dieser nicht früher verfügbar sein , es ist verbindungsbereit. Hamburg prüft derzeit, ob ein Kai vor dem stillgelegten, aber noch ans Gasnetz angeschlossenen Kohlekraftwerk Moorburg mit vertretbarem Aufwand ausgehoben werden kann, damit Gastanker hier anlegen und auch wieder anlegen können Ebbe im Notfall.

Ein alternativer Standort im gegenüberliegenden Hafen von Kattwyk wird ebenfalls erkundet. Eine Entscheidung soll Ende Juli fallen. Der früheste Start in Hamburg erfolgt jedoch erst Mitte 2023, fast ein Jahr nach der erwarteten, möglicherweise endgültigen Abschaltung der noch wichtigsten Gaspipeline Nord Stream 1 durch Russland.

Quelle: Infografik WELT

Der Standort von Lubmin, für den Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die ersten LNG-Anlandungen des Jahres ankündigte, ist alles andere als sicher. Derzeit prüfen die Behörden, ob der kleine und flache Greifswalder Boddenhafen, der dank der Nord Stream-Projekte über eine ideale Pipeline-Infrastruktur verfügt, der richtige Ort für LNG wäre. Oder besser gesagt der größere Hafen Rostock, der für Gastanker geeignet ist.

Robert Habeck fasst den Stand der Bemühungen in enger Zusammenarbeit mit den Beteiligten zusammen: „Alle stehen dahinter, denn am Ende müssen wir ein Tempo vorgeben, das es so in Deutschland noch nie gegeben hat.“

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„Versteckte Rechtfertigung“

Immerhin: In Lubmin hat sich neben dem Staat auch ein Start-up-Unternehmen der Aufgabe angenommen, den Gasnotstand abzuwenden. Die Deutsche Regas will hier ein temporäres 4,5 Milliarden Kubikmeter großes LNG-Terminal errichten. Möglicher Eintrittstermin laut Firmenchef Stefan Knabe: 1. Dezember 2022.

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