Germany

Gasknappheit – Sollen wir im Winter frieren?

Der Bundesrat kündigt Massnahmen an

Gasknappheit – sollen wir im Winter frieren?

Russland droht, die Gaslieferungen nach Europa einzustellen. Dies könnte die Schweiz hart treffen. Deshalb bereitet sich der Bundesrat darauf vor, Gasengpässen möglichst vorzubeugen.

Veröffentlicht: 15:16 Uhr

|

Aktualisiert: vor 2 Minuten

Newsticker wird geladen …

Die Welt befindet sich in einer Energiekrise. „Und Europa ist mittendrin“, warnte Energieministerin Simonetta Somaruga, 62, am Mittwoch vor den Medien. Deutschland spürt bereits den Zorn von Wladimir Putin. Der russische Präsident hat den Gasfluss erstickt. Die Bundesregierung fordert Gaseinsparungen, um den Verbrauch im Land zu begrenzen.

Und die Fronten im Krieg in der Ukraine verhärten sich weiter. Es erhöht auch das Risiko, dass Russland die Gaslieferungen nach Europa ganz abschneidet. Dies würde auch die Schweiz hart treffen, obwohl Gas nur 11 Prozent des gesamten Energieverbrauchs ausmacht.

“Alles ist für jetzt”

Deshalb bereitet sich der Bundesrat gemeinsam mit den Branchenverbänden auf eine drohende Knappheit vor. Um die Gaslieferungen anzukurbeln, hat die Regierung der Industrie bereits Mitte Mai befohlen, Speicherkapazitäten in Nachbarländern und Möglichkeiten für zusätzliche Gaslieferungen außerhalb Russlands bereitzustellen. Denn die Schweiz verfügt über keine eigenen Gasspeicher und ist damit vollständig auf Importe angewiesen. „Jetzt geht es ums Ganze“, warnte Somaruga.

Aber auch wenn die zusätzlichen Gaslieferungen und -reserven vorab vertraglich gesichert sind: „In einer Krise gibt es jedoch keine Garantie dafür, dass sich die Vertragspartner auch tatsächlich daran halten“, sagte Somaruga. Dies wurde in der Crown Pandemic gezeigt. Die Schweiz hatte Masken bestellt und bereits bezahlt, manchmal wurden sie aber nicht geliefert.

Wir alle müssen Gas sparen

Deshalb ging Wirtschaftsminister Guy Parmelin (62) so weit, Bevölkerung und Unternehmen zum Gassparen aufzurufen. Das war nicht der erste Aufruf zum Sparen: „Ein Grad weniger Heizen kann den Verbrauch deutlich senken“, sagte Wirtschaftsminister Guy Parmelin, 62. Er forderte die Branche nun auch auf, „jede Gelegenheit zu nutzen, um den Gasverbrauch zu senken“. Daran müssen sich auch Hausverwaltungen halten.

Gleichzeitig weist die Bundesregierung die Unternehmen an, möglichst auf Öl umzusteigen – auch wenn Öl derzeit teuer ist. Gegebenenfalls wird dafür das obligatorische Öllager ausgenommen. Und als ob das nicht reicht, muss das Gas wohl an Großverbraucher verteilt werden.

Bis zu 800 Millionen Franken gesammelt

Die Gasversorgung ist weiterhin gesichert. Doch die Lage ist angespannt. Darauf muss sich die Schweiz vorbereiten. Und das tun sie, wie Martin Schmidt, 53, Präsident des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie, sagte. Es werden auch erhebliche Summen investiert, um Schwierigkeiten im Winter zu vermeiden. Schmid spricht von Investitionen zwischen 500 und 800 Millionen Franken für sogenannte Optionsverträge.

„Alle müssen jetzt zusammenkommen“, sagte Parmelin flehentlich. Nur so kann die Schweiz die Krise überwinden. Aber: „Ob sie unbeschadet durch diese Krise kommt, kann heute niemand sagen“, erklärte Somaruga.