Aktualisiert 11. Juli 2022, 06:28
Die Gewalt gegen Minderjährige hat stark zugenommen, wie ein Bericht des Bundesrates zeigt. sagen Sie es den Betroffenen.
aus
Marino Walser
Claudia Blumer
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Laut polizeilicher Kriminalstatistik hat die Gewalt unter 18-Jährigen zugenommen. Fälle schwerer Gewalt haben sich fast verdoppelt.
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Das Angebot an Unterkünften ist nicht überall in der Schweiz gleich. Der Bundesrat schlägt Verbesserungen in der West- und Zentralschweiz sowie im Tessin vor.
Tamedia
Die Gewalt gegen Minderjährige hat in den letzten Jahren zugenommen, und die Fälle schwerer Gewalt haben sich fast verdoppelt (siehe Kasten). Das geht aus einem Bericht des Bundesrats hervor, der auf der polizeilichen Kriminalstatistik basiert.
20 Minuten sprach mit Betroffenen, die dem Aufruf gefolgt sind. Unter ihnen Alin M.*: Sie wurde von ihrer Mutter missbraucht, seit sie ein Baby war. Einmal, erzählte ihr Vater ihr später, lagen sie alle zusammen auf dem Boden, als Aline drei Monate alt war. Dann sah der Vater zum ersten Mal, wie die Mutter Alin trat. “Mein Bruder und ich wurden gefoltert, geschlagen, beschuldigt, emotional vernachlässigt und seelisch erdrückt”, sagt Aline M., heute Mitte 40.
perfide Methoden
Nach der Trennung der Eltern lebten die Schwestern bei ihrer Mutter. „Der Vater wusste, dass wir missbraucht wurden. Aber er hat nichts dagegen unternommen.“ Die Mutter habe eine „sadistische Ader“, die Beschimpfungen seien perfide gewesen. „Sie hat mich zum Essen gezwungen, bis ich mich übergeben musste. Und dann musste ich das Erbrochene essen.“ Sie verwendet oft gewalttätige Methoden, die sie zuvor in Filmen gesehen hat. „Wenn jemand im Film von einem Kleiderbügel getroffen wurde, hat sie uns danach dasselbe angetan.“
Heute, Mitte 40, lebt Aline M. am IV. Trotz ihres Berufswunsches konnte sie weder Krankenpflege noch Gastronomie absolvieren. “Ich bin nicht langlebig.”
Auch Edith B.* wurde von ihrer Mutter missbraucht und fing auch an zu weinen, als sie am Telefon ihr Leben erzählte. „Heute bin ich darüber hinweggekommen. Aber es war die Hölle“, sagt sie. In den 1980er Jahren in der Zentralschweiz aufgewachsen, wurde sie von ihrer Mutter geschlagen und von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht. „Meine Mutter wollte mich nicht, sie hasste mich. Sie wäre wegen mir fast gestorben, hat sie mir immer gesagt.” Das Dorf würde wissen, was los ist. Heute führt sie ein gutes Leben. Sie lebt mit ihrem Partner zusammen und hat einen Kater.
„Für Kinder ist das normal“
Der Zürcher David F. sagt: «Mein Plädoyer: Schau nicht weg, wenn Kinder Hilfe brauchen.» Er und sein Bruder wuchsen mit einem alkoholkranken, missbräuchlichen Vater und einer gebrochenen Mutter auf. Der Bruder musste nach einer Prügelstrafe mehrmals zum Arzt, einmal mit einem geplatzten Trommelfell. „Ich habe damals nicht zurückgeschaut“, sagt David F. Auch die Brüder seien immer wieder mit blauen Flecken übersät. Es musste beachtet werden. Auch soziale Verwahrlosung: zu kleine Kleidung, kein Vormittagsunterricht, Hausaufgaben nicht gemacht. “Wir mussten alleine aufwachsen.”
„Das Schlimme ist: Für die Kinder ist das, was sie durchmachen, normal“, sagt David F. Erst später lassen sich die Ereignisse einordnen. Er und sein Bruder konnten auch keine Hilfe holen, weil es für sie normal war. Sie waren nur misstrauisch gegenüber den Launen des Vaters. Sei laut, nicht ordentlich. Dauert eine Weile. Heute bin ich entlassen worden, beide sind vom Leben reich beschenkt, mit einem Ehepartner und eigenen Kindern. Zu seinem Vater hat er keinen Kontakt mehr.
„Die Dunkelziffer ist höher“
«Dass so viele Mädchen und Frauen von schwerer Gewalt betroffen sind, ist alarmierend und fordert zum Handeln auf», sagt Simone Brunschwiler, Geschäftsführerin von Okey, einer spezialisierten Opferberatungs- und Kinderschutzstelle in Winterthur. Es gebe einen Wandel in der Gesellschaft, die Menschen achteten mehr und reagierten, sagt Brunschwiler. Daher werden weitere Gewalttaten gemeldet. Gleichzeitig muss davon ausgegangen werden, dass die Dunkelziffer relativ hoch ist, da die Statistik nur die polizeilich registrierten Fälle abbildet.
Laut Brunschwiler sollen die Plätze für Asylsuchende ausgebaut werden. Der Bundesrat empfiehlt in seinem Bericht zudem, das Angebot an Notunterkünften in der Schweiz zu vereinheitlichen und teilweise zu erweitern, beispielsweise in der West- und Zentralschweiz sowie im Tessin. Zudem werden nicht alle Kantone und Gemeinden gleich gut behandelt: Manche Gemeinden investieren mehr in die Schulsozialarbeit. Laut Bundesregierung wäre eine Standardisierung gut. Denn die Schule ist sowohl als verantwortliche als auch als beratende und sensible Organisation sehr wichtig.
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