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Gewinnsteuer für Konzerne: Andere EU-Staaten machen es vor

Bis: 04.08.2022 19:26 Uhr

Viele Energieunternehmen profitieren von den aktuell hohen Preisen. Deshalb führen einige EU-Länder wie Spanien oder Belgien eine Steuer auf überschüssige Gewinne für Unternehmen ein. Darüber wird in Deutschland nach wie vor heftig diskutiert.

Von Holger Beckmann, ARD Studio Brüssel

Diese Zahlen sprechen für sich: Die großen Energiekonzerne konnten ihre Gewinne in den letzten Monaten kräftig steigern – der Nettogewinn von BP hat sich verdreifacht, ebenso die Ölgiganten Chevron und Exxon; andere haben ihr Plus verdoppelt. Der Krieg in der Ukraine und die weltweit immer knapper werdende Energieversorgung bescheren solchen Unternehmen offenbar weltweit steigende Umsätze.

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Auch Energiekonzerne machen Gewinn

Auch der in der Braunkohleverstromung noch sehr aktive Essener Energiekonzern RWE hat seine Gewinnerwartungen für dieses Jahr deutlich angehoben – statt knapp vier Milliarden gehe man nun von fünfeinhalb Milliarden Euro aus, heißt es.

Auch in Deutschland wird über eine Gewinnsteuer diskutiert

Daniel Schmidthäussler, ARD Berlin, Morgenmagazin, 5. August 2022.

Und das in einer Zeit, in der viele Menschen damit rechnen müssen, dass sie ihre Gas-, Strom- oder Ölrechnungen bald nicht mehr bezahlen können, weil sie sich auch verdoppeln, vielleicht sogar verdreifachen.

Die EU-Kommission schlägt die Steuer vor

In der EU-Kommission in Brüssel verstärkt sich der Eindruck: Das geht nicht zusammen. Deshalb hatte sie den Mitgliedsstaaten bereits im Frühjahr grünes Licht für eine sogenannte Excess Profit Tax gegeben: eine Steuer, die Gewinne aus der Krise zumindest teilweise schmälert.

EU-Kommissarin für Verbraucherschutz Vera Jourova sagt, dass eine solche Steuer – richtig angewendet – gut und effektiv ist, da diese Steuer nur auf zusätzliche Staatseinnahmen aus vorübergehenden Übergewinnen abzielt; Unternehmensentscheidungen werden hiervon nicht berührt.

Die Europäische Kommission kann den Mitgliedstaaten eine solche Steuer nicht vorschreiben, schlägt sie aber vor. Schließlich geht es darum, Menschen zu helfen, die sich weder jetzt noch spätestens im Herbst die immer teurer werdende Energie nicht mehr leisten können. Die Idee ist, dies mit überschüssigen Steuereinnahmen zu finanzieren.

Einige EU-Länder gehen voran

Tatsächlich sind mehrere Länder in der Europäischen Union bereits dabei, eine solche Steuer einzuführen. Spanien will in den nächsten zwei Jahren sieben Milliarden nehmen und direkt für Sozialausgaben verwenden. Belgien will die überschüssigen Gewinne von Energieunternehmen mit 25 Prozent besteuern und die Einnahmen auch zur Senkung der Energiekosten für private Haushalte verwenden.

Italien will etwas Ähnliches tun – da gibt es die Gewinnsteuer, wie es die Experten nennen – ein Problem, das bereits gelöst ist. Und auch Österreich und Frankreich erwägen einen ähnlichen Schritt – ebenfalls in Paris, mit dem Argument, Energiekonzerne hätten durch Steuersenkungen oder Tankrabatte sogar zusätzliche Entlastungen erhalten.

Und Deutschland?

Rasmus Andresen, Mitglied des Europäischen Parlaments, sagt, Deutschland sollte sich daran ein Beispiel nehmen: „Deshalb schlagen wir, die Grünen, eine Mehrgewinnsteuer von 50 Prozent auf Mehrgewinne vor. Und ein anderer Teil dieser Gewinne muss in Investitionen in erneuerbare Energien fließen, die wir dringend brauchen.“ Bundesfinanzminister Christian Lindner von der FDP weist dies jedoch konsequent zurück. führt zu unerwünschten Nebenwirkungen.

Dieser Meinung ist auch CSU-Europaabgeordneter Markus Ferber. Schließlich gibt es auch Energiekonzerne, die derzeit das Gegenteil von hohen Profiten machen – wie etwa die deutsche Uniper, die die Bundesregierung gerade finanziell unterstützt hat, um zu verhindern, dass sie wegen rapide steigender Gasbezugskosten zusammenbricht. Uniper spielt eine zentrale Rolle bei der Gasversorgung von Millionen Haushalten in Deutschland.

„Nun, es ist nicht so einfach, plötzlich so große Gewinne zu machen, das ist von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich. Und deshalb brauchen wir vernünftige Steuersysteme, keine Zusatzsteuern“, sagt Ferber.

Großbritannien: 25 Prozent höherer Satz

Ausgerechnet Großbritannien, das als besonders wirtschaftsliberal gilt, hat nicht gezögert und will, dass die dortigen Öl- und Gasproduzenten in diesem Jahr einen um 25 Prozent höheren Flat Tax-Satz zahlen. Überschüssige Gewinne können auch so einfach abgezogen werden. Viele in der EU sehen das als Vorbild – auch wenn die Briten nicht mehr in der EU sind.

Die Gewinner der Krise bitte prüfen – Europa und die Überschusssteuer

Holger Beckmann, WDR Brüssel, 4. August 2022 17:02 Uhr