Seit Freitagnachmittag ziehen schwere Gewitter über Berlin und Brandenburg. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat eine amtliche Unwetterwarnung für schwere Gewitter mit extrem starkem Regen und Hagel herausgegeben. Die Berliner Feuerwehr twitterte: „Wenn möglich zu Hause bleiben.“ Sie rief die Bevölkerung auf, in ihren Häusern zu bleiben, die Balkone zu räumen und die Fernseher auszuschalten.
Um 16.56 Uhr wurde der Notstand ausgerufen, sagte ein Feuerwehrsprecher der Berliner Zeitung. Elf freiwillige Feuerwehrteams wurden zur Hilfeleistung aktiviert. Bis zum späten Freitagnachmittag musste die Feuerwehr zu 30 wetterbedingten Einsätzen ausrücken. „Außerdem werden kleinere Sturmschäden und Wettereinsätze zunächst nur untersucht. Unsere Priorität sind natürlich Einsätze, bei denen Menschenleben in Gefahr sind“, so die Feuerwehr.
Gewitter in Berlin: Ärzte haben das Konzert abgesagt
Das Ärztekonzert auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. Bereits vor Ort befindliche Besucher sollten das Veranstaltungsgelände verlassen, teilte der Veranstalter mit. Nach aktuellem Stand sollten die Konzerte am Samstag und Sonntag wie geplant stattfinden. Auch die Schiffstournee des Berliner Staatsballetts auf der Spree wurde abgesagt.
Wegen des Gewitters wurden die Arbeiten auf dem Vorfeld des Hauptstadtflughafens BER zur Sicherheit der Mitarbeiter vorübergehend eingestellt. Die Abfertigung sei wegen des Sturms für rund zwei Stunden eingeschränkt, sagte ein Flughafensprecher am Freitagnachmittag. Inzwischen wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Aufgrund der gestörten Abläufe wird jedoch mit weiteren Verzögerungen im Luftverkehr gerechnet. Bereits beladene Flugzeuge konnten weiter starten, auch Landungen waren möglich. Das Gepäck wurde jedoch nicht ausgeladen.
Steinmeier hat das Festival wegen Gewitter abgesagt
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender haben ihr Fest am Freitagabend sicherheitshalber abgesagt. „Der Deutsche Wetterdienst hat angekündigt, dass es über Berlin Gewitter gibt“, sagte Steinmeier seinen rund 1500 Gästen im Park von Schloss Bellevue.
Aufgrund der drohenden Gefahren, die im Laufe des Abends mit weiteren Gewittern noch kommen könnten, hätten er und seine Frau sich für diese „bittere Nachricht“ entschieden. Der Bundespräsident versprach den für ihr Ehrenamt eingeladenen Gästen, dass sie im nächsten Jahr wieder eins zu eins eingeladen werden. Coronabedingt ist das Bürgerfest seit zwei Jahren abgesagt.
Sturm: Überschwemmungen in Brandenburg
Stürme verursachten Überschwemmungen in Brandenburg. Besonders betroffen sind die Orte Neuruppin, Wusterhausen, Neustadt, Kyritz und Heiligengrabe, wie der RBB berichtet. Viele Straßen stehen unter Wasser, die Keller der Häuser sind voll, weil die Kanalisation die Regenmassen nicht so schnell aufnehmen kann. Außerdem sind Bäume umgestürzt und Äste abgeknickt, die nun von Rettungskräften entfernt werden müssen. Die Bundesstraße 5 musste in Wusterhausen gesperrt werden.
Auch das Potsdamer Brandkommando hatte am Nachmittag viele wetterbedingte Einsätze. Es sei bei zehn Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz, hieß es auf Twitter. Aufträge werden vorrangig bearbeitet. In Potsdam West müssen mehrere Keller ausgepumpt werden.
Der Dauerregen führt derzeit zu 20 Einsätzen im Stadtgebiet. Die #Feuerwehr Potsdam ist mit 10 Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz. Fokus auf Potsdam West. ⚠️ Missionen werden nach Priorität bearbeitet. Notrufnummern nur in Notfällen wählen, auf Rückfragen verzichten. #FürPotsdamVAktion
— Feuerwehr Potsdam (@FwPotsdam) 26. August 2022
Laut Met Office sind in der Nacht zum Freitag noch heftige Regenmengen von bis zu 40 Litern pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde möglich und auch am Samstag teilweise noch höhere Mengen (extrem starker Regen). Hinzu kommen Böen (rund 70 km/h) und Hagelkörner mit 2 bis 3 Zentimetern Durchmesser, in Teilen Berlins und Brandenburgs sind auch Orkanböen möglich. Lokal sind stundenweise stürmische Regenfälle mit Mengen zwischen 30 und 50 Liter pro Quadratmeter nicht ausgeschlossen.
Das Met Office warnt davor, dass Blitze lebensgefährlich sind. Auch Bäume können entwurzelt und Dächer beschädigt werden. Achten Sie besonders auf herabfallende Äste, Schindeln oder Gegenstände. Die Überflutung von Kellern und Straßen ist ebenso möglich wie die lokale Überflutung von Bächen und kleinen Flüssen.
Allerdings betont Meteorologe Marcel Schmidt vom Deutschen Wetterdienst, dass sich starke Gewitter nicht überall ausbreiten werden: „Es wird nicht alle treffen. An einer Stelle kann es gegossen werden und an einer anderen Stelle bleibt es vollständig trocken. Das ist ein lokales Thema.“ (mit dpa)
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