Großbrand in Dresden: Die Industriehalle wird teilweise zerstört
Bei einem Brand auf einem Industriegelände in Dresden ist ein Geschäftshaus zerstört worden. Besonders betroffen sind die Firma „Nestler“ und der Techno-Club „Sector Evolution“. Am Abend werden Teile der Halle abgerissen.
Von Christoph Springer und Georg-Dietrich Nixdorf und Dirk Hein
6 Min. Eine Brandmauer zerstörte in der Nacht zum Samstag ein ganzes Gebäude im Industriegebiet. © Alexander Fürmann
Update, Samstag 23:00 Uhr: Um der Einsturzgefahr der Halle vorzubeugen und unerkannte Glut besser erreichen zu können, haben Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) am Abend Teile des zerstörten Gebäudes abgerissen. Man sei in enger Absprache mit dem Eigentümer, also der Feuerwehr.
Die Maßnahmen würden zu einer Zunahme der Rauchentwicklung führen, weshalb die Warnung an die Bevölkerung weiterhin aufrechterhalten wird. Selbst in Stunden ist im Umkreis von mehreren Kilometern mit Brandgeruch zu rechnen.
Die Feuerwehr bittet die Dresdnerinnen und Dresdner, von der Notrufnummer 112 abzusehen.
Update, Samstag 16:30 Uhr: Das Feuer ist unter Kontrolle. Die Feuerwehr habe weiterhin “zahlreiche Einsatzkräfte” vor Ort, sagte Sprecher Michael Clare. Das Gebäude ist jedoch weiterhin einsturzgefährdet. Der größte Teil des Feuers war mit Schaum bedeckt, aber darunter brannte es stellenweise. Die zerrissene Schaumdecke transportiert weiterhin Sauerstoff zum Feuer.
Die gute Nachricht: Auch unter den Helfern gibt es noch keine Verletzten.
Nestler aus Hall und das THW halfen mit schwerem Gerät, das Feuer zu löschen, so Clare weiter.
Den Benutzern der Proberäume ist das Betreten des Geländes untersagt. Als Grund dafür nennt Michael Clare die Sicherheitslage und anschließende polizeiliche Ermittlungen. Aber Sie haben Verständnis für den Wunsch, Objekte zu retten.
So haben wir das große Feuer bisher gemeldet:
Am Samstagmorgen ist die Halle des Industriegeländes im Norden der Stadt ein Ort der Zerstörung. Trümmer sind zu sehen und ein fauliger Gestank hängt in der Luft. Immer wieder treffen verängstigte Beobachter ein.
80 Feuerwehrleute sind noch im Einsatz, rund 100 ihrer Kollegen sind nachts im Einsatz. Ein Geschäftshaus war in Brand geraten, die Flammen im Gewerbegebiet Königsbrucker Straße schlugen bis tief in die Nacht.
Das Feuer sei aus noch ungeklärter Ursache in einem Gebäude ausgebrochen, sagte ein Polizeisprecher. Das Fabrikgebäude beherbergte auch den berühmten Technoclub „Sector Evolution“.
Das gesamte Gebäude ist akut einsturzgefährdet
Die Verantwortlichen des Klubs teilten am Samstagmorgen über die sozialen Netzwerke mit: Der Klub sei “bisher von den Flammen verschont geblieben”. Welche Schäden etwa durch das Löschwasser bleiben, ist unklar. Polizei und Feuerwehr waren vor Ort nicht sehr optimistisch. Das gesamte Gebäude ist akut einsturzgefährdet.
Zudem sollen die Proberäume von vermutlich mehr als 100 Dresdner Gruppen, die sich ebenfalls in dem Komplex befinden, erheblich betroffen sein. Mit wohl über 35 Zimmern hatte hier der größte Anbieter seinen Sitz. Viele Gruppen sind an diesem Samstagmorgen vor Ort und wollen ihren Proberaum räumen. Keine Chance. „Es ist eine Katastrophe für die gesamte Dresdner Musikszene, wir haben kein Material mehr und keinen Proberaum“, sagte Florian Helling von der Punkband Dosenstolz. Er schätzt, dass etwa 100 Bands betroffen sind, andere Schätzungen gehen von bis zu 200 Bands aus. In seinem Proberaum seien mehrere Gruppen gewesen und er beziffere den Schaden allein für den Raum auf rund 10.000 Euro.
Die Feuerwehr wird sich am Samstagvormittag zur aktuellen Lage äußern, das Feuer ist noch nicht gelöscht. Feuerwehrleute streuen Schaum über große Flächen mit brennenden und rauchenden Trümmern aus dem Gebäude. Der Komplex sei einsturzgefährdet, was es schwierig mache, ihn zu löschen, da nicht alle Brandherde erreicht worden seien, sagte Sprecher Michael Clare. Daher wurde eine Drohnenstaffel angefordert.
Inzwischen gibt es immer noch starke Rauchentwicklung. Aus diesem Grund warnte die Feuerwehr alle Anwohner und forderte, Fenster und Türen zu schließen. Der Rauch zieht derzeit in Richtung Dresdner Heide. Sie sagen, Touristen sollten den Priesnitzgrund meiden. Dort sammelt sich giftiger Rauch.
Zudem kann es in mehreren Teilen der Landeshauptstadt zu einer unangenehmen Geruchsbelästigung kommen.
Am Samstagmorgen bat die Feuerwehr schließlich darum, den Notruf freizuhalten. Dort fragen viele Dresdner, was passiert ist. Verletzt wurde bei dem Brand bisher glücklicherweise niemand.
Die Feuerwehr wurde um 21:29 Uhr mit einem Notsignal alarmiert. Rund 100 Feuerwehrleute seien zunächst stationiert gewesen, bestätigte ein Verantwortlicher in einer Leitstelle in Übigau am späten Freitagabend auf Anfrage der SZ.
Techno-Club-Sektor sagt Veranstaltungen ab
Daraufhin sagten die Betreiber des Techno Clubs auf Facebook alle Veranstaltungen ab und bedankten sich bei der Feuerwehr. „Die Feuerwehr setzt jetzt alles daran, unsere Einheit zu retten. Danke an die Feuerwehr Dresden“, hieß es.
Am Samstagvormittag äußerte sich auch Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert zum Geschehen. Er war am Vormittag mit der Einsatzzentrale vor Ort, sprach auch mit Vertretern des betroffenen Vereins „Sector Evolution“ und der Firma Nestler. „Hier braucht es pragmatische und schnelle Entscheidungen, um eine Perspektive auf den Verein, die Proberäume, die davon abhängige Existenz zu haben.“ Er, Hilbert, werde sich schnellstmöglich mit Bürgermeister Klepsch beraten.
Laut Hilbert verfügt Nestler über zwei Abfallbehandlungsanlagen vor Ort, ein Zwischenlager für gefährliche und nicht gefährliche Abfälle und eine Sortieranlage für gemischten Bauabfall mit einer Ballenpresse. Gemeinsam mit dem Umweltbundesamt werde am Montag nach Lösungen für die Unterstützung gesucht.
Auch Eva Yanigen, die Bürgermeisterkandidatin der Grünen, war entsetzt. „Der Brand ist bereits eine Tragödie für die Dresdner Kultur, da es keine barrierefreien Proberäume und lärmgeschützten Plätze für Vereine mehr gab. Die Kultur- und Elektronische Musikszene der Band mit ihren unzähligen Kulturschaffenden und Fans sind Teil der Kulturstadt Dresden und ein wichtiger Anker für viele Menschen in der Stadt.“
Feuerwehrleute am brennenden Gebäude auf dem Industriegelände. © Alexander Fürmann
Brandserie in Dresden
Am Donnerstag brachen mehrere Brände aus. Die Feuerwehr musste in einem Wald bei Hellerau drei Brände löschen. Am Freitagmorgen brannte es dann erneut. Betroffen sind mehr als 2.500 Quadratmeter. Die Polizei vermutet in dem Fall Brandstiftung.
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