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Hamburger Hafenarbeiter beenden Warnstreik | NDR.de – Nachrichten

Stand: 16.07.2022 06:37 Uhr

Nach 48-stündigem Stillstand im Hamburger Hafen und anderen deutschen Häfen haben am Samstagmorgen mehrere tausend Hafenarbeiter ihren jüngsten Warnstreik abgebrochen. Die Gewerkschaft ver.di hat nach sieben gescheiterten Runden zu einem Streik aufgerufen, um den Druck auf die Arbeitgeber wieder zu erhöhen.

Bei einem Protestmarsch in der Hansestadt sind am Freitag zehn Menschen verletzt worden, nachdem ein Kundgebungsteilnehmer einen Böller angezündet hatte. Am Rande der jüngsten Kundgebung auf dem Besenbinderhof in der Nähe des Hauptbahnhofs nahmen Polizisten den Böllerwerfer fest und eskalierten die Lage. Mehrere Hafenarbeiter belästigten die Angestellten. Nach Angaben der Polizei wurden Flaschen aus der Menge der Demonstranten geworfen. Die Beamten setzten Pfefferspray ein. Fünf Polizisten und fünf Demonstranten wurden verletzt. Die Demonstration verlief im Allgemeinen recht friedlich. An dem Protestzug vom Hauptbahnhof über den Ballindamm zum Jungfernstieg und dann zum Besenbinderhof beteiligten sich nach Angaben von ver.di rund 5.000 Menschen.

AUDIO: Hafenstreik: Polizei setzt Pfefferspray gegen Demonstranten ein (1 Min.)

Der schlimmste Streik seit mehr als 40 Jahren

Hafenarbeiter legten am Donnerstag mit Beginn der Frühschicht die Arbeit nieder. Das Motto ihres Protests war “Stoppt das Inflationsmonster!” Mit dem ersten Spätschicht-Warnstreik und einem 24-Stunden-Warnstreik im Juni summierte sich der streikbedingte Arbeitsausfall auf rund 80 Stunden. Damit ist er der längste Arbeitskampf in Häfen seit mehr als 40 Jahren.

Keine Aussetzung von Gerichtsstreiks

Am Donnerstag versuchten Arbeitgeber vor mehreren norddeutschen Arbeitsgerichten, die Warnstreiks mit einstweiligen Verfügungen zu stoppen. Das hat nicht funktioniert. Die Anhörung vor dem Arbeitsgericht Hamburg zeigte jedoch, dass das Gericht Zweifel hatte, ob alle Formalitäten eingehalten wurden, als sich die Arbeiter zum Streik entschlossen. Das Ergebnis: ein Vergleich. Nach diesem Streik sind weitere Arbeitskämpfe bis zum 26. August ausgeschlossen. In Bremen, Oldenburg und Wilhelmshaven wurde der Streik erstinstanzlich von den zuständigen Gerichten bestätigt.

Westhagemann fordert ein Schlichtungsverfahren

Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Vestagemann (parteilos) hat unterdessen Gewerkschaften und Arbeitgeber aufgefordert, sich auf ein Schlichtungsverfahren zu einigen, das ver.di bislang ablehnt. Vestagemann nannte die Streiks schädlich, was den Standort Hamburg schwächen würde.

12.000 Beschäftigte in den Seehäfen

Rund 12.000 Menschen arbeiten in deutschen Häfen – von Hamburg bis Bremerhaven und Bracke. Und hierher wurden seit Donnerstagmorgen keine Schiffe geschickt. Betroffen sind nicht nur große Containerterminals, sondern auch Stifadores und der Stückgutumschlag.

Arbeitgeber bieten 12,5 Prozent mehr Löhne

Grund für den Streik ist der anhaltende Tarifkampf. Arbeitgeber haben ihr Angebot zuletzt noch einmal verbessert. Sie bieten bis zu 12,5 Prozent über zwei Jahre verteilt. Ver.di fordert mindestens einen Inflationsausgleich für alle Mitarbeiter. Arbeitgeber haben bereits vor der Ankündigung des Streiks vor einer weiteren Eskalation gewarnt. Verhandlungsführerin Ulrike Riedel sagte NDR 90,3, dass mit jedem weiteren Streik mehr Schiffe in den Häfen blockiert würden. „Die Lieferketten sind extrem angespannt“, sagte Riddell. Christian Baranowski, Betriebsratsvorsitzender der HHLA, erklärte: „Der Grund dafür ist, dass der Arbeitgeber nicht mehr sozial mit uns zusammenarbeiten will.“ In den vergangenen zwei Jahren hätten die Hafenarbeiter alles gegeben. “Wir wollen jetzt unseren Anteil haben”, sagte Baranowski.

AUDIO: Warnstreik im Hafen wird mit gerichtlichem Vergleich fortgesetzt (2 Minuten)

Häfen weitgehend gelähmt

Vor knapp drei Wochen legten Hafenarbeiter mit Beginn der Frühschicht mit einem 24-Stunden-Warnstreik die Abfertigung von Container- und Frachtschiffen in Deutschlands großen Nordseehäfen weitgehend lahm. Betroffen sind die Häfen Hamburg, Emden, Bremen, Bremerhaven, Bracke und Wilhelmshaven. Zuvor hatte es bei den Hafenarbeitern viele Jahre keine Arbeitsniederlegungen gegeben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90.3 Aktuell | 15.07.2022 | 19.00