Germany

Heiterkeit im Kreml, Revolte in Putins Armee? In Kiew soll ein neuer Sturm geplant sein

  1. Startseite
  2. Politik

Erstellt: 12.06.2022, 22:10

Von: Patrick Mayer

Trennung

Moskau feiert Gebietsgewinne im Donbass. Nun wird vermutet, dass der Kreml erneut Kiew ins Visier nimmt. Aber lässt der Zustand der russischen Armee dies zu? Von Ausschreitungen ist die Rede. Aber auch die Ukrainer erlitten schwere Verluste.

München/Kiew – Das sind bittere Zahlen. Der ukrainische Generalstab und die britische Regierung schätzen die Verluste Russlands im Krieg in der Ukraine inzwischen auf mehr als 30.000 Soldaten. Das gaben das Medienprojekt The Kyiv Independent und die Tagesschau der ARD kürzlich gemeinsam bekannt.

Die ukrainische Armee schätzt, dass für jeden getöteten Ukrainer drei russische Soldaten getötet werden. Doch Moskaus Invasionstruppen im Donbass sind zuletzt so weit fortgeschritten, dass der Kreml neue Angriffspläne ausarbeiten soll. Nach offiziellen ukrainischen Angaben sind bereits mehr als 95 Prozent der Region Luhansk unter russischer Kontrolle. Keine dieser Informationen kann unabhängig überprüft werden.

Krieg in der Ukraine: Plant Moskau einen zweiten Angriff auf Kiew?

Konkret: Das Nachrichtenportal Meduza berichtet, der Kreml erwäge einen zweiten Angriff auf die Hauptstadt Kiew mit ihren rund 2,8 Millionen Einwohnern. Zudem gebe es in der Regierung des russischen Machthabers Wladimir Putin Hoffnung, “dass ein vollständiger Sieg in der Ukraine noch vor Jahresende möglich ist”.

Medusa beruft sich in seinem Bericht auf namentlich nicht genannte Informanten. Dabei soll es sich um “zwei kremlnahe Quellen und eine weitere Quelle in Putins Regierung” handeln. Demnach hat die russische Regierung “Mindest- und Maximalkriterien für die Erklärung einer erfolgreichen und abgeschlossenen” militärischen Spezialoperation “festgelegt. Das Minimum ist die Eroberung von Donbass.

Krieg in der Ukraine: Russischer Durchbruch im Donbass, Raketenangriffe bei Charkow

Östlich der Metropole Charkow, der mit etwa 1,4 Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt, wurde die Gegenoffensive der örtlichen Streitkräfte gestoppt. Nach Angaben des ZDF hat Russland mehrere Dörfer eingenommen. Dies deckt sich mit einem SZ-Bericht, in dem ein ukrainischer Frontkommandant erhebliches russisches Raketen- und Artilleriefeuer in der Region beschrieb. Er bekommt den Spitznamen Danilo, weil er nicht genannt werden will. “Durchhalten, bis neue Waffen kommen”, sei die Devise, sagte der Leutnant der Territorialverteidigung der Deutschen Tageszeitung: “Wir haben noch Reste ukrainischer Vorräte, aber wir brauchen westliche Waffen für die Gegenoffensive.”

Laut ZDF sind russische Truppen bei Popasna und Liman im Donbass im Südosten durchgebrochen, ukrainische Einheiten in Sewerodonezk-Lisitschansk könnten in naher Zukunft eingekesselt werden. Obendrein. Derzeit läuft eine russische Offensive gegen die Stadt Bachmut, die vor dem Angriff des östlichen Nachbarn etwa 70.000 Einwohner hatte. Auch nordwestlich von Cherson finden heftige Kämpfe statt. Präsident Wladimir Zelensky wies kürzlich darauf hin, dass die Verluste in der Ukraine bis zu 100 getötete Soldaten pro Tag betragen.

An der Front: Russische Soldaten in Mariupol. © Nicht im Abspann / AP / dpa

Aber: Ist Moskau zufrieden, wenn der Staat der eigenen Armee einen zweiten Angriff auf Kiew nicht zulässt? Berichte über angebliche Lieferschwierigkeiten, angebliche Nichteinhaltung von Bestellungen und herbe Verluste häufen sich. Zumindest aus dem Westen. Das britische Verteidigungsministerium twitterte am Montag (30. Mai): “Russland hat in dem Konflikt wahrscheinlich verheerende Verluste in seinen mittleren und jüngeren Reihen erlitten.”

Krieg in der Ukraine: Ein neuer Bericht über bedeutende russische Verluste

Brigade- und Bataillonskommandeure seien an der Front, auch weil Moskau sie persönlich für “Erfolge” oder Niederlagen verantwortlich mache. Diese Verluste könnten zu mangelnder Disziplin und geringer Moral unter den Invasionstruppen führen. Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums gibt es glaubwürdige Berichte über vereinzelte Ausschreitungen. Die Mobilisierung alter T-62-Panzer soll laut ZDF zeigen, dass Russland bald Reservisten einsetzen wird. Laut Medusa ist das Ziel ein „Zermürbungskrieg“. In welchem ​​Moskau wird viel größere Teile der Ukraine erobern?

„Für den Kreml zählt kein Soldatenleben“, sagte Oberleutnant Danilo der SZ: „Russland hat mehr Technik, mehr Personal. Einen Zermürbungskrieg können wir nicht gewinnen.“ (Pm)