Veröffentlicht 17. Mai 2022, 18:00 Uhr
Für 64 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ist klar, dass Steuern und Abgaben auf Benzin und Treibstoff gesenkt werden müssen. Das zeigt eine exklusive Studie von 20 Minuten und Tamedia.
1/9
Vielerorts kostet ein Liter Benzin mehr als zwei Franken.
20 Minuten / Simon Glauser
“Wenn der Krieg weitergeht, dürften die Preise in den nächsten Wochen um weitere fünf bis zehn Rappen steigen”, sagt Bernhard Maurer von der Oel-Pool AG, die die Ketten Ruedi-Rüssel, Miniprix und BP betreibt.
Tameia / Nicole Pont
Deshalb senken Italien, Frankreich und Deutschland die Kraftstoffsteuern.
IMAGO / Perspektive
-
Der Krieg in der Ukraine lässt die Treibstoffpreise steigen.
-
Deshalb senken Italien, Frankreich und Deutschland die Benzinsteuern.
-
64 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer wollen, dass auch hier die Steuern gesenkt werden.
Die Treibstoffpreise sind nach dem Krieg in der Ukraine in die Höhe geschossen. Vielerorts kostet ein Liter Benzin mehr als zwei Franken. “Wenn der Krieg weitergeht, dürften die Preise in den nächsten Wochen um weitere fünf bis zehn Rappen steigen”, sagt Bernhard Maurer von der Oel-Pool AG, die die Ketten Ruedi-Rüssel, Miniprix und BP betreibt.
Deshalb senken Italien, Frankreich und Deutschland die Kraftstoffsteuern. Die Schweiz muss nun nachziehen: 64 Prozent der Schweizer befürworten eine Senkung der Zölle und Steuern auf Benzin und andere Treibstoffe. Das zeigt eine aktuelle Studie von 20 Minuten und Tamedia. Nach Geschlecht: 43 % der Männer befürworten Zoll- und Steuersenkungen (17 % sind dazu bereit). Bei den Frauen sind es 48 % (und weitere 18 % eher ja). Die Verteilung ist in allen Altersgruppen ähnlich: bei den 18-34-Jährigen: 46 % ja (17 % eher ja), bei den 35-49-Jährigen 48 % ja (17 % eher ja), zwischen 50-45 % % ja (18 % eher ja) für die über 64-Jährigen und 43 % ja (19 % eher ja) für die über 65-Jährigen.
Vom 12. bis 15. Mai haben 9085 Personen aus der ganzen Schweiz an einer Umfrage von 20 Minuten und Tamedia zur Situation in der Ukraine teilgenommen. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem LeeWas Research Institute durchgeführt. LeeWas modelliert die Umfragedaten basierend auf demografischen, geografischen und politischen Variablen. Die Fehlerspanne beträgt 1,9 Prozentpunkte.
35 Prozent sind gegen Steuererhöhungen. Das Thema betrifft auch die Politik. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Wirtschaftsminister Guy Parmelin untersucht derzeit die steigenden Energiepreise und sucht nach Lösungen. Das Ergebnis werde dem Bundesrat demnächst vorgelegt, sagte er auf Nachfrage.
SVP-Nationalrat Christian Imark ist von der Umfrage nicht überrascht: «Das Thema brennt den Leuten unter den Fingernägeln. Jeder, der jeden Tag Auto fährt, zahlt im Monat dreistellig mehr – das ist zu viel.“ Der Bundesrat muss unverzüglich handeln.
Deshalb legte Imark im März einen Vorschuss gegen hohe Benzinpreise vor. Auch die Wirtschaft ist in Gefahr. „Die Baubranche leidet stark unter den hohen Kraftstoffpreisen“, sagte Imark. Wenn das so weitergeht, werden bald Arbeitsplätze wegfallen.
Es gibt keine Steuervergünstigungen für Autofahrer
GLP-Präsident Jürg Grossen sieht das anders. Von einer Senkung der Mineralölsteuer kann nicht die Rede sein. Schließlich seien die Benzinpreise in den letzten zehn bis zwölf Jahren gesunken: “Jetzt steigen sie wieder, da braucht es jetzt keine Steuererleichterungen für Autofahrer.”
Zudem seien die heutigen Autos effizienter geworden: „Man kann für den gleichen Preis viel weiter fahren“, sagt Grossen. Sind die Kraftstoffpreise über mehrere Jahre sehr hoch, kann eine gezielte Unterstützung der Betroffenen in Erwägung gezogen werden.
gezielte Unterstützung für Haushalte
Francesca Raiser von den Grünen ist ähnlicher Meinung: Im Gegensatz zu einigen Nachbarländern leidet die Schweiz nicht unter Energiearmut. “In diesem Land können die Menschen ihre Energiekosten decken”, sagte Raiser. Außerdem gibt es gute Alternativen, um kurzfristig Geld zu sparen, wie zum Beispiel langsamer fahren auf der Autobahn oder auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.
„Mittelfristig müssen wir ohnehin aus den fossilen Brennstoffen aussteigen. Das geht nur, wenn Kurssignale übermittelt werden“, sagt Raiser. Daher sind Steuersenkungen nicht die Lösung. Bei anhaltend hohen Kraftstoffpreisen könnten auch einkommensschwache Haushalte gezielt unterstützt werden.
7 Zentimeter pro Liter weniger
Laut SVP-Nationalrat Franz Grutter muss der Bund die Benzinsteuern nicht zwingend senken oder abschaffen. Stattdessen muss die Mehrwertsteuer anders berechnet werden. Derzeit wird die Mehrwertsteuer auf den gesamten Preis berechnet, einschließlich Steuern und Abgaben.
Grüter will das ändern. Die Mehrwertsteuer sollte nur auf das Produkt erhoben werden, dh. Benzin, nicht auf die verschiedenen Steuern. Der Nationalrat hat seinen Vorschlag bereits angenommen. Dann sinkt der Benzinpreis um etwa sieben Rappen pro Liter.
Dadurch entgehen dem Bund rund 300 Millionen Franken an Steuereinnahmen. Das ist kein wirklicher Verlust, denn: «Aufgrund des viel höheren Benzinpreises nimmt der Staat viel mehr Steuern ein, als wenn der Benzinpreis bei rund 1.80 Franken pro Liter bleibt.»
Add Comment