Germany

“Hören Sie nicht auf zu provozieren”: Alice Schwarzer kritisiert Selenski

“Hören Sie nicht auf zu provozieren”, kritisiert Alice Schwarzer Selenski

08.05.2022 02:34 Uhr

Der von ihr initiierte Offene Brief über Waffenlieferungen sorgte für Aufsehen. Alice Schwarzer kritisiert nun den ukrainischen Präsidenten, dem sie ständige Provokationen vorwirft. Stattdessen wünscht sie sich „nuancenreichere Töne“.

Alice Schwarzer wünscht sich moderatere Töne als der ukrainische Präsident Wladimir Selenskyj. „Es tut mir leid, dass Selenski nicht aufhört zu provozieren“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur am Samstagabend in München bei der Vorstellung der Dokumentation „Alice Schwarzer“. Wenn Bundeskanzler Olaf Scholz die Einladung Selenskyjs annehmen und am 9. Mai nach Kiew aufbrechen würde, wäre das eine “beispiellose Provokation”. An diesem Tag feiert Russland den sowjetischen Sieg über Nazideutschland im Zweiten Weltkrieg.

Seit Tagen ist Schwarzer wegen eines von ihm initiierten offenen Briefes an Scholz in den Schlagzeilen, in dem er sich aus Angst vor einer Eskalation des Krieges mit anderen Intellektuellen gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine ausspricht.

“Auch aus der Ukraine würde ich mir etwas differenziertere Töne wünschen”, sagte Schwarzer und betonte, wenn man die offizielle Politik des Präsidenten für “teilweise fragwürdig” halte, bedeute das nicht, dass man kein Mitgefühl für das Land habe oder Opfer ignoriere. “Andererseits.”

“Der Stöpsel wurde von der Flasche getötet”

Ein offener Brief an die Zeitschrift Emma, ​​unterschrieben unter anderem von Martin Walser, Juli Zech und Gerhard Polt, löste eine Debatte über das Für und Wider von Waffenlieferungen nach Deutschland aus. Recherchen zufolge steht die Hälfte der Menschen in Deutschland der Versorgung mit schweren Waffen kritisch gegenüber.

„Unser offener Brief hat den Korken aus der Flasche gezogen. Da ging die Debatte schnell los und das ist gut so. Denn über so wichtige Themen muss man reden.“ Rund 250.000 Menschen haben den Brief bereits unterzeichnet. „Es gibt so wenig Sinn in meinem Leben, wie diesen offenen Brief zu initiieren“, sagte Schwarzer. Allerdings wurde der Brief vielerorts auch scharf kritisiert.