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IHS-Direktor Neusser: „Rezession nicht auszuschließen“

Abrutschen in die Rezession

Neusser schließt eine Rezession nicht aus. „Aber wir sind noch optimistischer und gehen davon aus, dass die äußeren Rahmenbedingungen so bleiben wie sie sind.“ Eine mögliche Abschaltung der Gasversorgung ist die größte Unsicherheit für die Prognosen. “Das hätte dramatische Auswirkungen”, sagt Neusser. „Wenn die Abschaltung heute käme, würde das BIP um drei Prozent sinken und wir wären in einer Rezession.“ Das hänge aber auch davon ab, inwieweit die Industrie beispielsweise Öl durch Gas ersetzen könne.

Darüber hinaus hätte eine Beeinträchtigung der Gasversorgung dramatische Folgen für den österreichischen Arbeitsmarkt. „Der Arbeitsmarkt wird um etwa vier bis fünf Prozent einbrechen – mit großen regionalen Unterschieden.“

Reallohnverluste und vorsichtiger Optimismus

Angesprochen auf die Reallohneinbußen sagte der IHS-Direktor: „Sie sind das Ergebnis der Tarifabschlüsse des Vorjahres. Im nächsten Jahr geht er aber bereits davon aus, dass die Reallöhne wieder steigen werden. “Es ist einfach eine schwierige Situation”, sagt Neusser. „Die Inflation, die die Gewerkschaftsmitglieder spüren, unterscheidet sich von den Preisen, die die Unternehmen weitergeben können. Die Inflation wird importiert, und das können wir nicht ändern.“

Fest steht: „Als Volkswirtschaft haben uns Pandemie und Krisen im Schnitt um drei Prozent ärmer gemacht – auf lange Sicht. Die Frage ist, wie verteilt man das? Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir nicht mehr sind, egal wie reich wir waren.”

Etwas Optimismus ist dennoch angebracht: „Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor gut. Wir haben für dieses und nächstes Jahr eine Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent. Das zeigt, dass die österreichische Wirtschaft noch eine gewisse Widerstandskraft hat.“