Im Schatten von Gas verteuert C den Strom für die Verbraucher
19.08.2022, 18:59 Uhr
Verbraucher sind besorgt über steigende Energiepreise. Neben den drastisch gestiegenen Gaspreisen steigen auch die Strompreise. Und Experten gehen davon aus, dass sie auch in naher Zukunft stark steigen wird.
Gestiegene Energiepreise belasten viele Verbraucher. Abgesehen vom Gas fällt die Strömung fast ab, stieg aber auch stark an. Und Strom wird noch teurer, wie Zahlen von Vergleichsportalen, Experteneinschätzungen und Ankündigungen von Energieversorgern zeigen.
Wie haben sich die Strompreise entwickelt?
Sie sind stark gestiegen. Das Vergleichsportal Verivox zeigt den durchschnittlichen Strompreis für Privatverbraucher in Deutschland in einem Index. Demnach sind das bei einem Jahresverbrauch eines Musterhaushalts von 4.000 Kilowattstunden im August 41,98 Cent pro Kilowattstunde. Dies entspricht einer Steigerung von 38 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das Vergleichsportal Check24 meldet im gleichen Zeitraum ein Wachstum von rund 31 Prozent. Nach dieser Berechnung liegt der Durchschnittspreis bei 39,9 Cent.
Warum haben sich die Strompreise so entwickelt?
„Der große Preistreiber ist der Erdgaspreis“, sagte Energieexperte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Gaspreise stiegen vor allem, weil Russland als wichtigster Lieferant Deutschlands weniger Gas nach Deutschland lieferte. Hinzu kommen laut Siverding gestiegene Kohlepreise auf dem Weltmarkt oder gestiegene CO2-Preise, was die Stromproduktion verteuert.
Welche Preiserhöhungen sind zu erwarten und wann erreichen sie die Endkunden?
Verivox zählte im August, September und Oktober 123 Preiserhöhungen für Grundversorger mit einer durchschnittlichen Steigerung von 25 Prozent. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden bedeutet dies Mehrkosten von durchschnittlich 311 Euro pro Jahr. Zuvor meldete Konkurrent Check24 im September eine Preissteigerung von 47,4 Prozent.
„Angesichts der hohen Großhandelspreise erwarten wir in den kommenden Monaten zahlreiche Strompreiserhöhungen, die eine zusätzliche Belastung für Haushalte darstellen werden“, sagt Verivox-Experte Thorsten Storck. Der durchschnittliche Strompreis im nächsten Jahr könnte 45 Cent pro Kilowattstunde oder mehr betragen. Auch Sieverding rechnet mit steigenden Preisen. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Preise über 40 Cent steigen werden.“ Das Ende des Mastes sei noch nicht erreicht.
Was machen die großen Energieversorger?
Deutschlands größter Energieversorger Eon rechnet mit weiter steigenden Endkundenpreisen. Der Preisdruck herrsche auf allen Märkten, sagte CFO Mark Spieker letzte Woche. „Unterschiedlich ist nur, wie schnell diese Preiserhöhungen dann umgesetzt werden.“ Dass sie irgendwann kommen müssen, steht außer Frage. Stromkunden des Energieversorgers EnBW müssen ab Oktober durchschnittlich 31,1 Prozent mehr für Strom für ihre Haushalte im Hauptversorgungstarif bezahlen.
Was kann den Strompreis weiter in die Höhe treiben?
Bis Ende des Jahres sollen die letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden. Dementsprechend gäbe es dann keinen Strom aus den Pfählen. Das könnte laut Sieverding den Preis erhöhen. Jetzt rächt sie sich dafür, dass Deutschland „den Ausbau erneuerbarer Energien vergeudet“ habe.
Welche Maßnahmen könnten ergriffen werden, um die Bürgerinnen und Bürger beim Thema Strom zu entlasten? Ab Juli müssen Stromkunden für die Förderung von Ökostrom nicht mehr zahlen. Die Abschaffung der EEG-Umlage habe den Anstieg der Strompreise nur gedämpft, sagt Stork. Eine weitere Entlastung könnte die Senkung der Mehrwertsteuer auf Strom sein, auf die die Energiewirtschaft drängt. Bisher sieht die Bundesregierung dies nur für Erdgas vor.
Was können Benutzer tun?
Anders als beim Gas gibt es in einem Haushalt viele einzelne Stromverbraucher, sagt Verbraucherschützer Sieverding. Energieverbraucher wie alte Kühlschränke, Waschmaschinen oder Halogenlampen sollten schnellstmöglich ausgetauscht werden. Auch eine alte Wärmepumpe bietet Einsparpotenzial.
Die Verbraucherzentrale berät auf ihrer Website zum Stromsparen. So können Sie Ihren Kühlschrank etwas weniger kühlen oder einen vereisten Gefrierschrank abtauen. Beim Kochen und Backen können Sie einen Deckel verwenden und für den Backofen können Sie auf das Vorheizen verzichten und ihn etwas früher ausschalten. Und natürlich: Schalten Sie das Licht aus, wenn Sie es nicht brauchen.
Add Comment