Dem Bericht zufolge werden in Vorarlberg 530 Schmetterlingsarten kurz- oder langfristig aussterben. 6,5 Prozent der Fauna des Staates gelten bereits als ausgestorben oder verschollen; 2001 war dies noch bei 132 Arten der Fall. Beispielsweise galt der Stachelbeerwickler Anfang des 20. Jahrhunderts als Gartenschädling, ist heute aber verschwunden. Vereinzelte Wiederentdeckungen wie die der „kleinen Karte“ sind angesichts der Vielzahl an Verlusten nur ein kleiner Trost. Weitere 113 Arten (4,5 Prozent, 2001: 79) sind laut der neuen Roten Liste gefährdet, 255 Arten gelten als „gefährdet“ (10,2 Prozent, 2001: 212). 264 Schmetterlingsarten sind „gefährdet“ (10,6 Prozent, 2001: 188). Auch die Zahl der weniger gefährdeten Motten ist zurückgegangen: 2001 wurden 48 % in diese Kategorie eingeordnet, jetzt sind es rund 45 %.
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Landschaftswandel als Aussterbeursache
Das Artensterben ist oft mit Landschaftsveränderungen und dem damit verbundenen Verlust von Lebensräumen verbunden. Als Beispiele nennt der Bericht Überbauung, flussbauliche Maßnahmen, intensive Landwirtschaft und weitläufig genutzte Gärten. In anderen Fällen ist die Ursache des Verschwindens nicht bekannt und natürliche Veränderungen in der Umgebung sind möglich. Generell werden Trockenweiden und lichte Wälder immer seltener, auch in Feuchtwiesen und Hochmooren nimmt der Nutzungsdruck zu.
In den Auen Vorarlbergs sind besonders viele Tagfalter ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Die einzig bekannten Populationen mehrerer Tagfalterarten im Naturschutzgebiet Rheindelta sind vermutlich den Überschwemmungen von 1999 zum Opfer gefallen. Experten konnten sie trotz Suche nach Überschwemmungen nicht mehr nachweisen. Das Ausmaß der Auswirkungen von Extremereignissen, die durch den Klimawandel häufiger werden, kann hier noch nicht abgeschätzt werden.
Experten fordern den Schutz von Schmetterlingszonen
Einige Mottenarten könnten jedoch als bisher unentdeckte Restpopulation überleben. So wurde zum Beispiel der „Schmetterlingsfledermaus“ im Valschavieltal (Montafon) glücklicherweise wiederentdeckt. Überall dort, wo Schmetterlinge gefunden werden, die als verschollen gelten oder vom Aussterben bedroht sind, sollten diese Gebiete aus naturschutzfachlicher Sicht mit höchster Priorität behandelt und Schutzmaßnahmen ergriffen werden, so Experten.
Wird beispielsweise der Mahdtermin auf Wunsch der Landwirte auf geschützte Wiesen verschoben, wie im trockenen 2018, droht trotz Schutzstatus ein Artenverlust. Die letzten Zufluchtsorte für viele Schmetterlinge sind die Hügel im sonnigen Valgau, wo die einzigen weitestgehend ausgestorbenen oder unbekannten Arten hier zu finden sind. Zur Bereitstellung von Schmetterlingszonen forderten Experten unter anderem einen umfassenden Düngeverzicht, Schutz von Feucht- und Magerwiesen, Vermeidung von Außenlicht, Förderung von Hecken mit geeigneten Pflanzen und „Inseln“ mit Totholz sowie die Bekämpfung von Neophyten ( nicht heimische Pflanzen).
2.500 Schmetterlingsarten in Vorarlberg
Laut der neuen Roten Liste hat sich die Zahl der in Vorarlberg nachgewiesenen Schmetterlingsarten seit 2001 von 2.300 auf 2.500 erhöht. Dies ist auf genauere Erfassungsmethoden, Fortschritte in der Genetik und eine deutliche Zunahme neuer Arten zurückzuführen. Von den 195 Schmetterlingsarten, die der Mensch stärker wahrnimmt, stellen sie nur 6,4 Prozent der Schmetterlingsarten dar, und 93,6 Prozent der meisten Tagfalter sind nachts unterwegs.
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