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Indoor-Masken: Was für und gegen die Maskenpflicht spricht

Hintergrund

Stand: 19.10.2022 10:25 Uhr

Aufgrund der hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen werden Rufe nach einer Maskenpflicht in Innenräumen immer lauter. Aber wie wirksam verhindern sie dort eine Ansteckung? Und wie gut helfen sie gegen die Omicron-Variante?

Von Alexander Steininger, tagesschau.de

Um sich mit dem Coronavirus anzustecken, braucht es nicht viel: Warten an der Supermarktkasse, Gespräche mit Kollegen bei der Arbeit oder ein Restaurant- oder Theaterbesuch – eine Situation, die wohl jeder fast täglich erlebt. Denn in Innenräumen dauert es selbst bei einer Entfernung von drei Metern oft weniger als fünf Minuten, bis sich ein Ungeimpfter bei einem Erkrankten mit Corona ansteckt. Steht man für die Atmung des Infizierten in der Luft, liegt die Übertragungswahrscheinlichkeit bei fast 100 Prozent – ​​wenn beide keine Maske tragen. Das hat ein Team vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen Ende letzten Jahres in einer Studie untersucht.

Masken schützen besser vor Omikrons

Die gute Nachricht ist jedoch, dass Masken Sie schützen. „Und nicht nur effektiv“, sagt Studienautor Gholamhossein Bagheri, „sondern extrem effektiv.“ Demnach kann eine gut sitzende FFP2-Maske das Infektionsrisiko in etwa 20 Minuten um bis zu 99,9 Prozent senken. Die Zahlen sind seit langem bekannt, wurden aber zu einer Zeit erhoben, als die Delta-Variante des Coronavirus die dominierende Variante war. Aber was ist mit der aktuellen, ansteckenderen Omicron-Variante?

„Der Schutz durch Masken ist hier wahrscheinlich noch besser als im Delta“, sagt Bagheri. Denn neuere Beobachtungen zeigen, dass der Großteil der Viruslast im Omikron in größeren Partikeln steckt. Sie werden hauptsächlich in den oberen Atemwegen produziert – und können daher sehr effektiv durch Gesichtsmasken eingedämmt werden.

Auch chirurgische Masken bieten einen guten Schutz

Ob auch herkömmliche OP-Masken einen besseren Schutz vor Omikrons bieten, kann noch nicht sicher gesagt werden. Sicher ist, dass OP-Masken vor allem vor größeren Tröpfchen schützen, bei kleineren Aerosolen aber an ihre Grenzen stoßen. Allerdings: „Wenn beide gut sitzende OP-Masken tragen, wird das Virus mit einer maximalen Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent innerhalb von 20 Minuten übertragen“, heißt es in der Studie des Max-Planck-Instituts.

Auch Christian Brand von der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie betont, dass OP-Masken einen spürbaren Unterschied bei der Übertragung machen: „Das ist unglaublich hilfreich.“ Eine einfache Maske bietet jedoch in erster Linie Schutz vor anderen – also schütze ich andere, wenn ich infiziert bin. Der Selbstschutz ist mit der FFP2-Maske höher, wenn sie richtig getragen wird. Beim korrekten Tragen ist es besonders wichtig, dass der Nasenbügel fest angedrückt wird, da hier die meisten Aerosole entweichen können.

Wie nah Und wie viel Gerede?

Wichtig ist laut Brandt auch, wo und unter welchen Umständen Menschen sich in Innenräumen treffen. „Die zentrale Frage ist: Wie nah und wie lange sind sie zusammen? Und wie viel reden sie?“ Bei der Arbeit oder bei Veranstaltungen ist der Kontakt meist etwas enger und es wird mehr geredet als beispielsweise im Supermarkt. Im Nahfeld bietet die FFP2-Maske einen besseren Schutz. Aber wenn mehr Abstand und wenig Kommunikation herrscht, würden OP-Masken auch einen guten Schutz bieten.

Beide Wissenschaftler empfehlen daher bei weiter steigenden Fallzahlen eine Maskenpflicht in Innenräumen. Allerdings betont Brand, dass sie mit Augenmaß behandelt werden sollten und etwa Schulen davon ausgenommen werden sollten. Auch eine chirurgische Maske würde an den meisten Orten ausreichen. Bagheri findet jedoch deutlichere Worte: „Es spricht wirklich nichts dagegen, eine Maske zu tragen. Erstens ist es sehr einfach zu implementieren und die Leute sind bereits daran gewöhnt. Und zweitens ist es ein äußerst wirksames Mittel, um eine Übertragung und damit eine hohe Zahl von Infektionen zu verhindern.“

Viele Verbände für Maskenarbeit

Damit stehen sie nicht allein: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, die Krankenhausgesellschaft, die Ärztegewerkschaft Marburger Bund oder der Berufsärztebund – sie alle setzen sich für eine Maskenpflicht in Innenräumen ein, wenn die Inzidenz stark ansteigt, wie es derzeit der Fall ist Fall. Sie warnen mit unterschiedlichen Schwerpunkten vor einer Überlastung des Gesundheitssystems und der Kliniken.

Anders als in früheren Pandemiejahren geht es dabei weniger um Intensivstationen als vielmehr um eine hohe Belegung der Normalstationen, zahlreiche Personalengpässe und eine Belegschaft, die nach mehr als zwei Jahren Notstand nicht mehr die Kraft für einen weiteren Extremwinter hat Bedingungen. „Dem Krankenhauspersonal geht es nicht gut. Nicht nur die Stimmung ist extrem schlecht, viele müssen jetzt auch Überstunden machen“, sagte Gerald Gass, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Amtsarzt Johannes Nissen argumentiert noch ein weiteres Mal: ​​„Sobald die Inzidenz 1.000 übersteigt, sollten wir auch über eine Maskenpflicht für Bars, Gastronomie und Restaurants nachdenken. Dann haben wir tatsächlich eine Inzidenz von 3.000.“ Nicht zuletzt warnen Experten vor einer Zunahme von länger andauernden Covid-Fällen, die bei hohen Infektionszahlen auftreten können.

Gassen gegen Maskenpflicht

Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, konterte, bei einer Impfquote von mehr als 80 Prozent und vielen Geimpften, die auch eine Infektion überstanden haben, bestehe keine Notwendigkeit, eine Maske zu tragen. Die Situation unterscheidet sich radikal von der der letzten zwei Jahre. Deutschland sei „glücklicherweise weit davon entfernt, das Gesundheitssystem zu überlasten“, sagte er am Wochenende der Berliner Morgenpost. Corona sei für „die überwiegende Zahl der Menschen in Deutschland keine bedrohliche Krankheit mehr und damit eher ein allgemeines Lebensrisiko“. Und Long Covid „ist kein Massenphänomen“.