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Industrieemissionen im Vorjahr gestiegen – Österreich

Auf . – 25.04.2022 05:00 (akt am 25.04.2022 05:00)

Im vergangenen Jahr war ein Anstieg der Industrieemissionen zu verzeichnen. © APA / Barbara Gindel (Symbolbild)

Im Vorjahr wurden von der österreichischen Industrie mehr Treibhausgase in die Atmosphäre gepumpt.

Die vom EU-zertifizierten Handel erfassten Anlagen haben nach vorläufigen Angaben der Europäischen Kommission, geschätzt von der APA, Abgase in Höhe von 28,7 Millionen Tonnen CO2 emittiert. Inklusive Fluggesellschaften sind es 30,3 Millionen Tonnen. Damit wird der in der Pandemie 2020 beobachtete Rückgang weitgehend kompensiert. Knapp ein Drittel der Emissionen stammen aus dem voestalpine-Stahlwerk in Linz.

Plus in den Shows

Insgesamt stiegen die Emissionen im Vorjahr um 1,7 Millionen Tonnen oder 6,3 Prozent (bzw. 7,3 Prozent inklusive Airlines). Der Vorkrisenwert von 29,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten im Jahr 2019 wurde jedoch nicht vollständig erreicht. Zum Vergleich: Die Gesamtemissionen des Vorjahres – inklusive Verkehr und Haushalte – werden vom Wegener Center der Universität Graz auf 80,7 Millionen Tonnen geschätzt.

Die größte lokale Industrieanlage ist die voestalpine in Linz mit 9,4 Millionen Tonnen CO2. Das ist nicht nur der höchste Wert in Österreich, auch im europäischen Vergleich liegt das Stammwerk des Stahlproduzenten weit vorne – auf Platz elf. An der Spitze der EU stehen Kohlekraftwerke in Polen und Deutschland. Europas schmutzigstes Kohlekraftwerk selbst – in der Nähe von Belchatow in Polen – pumpt mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre als die gesamte österreichische Industrie zusammen. Für Polens Kohlekraftwerk weisen EU-Statistiken 33,2 Millionen Tonnen CO2 aus.

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Stahlproduktion in der Steiermark auf Platz 2

Im österreichischen Ranking liegt mit dem steirischen Stahlwerk Donawitz (2,69 Mio. t) ein weiterer voestalpine-Standort hinter dem Stahlwerk Linz an zweiter Stelle, wo die voestalpine ebenfalls Hochöfen betreibt. An dritter Stelle steht die OMV Raffinerie in Schwechat mit 2,75 Millionen Tonnen, gefolgt von den drei Türmen des Wien Energie Kraftwerks Zimmering (1,56 Millionen Tonnen).

Höhere Treibhausgasemissionen

Die meisten Werke haben ihre Treibhausgasemissionen im Vorjahr deutlich gesteigert: die voestalpine in Linz um knapp zehn Prozent, Donawitz um mehr als 31 Prozent und Wien Energie in Simmering um acht Prozent. Die OMV Raffinerie ist nach vorläufigen Daten mit einem Wachstum von 0,7 Prozent relativ stabil.

Emissionen von Fluggesellschaften

Die Emissionen der Fluggesellschaften stiegen nach einem besonders starken Rückgang im ersten Jahr der Pandemie um fast 31 Prozent. Allerdings liegen sie mit 1,6 Millionen Tonnen immer noch deutlich unter dem Spitzenwert von 2019. Insgesamt war 2019 ein Jahr mit besonders „hohen Emissionen“ im heimischen Luftverkehr – bedingt durch den Brexit-bedingten Umzug von EasyJet nach Wien. Seitdem wurden Easyjet-Emissionen in Österreich registriert: 2,3 Millionen Tonnen im Jahr 2019 und 1,1 Millionen Tonnen im Vorjahr. In der AUA weisen Statistiken bis zur Corona-Pause einen jährlichen Anstieg auf 913.000 Tonnen im Jahr 2019 aus. Im Vorjahr waren es noch knapp 395.000 Tonnen. Die realen Emissionen des Luftverkehrs sind jedoch höher, da nur Flüge innerhalb der Europäischen Union unter das EU-Emissionshandelssystem fallen.

Die CO2-intensivste Industrie

Der Sektor mit der höchsten CO2-Konzentration in der österreichischen Klimabilanz ist dank voestalpine die Eisen- und Stahlindustrie mit 12,7 Mio. t CO2, deutlich vor der Energie- und Wärmeerzeugung (5,8 Mio. t). Die Produktion von Baustoffen – insbesondere Zement, Ziegel und Glas – beläuft sich auf 4,6 Millionen Tonnen pro Jahr. Es folgen Raffinerien (zB OMV) mit 2,7 Millionen Tonnen, vor Fluggesellschaften mit 1,6 Millionen Tonnen und der Papier- und Zellstoffindustrie mit 1,5 Millionen Tonnen. Die chemische Industrie pumpt 1,1 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre, der Rest geht an Aluminiumwerke und andere Industrien.

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Registrierung von Industrieemissionen

Emissionen der Industrie werden im sogenannten EU-Emissionshandelssystem (ETS) erfasst. Produzierende Unternehmen müssen Verschmutzungsrechte für ihre klimaschädlichen Emissionen erwerben und die Emissionen bis spätestens April nächsten Jahres an das Umweltbundesamt melden. Ein Zertifikat für eine Tonne Kohlendioxid kostet derzeit knapp 90 Euro. Zum Vergleich: Für jene CO2-Emissionen, die außerhalb der Industrie anfallen, hat Österreich ab dem 1. Juli 2022 einen CO2-Preis von 30 € pro Tonne eingeführt. freundliche Weise einen Wettbewerbsvorteil gegenüber schmutzigeren Konkurrenten haben.

Emittenten klimaschädlicher Treibhausgase

voestalpine, OMV und Wien Energie sind die größten Treibhausgas-Emittenten in Österreich. Die Umstellung auf eine klimaneutrale Produktion wird für die Industrie Jahre dauern, teilweise bis Mitte des Jahrhunderts. Um die globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius, bestenfalls 1,5 Grad, zu stoppen, müssen die Weichen jetzt gestellt werden, sagen Experten. Schwierig wird das für Mineralölkonzerne wie die OMV, deren Geschäftsmodell auf CO2-haltigen Produkten basiert.

Was sind die Pläne der größten österreichischen CO2-Produzenten:

VOESTALPINE Mit 9,4 Millionen Tonnen allein am Hauptsitz in Linz hat der Stahlkonzern im Jahr 2021 mehr Treibhausgase emittiert als 900.000 Österreicher zusammen. 2018 sanken beispielsweise die CO2-Emissionen in Österreich nur, weil die voest den Hochofen wegen Wartungsarbeiten geschlossen hatte. Um künftig weniger CO2 und ab 2050 noch mehr CO2 auszustoßen, ohne die Stahlproduktion aufzugeben, setzt voestalpine auf Elektrolichtbogenöfen und grünen Wasserstoff. 2027 soll ein Elektrolichtbogenofen in Linz und Donawitz in Betrieb gehen. Dadurch sollen die CO2-Emissionen um 3 bis 4 Millionen Tonnen pro Jahr reduziert werden. Das wären knapp 5 Prozent der österreichischen Gesamtemissionen. Was Wasserstoff anbelangt, ist die voestalpine noch in der Untersuchung, unter anderem in der H2Future-Pilotanlage in Linz, und in Donawitz laufen Tests zur Herstellung von CO2-neutralem Stahl durch die direkte Reduktion von Erzen mit Wasserstoff. Die Innovation aus Österreich wäre nicht neu: Die österreichischen Stahlwerke in Linz und Donawitz haben mit dem LD-Verfahren bereits die globale Stahlindustrie geprägt. Was Wasserstoffstahl anbelangt, liegt Schweden derzeit jedoch an der Spitze. H2 Green Steel will seit 2025 grünen Stahl liefern, unter anderem für BMW und Scania.

Die Treibhausgasemissionen der OMV betrugen im Vorjahr 13,9 Millionen Tonnen

Der halbstaatliche Mineralölkonzern OMV selbst hat im Jahr 2021 13,9 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert, ein Plus von 29,9 Prozent, vor allem durch die Übernahme des Chemiekonzerns Borealis, der selbst hohe CO2-Emissionen verursacht Herstellung von Düngemitteln. Das CO2-intensivste Werk der OMV in Österreich steht in Schwechat nahe dem Flughafen Wien. Rohöl wird hier zu Benzin, Diesel und Kerosin verarbeitet. Allein durch das Recycling entstehen im Jahr 2021 rund 2,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Addiert man die Emissionen, die beim Fliegen, Heizen oder Fahren mit OMV Produkten entstehen, vervielfacht sich der Fußabdruck. In ihrem Nachhaltigkeitsbericht 2021 gibt die OMV an, dass durch die Nutzung ihrer Produkte 130 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre freigesetzt wurden. 2020 waren es 112 Millionen Tonnen. Übrigens wird in der Nachhaltigkeitsberichterstattung zwischen direkten und indirekten Emissionen unterschieden, die in die Bereiche 1 bis 3 eingeteilt werden. Die indirekten Emissionen haben bei der OMV einen besonderen Stellenwert. „Wir sind uns bewusst, dass die meisten unserer Emissionen auf die Nutzung unserer Produkte zurückzuführen sind. Als Öl-, Gas- und Chemieunternehmen tragen wir diesbezüglich eine besondere Verantwortung“, heißt es in einer Erklärung des Unternehmens. Auch die OMV will die Emissionen bis 2050 auf netto null reduzieren. Künftig will die OMV ihr Know-how unter anderem in der Geothermie oder bei der Herstellung von wasserstoffbasierten synthetischen Kraftstoffen einsetzen …