Stand: 01.06.2022 14:52 Uhr
Millionen deutsche Mieter müssen sich auf höhere Wohnkosten einstellen. Die Wohnungsgruppe Vonovia hat signalisiert, dass sie eine deutliche Mieterhöhung für unausweichlich hält. Der Mieterbund reagierte mit scharfer Kritik.
Vielen Mietern in Deutschland stehen schwere Zeiten bevor. Als Deutschlands größtes Immobilienunternehmen hält der DAX-Konzern Vonovia angesichts der hohen Inflation eine deutliche Mieterhöhung für unvermeidlich und hat sich nun mit den Mietern auf entsprechende Schritte verständigt.
„Wenn die Inflation konstant bei vier Prozent liegt, müssen die Mieten künftig jedes Jahr entsprechend steigen“, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch dem Handelsblatt. Anderenfalls würden viele Vermieter in ernsthafte Probleme geraten. „Wir können nicht so tun, als würde die Inflation die Mieten umgehen. Das wird nicht funktionieren“, so Buch weiter.
Scharfe Kritik am Mieterbund
Der Deutsche Mieterbund (DMB) hat die Aussagen von Vonovia zu anstehenden Mieterhöhungen scharf kritisiert. „Dass Mieter für den Einbruch des Vonovia-Aktienkurses und höhere Kapitalmarktzinsen verantwortlich gemacht werden müssen, zeigt, dass die Geschäftsmodelle der eingetragenen Wohnungsunternehmen asozial und spekulativ sind“, sagte DMB-Präsident Lucas Zibenkoten.
Er erinnerte daran, dass Vonovia im Pandemiejahr 2021 rund 1,7 Milliarden Euro Gewinn gemacht und mit 1,66 Euro je Aktie die höchste Dividende der Unternehmensgeschichte gezahlt habe. Die Mieten in den Wohnungen des Konzerns stiegen laut DMB im gleichen Jahr um durchschnittlich 3,8 Prozent, in Berlin lag die Steigerungsrate bei acht Prozent. Für rund 19 Milliarden Euro übernahm Vonovia auch den damals zweitgrößten eingetragenen Immobilienkonzern Deutsche Wohnen.
„Spätestens jetzt ist klar, dass die bunten Aussagen der Vonovia-Spitze bei der Übernahme der Deutsche Wohnen, wonach die Bestandsmieten um nicht mehr als ein Prozent pro Jahr steigen sollen, nichts als ein Verlust sind“, kritisierten sie. Zibenkoten. Politiker und der Dienst des Kartells seien “durch den Nasenring gegangen”. „Am Ende zahlen die Mieter alles, das ist das Geschäftsmodell von Vonovia & Co.“, sagte der Vorsitzende des Mieterbundes.
Die Sprecherin der Gruppe relativierte die Aussagen
Offenbar inmitten dieser Kritik sagte eine Vonovia-Sprecherin, die Äußerungen von Vorstandschef Buch beträfen die wirtschaftliche Entwicklung, keine konkrete Botschaft. „Hier sprechen wir über die wirtschaftlichen Beziehungen auf dem Wohnungsmarkt“, sagte sie. Ein starker Anstieg der Baupreise würde sich beispielsweise besonders auf Neubauten auswirken. Die Neuvermietungen wurden in den Mietspiegel aufgenommen.
„Wir befinden uns in einem stark regulierten Markt und das ist immer noch so“, sagte eine Vonovia-Sprecherin. Für den eigenen Wohnungsbestand in Berlin hält das Unternehmen sein Versprechen ein, dass die Mieten in den nächsten drei Jahren im Schnitt nicht mehr als ein Prozent und dann nicht mehr als Inflation steigen werden.
Die Inflation liegt jetzt bei fast acht Prozent
Nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes ist die Inflation in Deutschland im Mai auf 7,9 Prozent gestiegen. Inflation in dieser Höhe hat es im vereinten Deutschland noch nie gegeben. In den alten Bundesländern erreichte die Inflationsrate zuletzt im Winter 1973/1974 so hohe Werte, damals stiegen die Mineralölpreise infolge der ersten Ölkrise stark an.
Die Durchschnittsmiete von Vonovia stieg in den ersten drei Monaten dieses Jahres auf 7,40 Euro pro Quadratmeter – 3,1 % mehr als ein Jahr zuvor. Der Immobilienkonzern besitzt rund 565.000 Wohnungen, die meisten davon in Deutschland.
Unterschiedliche Schätzungen für eine mögliche Preisblase
Die Bundesbank warnte zuletzt vor Immobilienpreisblasen in Großstädten. Laut Regierung sind Wohnimmobilien um bis zu 40 Prozent überbewertet. Andererseits sieht der Chef von Vonovia Buch angesichts der „normalen Mietwohnungssiedlungen“, die Vonovia im Bestand hat, keine Überhitzungstendenzen auf den städtischen Immobilienmärkten.
„Die Wohnungen in den Städten, die wir anbieten, werden uns aus den Händen gerissen. „Es gibt keine Anzeichen einer Blase“, sagte Buch. Die Nachfragelücke werde sich laut dem CEO erst zeigen, wenn die Menschen nicht mehr in Städten leben wollen. Aber danach sieht es nicht aus.
Vonovia kündigt inflationsbedingt höhere Mieten an
Jan Plate, HR, 1. Juni 2022, 9:26 Uhr
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