Veröffentlicht am 19. Juni 2022, 15:27 Uhr
Ein Lehrer in Saffenville macht sich Sorgen um eine Gruppe von Lehrern, die auf dem Schulgelände ein wöchentliches Lehrergebet einführen wollen. Die Initiatoren dieses Gebets müssen eine kostenlose kirchliche Ausbildung haben.
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Soll das Schulpersonal der Safenwil AG am Mittwoch beten? Über diese Frage ist ein Streit entbrannt. (Symbolfoto)
IMAGO / CHROMORAGE
Eine Gruppe von Lehrern ist darüber besorgt, weil es gegen die „religiöse Neutralität der Schule“ verstoße. (Symbolfoto)
imago images / Peter Endig
Radikale Christen wollen an einer Schule in Safenwil AG regelmässige Lehrergebete einführen, schreibt die «NZZ am Sonntag». Aber Lehrer, die anderer Meinung waren, mussten sich an den Schulaufsichtsrat wenden. Die Lehrerin, die letztes Jahr vor Weihnachten dieses Lehrergebet gesprochen hat, soll mit ihrem Mann eine christliche Bewegung mit radikalen Heilsversprechen anführen. Sie müssen sich selbst als „Jünger Jesu“ verstehen und junge Menschen privat zu missionarischen Aktivisten ausbilden.
Gebet ist ein Angebot, wie Gymnastik oder Feierabendbier
Der Schulleiter, der selbst in einer Freikirche tätig war, muss die Idee des Lehrergebets unterstützen. Er bezeichnete es gegenüber der NZZ am Sonntag als einen der verschiedenen Vorschläge zur Stärkung von Lehrern – «wie Gymnastik beim Mittagessen oder gemeinsames Feierabendbier». Die Bezirksschulbehörde entschied außerdem, dass Schulräume während der unterrichtsfreien Zeit von Schulpersonal privat zum Gebet genutzt werden könnten.
Jeden Mittwoch vor dem Unterricht ist ein Gebet im Musikraum der Schule in Saffenville geplant. Dies verärgerte die Lehrer, die die Schulaufsicht verständigten. In einem Brief an den Gemeinderat an Bürgermeister Daniel Zünd (SVP) monierten sie: «Die religiöse Neutralität der Schule» solle solche Gebete im Primarschulgebäude verbieten.
Der ebenfalls von Zund geleitete Bezirksschulrat hat entschieden, dass die Schulräume «in der schulfreien Zeit auch privat vom Schulpersonal zum Gebet genutzt werden können», so die NZZaS weiter. Der Vorfall wurde daraufhin der Schulaufsichtsbehörde gemeldet.
Treue Lehrer sind in der Schweiz keine Seltenheit
Gemäss NZZaS sind Religionslehrer in der Schweiz keine Seltenheit. Lediglich an der Pädagogischen Hochschule (PH) ist der Anteil groß: „Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2011 haben rund 15 Prozent der angehenden Lehrerinnen und Lehrer „absolutes Vertrauen in den Glauben“. Sie stammen oft entweder aus evangelikalen Familien oder sind durch evangelikale Bewegungen zum Glauben gekommen.
Die Zeitung zitiert eine Quelle der PH Bern mit den Worten, Gläubige seien heute weniger «kommunikativ und engagiert». „Die Lage scheint sich beruhigt zu haben“, aber das heißt nicht, dass ihr Anteil gesunken ist.
Das Lehrergebet in der Schule sei zwar heikel, könne aber nicht eindeutig zurückgewiesen werden, so ein Experte für öffentliches Recht. Ob Klassenräume für das Lehrergebet genutzt werden können, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Nämlich, ob das öffentliche Interesse an der religiösen Neutralität der Schule und deren Ansehen oder die Loyalität des Lehrpersonals betroffen sind. Am 24. Juni treffen sich die Lehrkräfte mit dem Direktor zu einer Mediationssitzung.
(System)
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