Die Stadt Wien nimmt sich unkonventioneller Wege an. Städtischer Koordinator für Psychiatrie, Sucht und Drogen Ewald Lochner nutzte seine Teilnahme am größten europäischen Kongress für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Magdeburg, um Wien als attraktiven Arbeitsort und Arbeitgeber für Kinder- und Jugendpsychiater und Interessenvertreter zu präsentieren und Interessenten zu gewinnen.
„Derzeit herrscht im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie ein besorgniserregender Mangel. Wir müssen alles tun, um die psychosoziale Versorgung unserer Kinder und Jugendlichen nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern auch weiter zu verbessern. Deshalb gehen wir über Stadt- und Landesgrenzen hinaus“, sagte Lochner.
Appell an lokale Ärzte
Der Druck in der Kinder- und Jugendpsychiatrie hat seit Ausbruch der Corona-Pandemie zugenommen. Alle Studien kommen laut Lochner zu dem Ergebnis, dass junge Menschen besonders gelitten haben und leiden. Angststörungen und depressive Symptome haben deutlich zugenommen. Um dem Druck entgegenzuwirken und zum Wohle der Kinder und Jugendlichen seien schon jetzt nicht-traditionelle Maßnahmen nötig, die zu einer schnellen Linderung des Personalmangels führten, betonte er.
„Ich appelliere an die Solidarität der niedergelassenen Ärzte, die Leistungen im Krankenhaus zur Sicherung der Firmenfahrräder zu übernehmen. Wer den hippokratischen Eid ernst nimmt, muss dem Aufruf Folge leisten. Schon ein bis zwei Services im Monat würden die Situation deutlich entlasten.“
Die Ärztekammer selbst hat kürzlich vor der Gefahr einer Verbrauchsmaterialknappheit gewarnt und kann hier helfen, den Herausforderungen schnell und unkompliziert zu begegnen. „Gleichzeitig möchte ich mich bei allen bedanken, die sich dieser Aufgabe bereits angenommen haben und damit für die Aufrechterhaltung der Versorgung sorgen“, sagte Lochner.
Der Servicepool verhindert vorerst eine Sperrung in Hietzing
Zur Verbesserung der aktuellen Situation wurden in den letzten Monaten vom Gesundheitsbund Wien, der Medizinischen Universität Wien (MedUni) und den Psychosozialen Diensten (PSD) mehrere Maßnahmen ergriffen, um die aktuelle Situation zu verbessern. Unter anderem gibt es seit Januar einen Leistungspool mit Allgemeinmedizinern, die von der OPD, den niedergelassenen Landes-/Privatärzten und der MedUni gespeist werden. Aufgrund dieses Pools wird die bevorstehende Schließung des Bahnhofs Hietzing derzeit nicht diskutiert. Die Listen für den Sommer seien fixiert, damit die Aktivität während der Sommermonate aufrechterhalten werden könne, heißt es in der Ankündigung.
Ausweitung der Heimbehandlung
Ein weiterer Schritt ist das Home-Treatment-Projekt, bei dem die Betreuung im gewohnten Wohnumfeld ausgebaut wird, um das Krankenhaus zu entlasten. Auch in Magdeburg ist die Nachfrage nach Personal gestiegen.
Dies waren jedoch nur erste Maßnahmen. Denn Lochner machte auch deutlich, dass bestimmte Herausforderungen nicht von Tag zu Tag gelöst werden können. Denn die Wurzeln sind sehr unterschiedlich. „Die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Österreich ist ein sehr junges Fach, was dazu führt, dass es nur wenige Fachärzte gibt, die wiederum nur wenige Ärzte ausbilden können. Die kürzlich vom Gesundheitsminister initiierten und seit langem geforderten Weiterbildungsschlüsselverbesserungen sind gut, werden aber natürlich erst in Zukunft greifen.
Für den Kongress in Magdeburg zog Lochner ein positives Resümee: „Wir haben hier sehr interessante Gespräche geführt und spannende Beiträge bekommen, sowohl auf fachlicher Ebene als auch bei den Gesprächen über neue Mitarbeiter. Mit vier potenziellen Kandidaten fanden in den vergangenen Tagen Gespräche statt. Natürlich funktioniert so etwas nicht von einem Moment auf den anderen, aber wir können mit einem positiven Gefühl unsere Heimreise antreten. Auch, weil man sieht, dass im gesamten deutschsprachigen Raum ein großes Interesse am Arbeitsort Wien besteht.“
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