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Klima schützen und Geld sparen: Wäsche bei niedrigeren Temperaturen waschen hilft

Die Deutschen waschen ihre Wäsche relativ heiß. Laut einer aktuellen Studie des Cooperation Centre for Sustainable Consumption and Production (CSCP) in Wuppertal liegt die durchschnittliche Wäschetemperatur in Deutschland bei 43,18 Grad. Das sind mehrere Grade mehr als in anderen europäischen Ländern oder in den USA und China. Laut Marktforschung werden nur 34,6 Prozent der jährlich elf Milliarden Wäscheladungen in Deutschland bei 30 Grad oder kälter gewaschen. Zum Vergleich: Der Durchschnitt in Europa liegt bei 42,8 %, in den USA bei 56 % und in China sogar bei 92 %.

Die Umweltorganisation WWF und der Ariel-Hersteller Procter&Gamble (P&G) setzen sich jetzt dafür ein, dass Haushalte in Deutschland kälter waschen. #Wirhirnuntern heißt die entsprechende Kampagne, die gerade gestartet ist. „Ziel ist es, die durchschnittliche Waschtemperatur um ein Grad pro Jahr zu senken“, sagt Christoph Heinrich, Leiter Naturschutz beim WWF Deutschland. Denn Kaltwaschen ist ein einfacher und zugleich effektiver Beitrag zum Klima.

Einfach wird es aber nicht, sagt Astrid Techkentrup, Deutschland-Chefin von Procter&Gamble. „Wie immer, wenn tief eingefahrene Gewohnheiten geändert werden müssen.“ Zumal die Verbraucher hierzulande seit Generationen gelernt haben: Feinwäsche bei 30 Grad, Handtücher bei 60 Grad und gekochte Wäsche bei 90 Grad.

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Doch was früher üblich war, gilt heute oft als überholt – denn sowohl Waschmaschinen als auch Waschmittel haben sich in ihren Rezepturen verbessert. Teckentrup weiß, dass viele Verbraucher das Waschen bei 90 Grad längst aufgegeben haben. Noch weit verbreitet ist das Waschen bei 60 Grad. “Es sollte nicht mehr sein.”

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Auf jeden Fall verspricht P&G die gleiche Leistung bei niedrigeren Temperaturen für die Marke Ariel, die mit einem Marktanteil von 18,4 % die Nummer zwei auf dem heimischen Waschmittelmarkt ist. Grund dafür ist laut Teckentrup die sogenannte CoolClean-Technologie mit Kältewirkstoffen – in diesem Fall das neu entdeckte und patentierte Purezyme-Enzym.

„Purezyme wirkt als Katalysator, um die klebrige Schmutzschicht in der Wäsche abzubauen, sie von den Stofffasern zu lösen und den Reinigungsprozess zu beschleunigen.“ Der neue Inhaltsstoff gehört zur Klasse der Phosphodiesterase-Enzyme und wurde aus anfänglichen Forschungen in Newcastle entwickelt University von P&G und Novozymes, dem weltweit führenden Anbieter von Enzymen, im endgültigen Molekül.

70 Prozent der Emissionen werden von Verbrauchern verursacht

P&G erhält Brief und Stempel vom WWF. Umweltschützer haben den neuen Wirkstoff getestet und unterstützen nun als Kampagnenpartner das Reduktionsziel. „Unternehmen spielen eine entscheidende Rolle bei der Begrenzung der katastrophalen Folgen der Klimakrise“, sagt WWF-Geschäftsführer Heinrich. Deshalb ist es gut, dass P&G jetzt die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet. Zumal der größte Teil des CO₂-Fußabdrucks von Wäsche nicht auf die Herstellung, Verpackung und den Transport des Waschmittels entfällt, wie Heinrich vorrechnet, sondern auf den Waschgang in der Maschine, vor allem auf die Erwärmung des Wassers.

Das bestätigt auch das Umweltbundesamt. Ein Waschgang bei 30 statt 40 Grad reduziert beispielsweise den CO₂-Ausstoß nach Berechnungen von WWF und Ariel um bis zu 35 Prozent. Bei einem Sprung von 60 auf 30 Grad beträgt das Einsparpotenzial sogar bis zu 60 Prozent. „Wer sie reduziert, kann den CO₂-Ausstoß reduzieren und gleichzeitig Strom und Geld sparen“, sagt Umweltschützer Heinrich.

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Die dreijährige Kampagne von WWF und P&G wird nun vom CSCP wissenschaftlich begleitet. Während dieser Zeit beobachtete das Institut eine Fokusgruppe von etwa 1.000 Haushalten, die ihre Wäsche dann bei niedrigeren Temperaturen wuschen.

Die Ergebnisse der Studie sollen dann helfen, das Potenzial realistisch einzuschätzen und auf andere Initiativen im WWF-Netzwerk zu übertragen, sagt Verbandschef Heinrich, P&G solle Geld für den verwendeten WWF-Stempel zahlen. „Gleichzeitig erhoffen wir uns von der Aktion ein Signal an andere Waschmittelhersteller.“ Auch andere Unternehmen kennen das Problem.

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Zumal das Engagement der Hersteller für niedrigere Waschtemperaturen eng mit ihren eigenen Nachhaltigkeitsplänen verknüpft ist. Langfristige Ziele sind insbesondere der Ressourcenverbrauch entlang der Wertschöpfungskette – bis hin zum Einsatz in der Waschmaschine. Auch für Unternehmen ist es wichtig, ihre Ziele zu erreichen, weil sie nachhaltig orientierte Börsenmakler überzeugen wollen – insbesondere Fonds, die nach Nachhaltigkeitskriterien investieren.

So warb Unilever gegenüber dem Kapitalmarkt damit, dass der S&P Dow Jones Sustainability Index das Unternehmen als Nachhaltigkeitsführer in seiner Branche bezeichnet hat. Der Persil-Hersteller Henkel seinerseits begibt 2021 erstmals Green Bonds im Volumen von 700 Millionen Euro, deren Verzinsung von der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen abhängt.

Die Lebenszyklusanalyse von Waschmitteln zeigt, dass 60 bis 70 Prozent der CO₂-Emissionen von den Anwendern verursacht werden. Wollen Hersteller also ihre Ziele in diesem Geschäftsfeld langfristig klimaneutral angehen, müssen sie glaubwürdig nachweisen, dass ihre Kunden tatsächlich kälter waschen. Deshalb führen sie entsprechende Kampagnen durch – teils in Eigenregie oder organisiert vom internationalen Branchenverband AISE unter dem Label „Cleanright“. Unter anderem erhielt die Waschmittelsparte von Henkel für ihre 20-Grad-Aktion den Umweltpreis der Stadt Wien.

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Der Korallenhersteller Unilever entfernt sich jedoch von dem Ansatz, die Verbraucher zu ermutigen, kälter zu waschen, da die Ergebnisse der Aufklärungsarbeit enttäuschend waren. „Die Dekarbonisierung der Stromversorgung bringt schnellere Ergebnisse als der Versuch, das Verbraucherverhalten zu ändern.

Das ist eine wichtige Lehre aus den vergangenen zehn Jahren mit unserem Nachhaltigkeitsprogramm“, schreibt die Gruppe in ihrem aktuellen Plan über ihre Kaltwetterkampagnen. Diese sieht vor, bis 2039 über den Lebenszyklus der Produkte klimaneutral zu werden – und das wird beim Waschen auch bei hohen Temperaturen erreicht, wenn der Strom selbst klimaneutral ist.

Deshalb werde sich Unilever stärker für den Umstieg auf erneuerbare Energien einsetzen, hieß es in der Zeitung. Im Gegenzug werden Benutzerprogramme auf Bereiche beschränkt, in denen sie mehr Ergebnisse versprechen. Als Beispiele nannte Unilever die Themen Lebensmittelverschwendung und vegetarische Ernährung.

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