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Krieg in der Ukraine – Russen bombardierten ein Kinderkrankenhaus – Ärzte machen weiter – Nachrichten

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Das Kinderkrankenhaus in Charkiw wurde von russischer Streumunition getroffen. Ihr Ziel: Töten Sie so viele Menschen wie möglich.

Oleksii Savvo ist ein Mann mit traurigen Augen. Und was er sagt, ist auch traurig. Doch der Arzt im blauen Arztkittel erzählt es nüchtern wie ein Chronist:

Am 24. Februar beginnt der Krieg. Wir mussten alle arbeiten, als wir Explosionen hörten. Damals waren etwa 300 Kinder bei uns. Wir haben versucht, so viele wie möglich nach Hause zu schicken – und diejenigen, die nicht nach Hause konnten, haben wir in den Keller gebracht. Dort ist es sicherer.

Hauptsache vorne bleiben

Savvo ist stellvertretender Chefarzt des Kinderkrankenhauses in Charkiw. Das Krankenhaus liegt in einem idyllischen Park am nordöstlichen Stadtrand. Am zweiten Kriegstag schlugen die ersten Granaten ein. „Etwa hundert Fenster waren zerbrochen. Wir fanden 23 Krater und viele kleine Splitter an der Fundstelle, alle gleich groß. Experten sprechen von Streumunition.’

Legende: Der Kreml befindet sich seit mehr als fünf Monaten im Krieg mit der Ukraine. Und die russischen Truppen gehen äußerst rücksichtslos vor, wie das Beispiel aus der Stadt Charkiw zeigt. Dort wurde ein Kinderkrankenhaus durch Bomben schwer beschädigt. SRF/David Nauer

Streumunition soll möglichst viele Menschen töten. Wie durch ein Wunder wurde im Kinderkrankenhaus in Charkiw niemand verletzt. Kleine Patienten werden so schnell wie möglich in andere Krankenhäuser und andere Städte evakuiert – das Wichtigste ist, weg von der Front.

Doktor Savo steht jetzt im hinteren Teil des Krankenhauses neben einem Krater. Hier wurde eine russische Uragan-Rakete getroffen. Savo weist auf die verheerenden Schäden am Gebäude hin: Alle Fenster sind zerbrochen, Teile der Fassade sind eingestürzt. Besonders hart traf es die Krankenhauskantine: ein Schauplatz der Verwüstung.

“Spielt es eine Rolle, ob es Absicht war?”

Das Krankenhausgelände war immer unter ukrainischer Kontrolle und die Russen konnten es nicht erobern. Was denkt Savo, wurde das Krankenhaus absichtlich erschossen? „Ich bin nicht beim Militär, ich weiß es nicht. Und spielt es überhaupt eine Rolle? Fakt ist: Hier wurde das Kinderkrankenhaus angegriffen.”

Oleksii Savvo, der Arzt, ist Wissenschaftler. Er interessiert sich für Fakten, nicht für Vermutungen. Nun führt der Chefarzt ins Innere des Gebäudes. Denn trotz aller Zerstörungen arbeitet die Klinik weiter – nur im Hintergrund, nur in den unteren Stockwerken.

Legende: Doktor Savo verspricht: Das Kinderkrankenhaus wird nach dem Krieg wieder aufgebaut. Wann das sein wird, weiß derzeit niemand. SRF/David Nauer

Kleine Patienten werden meist ambulant behandelt – hinter verbarrikadierten Fenstern. Denn: Beschuss ist jederzeit möglich. Die ukrainische Armee hat die Russen aus der Stadt vertrieben, doch die Front ist nur wenige Kilometer entfernt. Immer wieder hören Ärzte und Patienten in der Ferne Artilleriefeuer.

Sonderfälle werden sogar stationär in der Klinik aufgenommen. Im Korridor der Frühgeborenenstation liegen mehrere kleine Kinder, sie sehen aus wie kleine Puppen. Hier ist es sicherer, falls eine weitere Granate von außen einschlägt.

Eine vom Krieg zerrüttete Metropole

Die mobileren bettlägerigen Patienten übernachten sogar im Keller – dort haben Savvo und sein Team ein provisorisches Notlager eingerichtet, in dem sich auch das Personal befindet.

Die Stadt Charkiw war stark vom Krieg betroffen. Nicht nur das Kinderkrankenhaus wurde zerstört, sondern auch viele Wohngebäude. Demnach sind viele Menschen geflüchtet, sogar die Hälfte der Einwohner ist derzeit nicht in der Stadt. Meistens sind Frauen und Kinder weg.

Aber Doktor Savo denkt schon an die Zeit nach dem Krieg: „Wir werden das Krankenhaus wieder reparieren. Und wenn der Beschuss aufhört, werden die Kinder zurückkehren und die Dinge werden hier wieder normal.”