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Kritik an der Türkei: „Wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen sollten erwogen werden“

Deutschland kritisiert die Türkei

„Wir müssen über wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen gegen die Türkei nachdenken“

Stand: 00:00 | Lesezeit: 4 Minuten

Der türkische Präsident Erdogan, der russische Präsident Putin, der chinesische Präsident Xi

Quelle: picture alliance/AA; Sergej Bobilew/Picture Alliance/dpa/TASS; Montage: Infografik WELT

Präsident Erdogan will das Nato-Mitglied Türkei in das Staatsbündnis SCO um China und Russland führen – ein Gegengewicht zu westlichen Bündnissen. Die Ampelkoalition fordert harte Konsequenzen für die Türkei. Die Gewerkschaft wirft Bundeskanzler Scholz Untätigkeit vor.

Die neue Initiative des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat in der Ampelkoalition für heftige Irritationen gesorgt. Erdogan sagte am Wochenende, die Türkei strebe eine Mitgliedschaft in der wirtschafts- und sicherheitspolitischen Allianz SCO um China und Russland an.

Diese beiden Länder gaben erst am Freitag bekannt, dass sie ihre Zusammenarbeit mit anderen Ländern in der Shanghai Cooperation Organization (SCO) ausbauen wollen. Damit soll ein Gegengewicht zu den westlichen Allianzen geschaffen werden.

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Erdogan sagte am Samstag nach dem SCO-Gipfel in Usbekistan laut dem türkischen Sender ntv, das Ziel seines Landes sei die Mitgliedschaft in der Organisation. Das Nato-Mitglied Türkei ist bereits so genannter Dialogpartner der SCO. Zur Gruppe gehören neben China und Russland auch Indien, Pakistan, Iran, Kirgistan, Tadschikistan, Kasachstan und Usbekistan.

Tritin: „Es ist Zeit für eine stabilere Türkei-Politik“

Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin war wütend und forderte eine eindeutige Antwort von Nato und EU: „Nato und Europäische Union müssen sich fragen, wie lange sie Erdogan noch auf der Nase tanzen lassen“, sagte Trittin gegenüber WELT. „Die Türkei hindert die NATO daran, das UN-Waffenembargo gegen Libyen zu überwachen. Gebohrt wird in der Wirtschaftszone Griechenlands. Das NATO-Mitglied Türkei unternimmt mehr, um die europäischen Sanktionen gegen Russland zu umgehen als China. Erdogan stoppt den NATO-Beitritt Finnlands und Schwedens. Und nun will er gemeinsam mit dem Iran der SCO beitreten.

Nato und EU sollten vor diesen Tatsachen nicht naiv die Augen verschließen – “es ist Zeit für eine stabilere Türkeipolitik”, forderte der grüne Politiker. Da niemand aus der Nato ausgeschlossen werden kann, sollten wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen gegen die Türkei erwogen werden.

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Nils Schmidt, außenpolitischer Sprecher der GSVP-Bundestagsfraktion, sieht in Erdogans Plan einen schweren Fehler und einen erneuten Versuch, von innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken. “Außenpolitisch wäre es ein weiterer symbolischer Schritt weg vom Westen und seinen Werten – ein schwerer politischer Fehler für die Zukunft der Türkei.”

Lambsdorff: Der Schritt sollte nicht überbewertet werden

Zurückhaltender zeigte sich der stellvertretende Vorsitzende der SDP-Bundestagsfraktion, Alexander Graf Lambsdorff. Die SCO ist ein loser Zusammenschluss vieler verschiedener Länder mit ebenso unterschiedlichen Interessen. Das demokratische Indien ist ebenso Mitglied wie die Diktaturen Chinas und Russlands. „Die Türkei will mit ihrer Annäherung den USA und der EU signalisieren, dass sie Nato-Mitglied ist, versucht aber auch anderswo ihren Einfluss zu vergrößern“, sagte Lambsdorff. „Gerade weil die SCO einen extrem niedrigen Integrationsgrad aufweist, sollte dieser Schritt nicht überschätzt werden.

Doch auch die Opposition in Deutschland sieht Erdogans Schritt als Folge des Versagens von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD): Der Vorsitzende der Unionsfraktion, Johan Wadeful (CDU), sagte, die Türkei unter Erdogan habe in den vergangenen Jahren immer wieder Schritte unternommen, die nachgeben Zweifel aufkommen lassen, ob das Land die Nato-Mitgliedschaft ernst meint. „Der Flirt mit dem SCO geht noch einen Schritt weiter. Die Organisation hat eindeutig andere Werte und Vorstellungen als die NATO und richtet sich daher gegen uns.

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Türkisch-griechische Grenze

Mit einem solchen Schritt würde Erdogan nicht im Interesse seines eigenen Volkes handeln. „Ihm muss ganz klar gesagt werden, dass eine Kursabweichung nicht möglich und nicht mit den Grundwerten der Nato vereinbar ist. Einmal mehr zeigt sich, wie problematisch es ist, dass Bundeskanzler Scholz noch keinen guten und verlässlichen Kontakt zu Erdogan aufgebaut hat.

AfD verteidigt Erdogan

Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Dietmar Barch, nannte es „absurd, wenn das NATO-Mitglied Türkei die selbsternannte „NATO-Werteunion“ so darstellt.

AfD-Chef Tino Cupala verteidigte Erdogan: „Während des Krieges in der Ukraine hat die Türkei deutlich erkannt, dass es in einer multipolaren Welt mehrere politische Optionen braucht. Vor allem die grünen Bundesminister in der Ampelregierung haben solche Möglichkeiten für unser Land abgeschnitten und die einseitige Abhängigkeit vom Westen bleibt.“ Die Türkei bleibt ein strategisch wichtiger Partner für Deutschland und Europa.

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