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Kubicki bei Maischberger: „Vielen ist der Aufstieg der FDP unbekannt“

Nach dem Austritt der FDP aus dem niedersächsischen Landtag forderte FDP-Vizechef Kubicki eine Rückkehr zum alten „Geist“ der Ampelkoalition. Die Leistungen der FDP müssten deutlicher herausgestellt werden, sagt er in der ARD-Talkshow „Maischberger“.

Lange Gesichter bei der FDP am Sonntag nach der Landtagswahl in Niedersachsen: Mit 4,7 Prozent der Stimmen sind die Liberalen nicht mehr im Landtag in Hannover vertreten. Nun hat FDP-Vizevorsitzender Wolfgang Kubicki seine Partei kritisiert. „Ein Großteil der Wähler ist mit dem Auftritt der Koalition und der FDP nicht vertraut“, analysierte Kubicki in der ARD-Talkshow „Maischberger“. „Wir müssen den Wählern deutlich machen, dass wir maßgeblich zum Erfolg der Koalitionsbeschlüsse beigetragen haben“, betont er. In Deutschland etwa hätte es ein ganz anderes Infektionsschutzgesetz gegeben, wenn die FDP nicht in der Regierungskoalition vertreten gewesen wäre. Kubicki sprach sich sehr klar gegen die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht aus.

Niemand denkt an das Scheitern der Koalition. Deutschland habe “Probleme in einem Ausmaß, wie wir es noch nie zuvor gekannt haben. Wir denken ständig daran, sie zu lösen.” Aber es müsse die Wähler erreichen, fordert Kubicki. Stattdessen wird in den Medien ständig suggeriert, welche Probleme die Grünen haben werden, wenn sie sich über ihren eigenen Schatten erheben müssen. „Als wir anfingen, hatten wir einen gemeinsamen Geist. Jetzt verstehen wir, dass er nicht mehr existiert. Entweder wir gehen dorthin zurück oder wir finden, dass jeder in der Koalition sein eigenes Ding macht. Aber dann gibt es keinen gemeinsamen Geist mehr für Projekte, die man als Erfolg verkaufen kann“, sagt Kubicki.

“Das Problem mit dem Atomkraftwerk wird nächste Woche gelöst”

Noch ist unklar, wie lange die noch am Netz befindlichen Kernkraftwerke noch in Betrieb sein werden. Kubicki pocht darauf, dass alle drei Atomkraftwerke am Netz bleiben, am besten bis Mitte 2024. Entscheidend ist für ihn nicht das Datum, sondern ob sie zur Aufrechterhaltung des Stromnetzes benötigt werden. Das Thema muss das Parlament in der Bundestagssitzung nächste Woche klären. „Es geht nicht um das Wohl der Grünen“, sagt Kubicki, „es geht um das Wohl der Menschen. Wir dürfen nicht das Risiko eingehen, in einer dunklen Phase des Niedergangs nicht genug Strom zu haben – mit der Folge, dass nicht nur Industriebetriebe geschlossen werden müssen, sondern auch Privathaushalte kein Licht haben und frieren.“

Aber es geht auch um Preisstabilität: Gaskraftwerke müssen zwar zur Stromerzeugung eingesetzt werden, sind aber teuer. Das regelt den Strommarkt: Dort richtet sich der Preis nach den teuersten Anlagen, das sind Gasanlagen. Werden sie abgeschaltet, werde der Strom automatisch billiger, sagt Kubicki.

Kubicki gegen die Eröffnung von Nord Stream 2.

Nach dem Vorschlag des russischen Präsidenten Putin, Gas durch eine unbeschädigte Pipeline der baltischen Gaspipeline Nord Stream 2 zu leiten, hat sich Kubicki gegen eine Öffnung ausgesprochen. Russisches Gas wird nicht benötigt, Deutschlands Speicher sind voll. Außerdem erhält Deutschland ab Januar LNG-Gas aus den USA. Das würde auch in Deutschland passieren, ergänzt Kubicki. Zu Sanktionen gegen Russland sagt der FDP-Politiker: “Wenn wir mit Sanktionen so weit gegangen sind, sollten wir sie nicht rückgängig machen.”

Gleichzeitig besteht Kubicki darauf, die Lieferungen schwerer Waffen an die Ukraine fortzusetzen. Anders als seine Parteikollegin Marie-Agnes Strack-Zimmerman hält er die Lieferung von Kampfpanzern jedoch nur für sinnvoll, wenn andere Nato-Staaten in die gleiche Richtung gehen.

Letztlich will der Moderator herausfinden, ob die Ampelkoalition wirklich bis 2025 hält. Kubicki ist sich absolut sicher: In der aktuellen Krise ist ein Scheitern der Koalition undenkbar. Sie saßen am Montag nur bis Mitternacht zusammen und die Atmosphäre war sehr herzlich. “Vertrauen Sie darauf, dass wir die Probleme dieses Landes lösen werden”, verspricht Kubicki.