„Ich denke, das Timing ist wirklich schlecht. Folgt man den Empfehlungen des Europabüros der WHO, sollte die Quarantäne während der Sommerwelle aufrechterhalten werden, auch in Vorbereitung auf eine kommende Herbstwelle“, sagte Ludwig vor dem Treffen im Bundeskanzleramt gegenüber Vienna Today.
Am Montag wurden keine Entscheidungen getroffen, und die Bundesregierung wird voraussichtlich bei einer Kabinettssitzung im Sommer am Mittwoch eine Lockerung oder ein Ende der Sperrung ankündigen. Entsprechende Überlegungen haben in den SPÖ-regierten Bundesländern Wien, Kärnten und Burgenland bereits vor der Sitzung am Montag für Ärger gesorgt. Ludwig war „gespannt“, was uns die Bundesregierung präsentieren würde. Zu diesem Verordnungsentwurf gab es mit mir keine Gespräche.“
„Klare Stimmen“ für das Ende der Quarantäne
Ludwig war neben Vorarlbergs Landeshauptfrau Barbara Schöby-Fink (ÖVP) der einzige persönliche Vertreter der Länder im Bundeskanzleramt. Die anderen Landeshauptleute waren per Videoschalte dabei.
Schoeby-Fink sagte nach dem Aufruf, es gebe “klare Stimmen” für ein Ende der Quarantäne. Vorarlberg ist auch dafür. „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben.“ Sie würde die Quarantäne nicht für unverantwortlich halten. Trotz der verschärften Maßnahmen schneide die Stadt Wien laut Landeshauptmann nicht besser ab als Vorarlberg.
Florian Petautschnig (ORF) mit Analyse
Florian Petautschnig von der Wissenschaftsredaktion des ORF über die Auswirkungen einer möglichen Entscheidung zur Beendigung der CoV-Quarantäne.
Der Entwurf sieht Einschränkungen vor
Vor wenigen Tagen wurde ein Verordnungsentwurf bekannt, wonach für mit dem Coronavirus Infizierte künftig nur noch Bewegungsbeschränkungen gelten sollen. Wer sich mit einer Maske angesteckt hat, kann sich demnach fast überall frei bewegen. Betretungsverbote bestehen nur an bestimmten Orten (Krankenhäuser, Pflege- und Behinderteneinrichtungen, Kindergärten, Grundschulen und Horte), jedoch nicht für dort Beschäftigte. Mehr als 100.000 Menschen werden vom Ende der Quarantäne betroffen sein.
Die Zahl der Neuinfektionen liegt derzeit bei bis zu 15.000 pro Tag. Derzeit sind etwa 1.500 Krankenhausbetten mit COVID-Infizierten belegt. Eine Überlastung des Gesundheitssystems ist laut einer Regierungssendung nicht zu erwarten.
Auf dem Ländergipfel wurden nach Angaben der Regierung auch Verbesserungen bei der Arzneimittelverteilung und die Bereitstellung von Daten für das COVID-19-Register diskutiert. Das Register ist seit Mai in Betrieb, aber nur ein Teil der Bundesländer meldet derzeit regelmäßig seine Daten. Wien hat angeblich noch keine Daten geliefert. Die Bundesregierung habe die Landeshauptleute ermahnt, die Daten vollständig zu erfassen, um künftig eine noch bessere Grundlage für den Schutz von Risikogruppen zu haben, hieß es.
Verbesserung der Arzneimittelverteilung
Auch mögliche Verbesserungen bei der Verteilung von Medikamenten gegen COVID-19 wurden diskutiert. Sie reduzieren das Risiko eines schweren Verlaufs deutlich, wenn sie nach Feststellung einer Corona-Infektion schnell angewendet werden. Derzeit wurden nur etwa fünf Prozent der 480.000 Packungen an Risikopatienten abgegeben, die meisten davon in Krankenhäusern. Die Bundesländer verfolgen unterschiedliche Strategien zur Information der Patienten. Die Österreichische Ärztekammer hat bereits eine intensive Information der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte zugesagt.
„Gerade bei COVID-19 ist eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern unerlässlich. Das gilt für Impfungen ebenso wie für die Verteilung von Medikamenten“, sagte Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) nach der Sitzung. Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) betonte, dass es der Unterstützung von Ärzten vor Ort bedarf, um sich endlich auszubreiten. „Wir haben viele Gespräche darüber geführt. Das COVID-19-Register wird uns helfen, noch besser als bisher objektive Entscheidungen zu treffen.“
Add Comment