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Lüften ist teuer: Minergie-Haushalte sind Energiefresser

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Einfamilienhaus in Nesslau SG, gebaut im Minergie-Standard.

Minergie-Haushalte sind die Pioniere des nachhaltigen Wohnens. Seit seiner Einführung vor 21 Jahren wurden 62,6 Milliarden Kilowattstunden Energie eingespart.

Der Haken: Die Lüftungsanlage der Minergie-Gebäude läuft mit Strom. Und ab dem nächsten Jahr wird es deutlich teurer. Was bedeutet das für Eigenheimbesitzer und Mieter, die vom Minergie-Standard profitieren?

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800.000 Menschen in Minergie-Häusern

„Steigende Strompreise treffen natürlich auch Minergie-Hausbesitzer“, sagt Stefan Aeski (50), Experte für Gebäude- und Energietechnik von der HEV-Eigentümergemeinschaft. Wie stark, hängt von der Größe des Gebäudes und dem persönlichen Verhalten ab.

Rund 800’000 Menschen leben in einem Minergiehaus in der Schweiz. Knapp die Hälfte der Minergie-zertifizierten Gebäude sind Mehrfamilienhäuser und 25 Prozent Einfamilienhäuser.

Die Minergie-Lüftung für ein Einfamilienhaus mit 120 Quadratmeter Wohnfläche benötigt zwischen 4.500 und 5.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das ist deutlich mehr als beispielsweise ein Kühlschrank, der etwa 330 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht.

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Die Ausgaben der Haushalte steigen

Im Durchschnitt steigen die Stromkosten schweizweit um 30 Prozent im Jahr 2023. Strom für die Minergie-Lüftung in einem Einfamilienhaus kostet rund 1000 Franken pro Jahr. 2023 dürfte die Rechnung auf 1300 Franken steigen.

Das bedeutet aber nicht, dass Minergie-Häuser mehr Energie verbrauchen als andere. „Minergie-zertifizierte Gebäude sind unter anderem besser gedämmt als durchschnittliche Gebäude“, erklärt Sabine von Stokar (44), Mitglied der Minergie-Geschäftsleitung. Auf diese Weise können die Heizkosten niedriger sein als in alten Häusern mit schlechter Isolierung.

Minergie-zertifizierte Gebäude produzieren einen Teil der benötigten Energie auch selbst durch Photovoltaikanlagen. Sie enthalten keine fossilen Brennstoffe und sind daher nicht von steigenden Gas- und Ölpreisen betroffen.

Kann die Lüftung abgestellt werden?

Die Lüftung von Minergie-Häusern sorgt für einen gleichmäßigen Luftaustausch. Optimale Luftqualität wird nicht nur durch saubere Luft erreicht, sondern auch durch die Entfernung von überschüssiger Feuchtigkeit, Gerüchen, Schadstoffen und CO2.

Können Betroffene diese Lüftung abstellen, um Stromkosten zu sparen? Experten raten davon ab. „Lüftung abstellen bedeutet nicht zwangsläufig Energiesparen“, sagt von Stochkar. „Wenn man nicht mehr durch die Lüftungsöffnungen, sondern durch die Fenster lüftet, geht viel Wärme verloren und man muss entsprechend heizen.“

Haushalte können sich jedoch dafür entscheiden, die Luft nicht so oft zu wechseln. „Durch die Einstellung des Lüftungsmoduls auf einen niedrigeren Luftstrom wird innerhalb der sehr engen Gebäudehülle in Minergie-Gebäuden trotzdem ein minimaler Luftstrom gewährleistet“, sagt Aeschi von HEV. Das sparte Stromkosten.

Mieter können die Lüftung regulieren

Gleiches gilt für Minergie-Wohnungsmieter: «Man kann die Lüftung stufenweise regulieren», erklärt Wincasa-Sprecher Janos Kik. Sie können sie jedoch nicht vollständig deaktivieren.

Wie stark die Mehrkosten für Minergie-Mieter durch steigende Stromkosten steigen würden, wollte Wincasa nicht beziffern. „Das ist sehr individuell und hängt vom Verhalten des Nutzers ab“, sagt Kick.

Wer seine Minergie-Lüftung schließt, muss allerdings darauf achten, dass die Luftqualität gut bleibt. Besonders schwierig ist dies bei Minergie-Gebäuden, bei denen sich die Fenster nicht öffnen lassen. Das Problem: Hier müssen die Luftfeuchtigkeit und die Sauerstoffzufuhr durch die Lüftung reguliert werden. Andernfalls droht im schlimmsten Fall Schimmel.