Spaßpreisschock So kommen Ökonomen auf elf Prozent Inflation
Von Roland Lindenblatt, 17.09.2022, 16:27
Volkswirte prognostizierten für 2022 einst drei Prozent Inflation. Heute ist die Inflationsrate doppelt so hoch, und Experten gehen davon aus, dass sie noch einmal deutlich steigen wird. Aber was treibt die Preise in diese Höhen? Und wann ist der Höhepunkt erreicht?
Vor nicht allzu langer Zeit galt eine Inflation von rund drei Prozent als hoch. Das taten die Wirtschaftsforscher des ifo Instituts zuletzt im Dezember 2021. Damals prognostizierten sie für das Gesamtjahr eine Inflation von 3,3 Prozent, getrieben von energie- und rohstoffpreisgetriebenen Versorgungsengpässen.
Diese Zeiten sind nun endgültig vorbei. Der Leiter des Ifo-Zentrums für Konjunkturprognosen, Timo Vollmershauser, und seine Kollegen erwarten für das erste Quartal 2023 eine Inflation von elf Prozent. Doch wie kommt man so hoch?
Der Energiepreisschock steht noch bevor
Energieversorger werden ihre Strom- und Gaspreise vor allem zu Jahresbeginn an die hohen Versorgungskosten anpassen, schreiben ifo-Forscher. Inzwischen haben sich die Gaseinkaufspreise für Energieversorger verzehnfacht. Aufgrund der Vertragsgestaltung vieler Gasversorger können diese die Preise jedoch nur verzögert an die Kunden weitergeben. Laut Nutzerportal Verivox haben sie sich bisher verdreifacht. Und solange Gas in der Anschaffung teuer bleibt, müssen die Energieversorger die Preise weiter erhöhen.
Auch Ökonomen anderer Wirtschaftsforschungsinstitute, die in den vergangenen Wochen ihre Konjunkturprognosen veröffentlicht haben, rechnen aus diesem Grund mit einer hohen Inflation. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) prognostiziert ebenso wie das Ifo-Institut einen Höhepunkt der Preissteigerungen im ersten Quartal 2023, allerdings bei einer Inflationsrate von 10,5 Prozent. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet bis Ende 2022 mit Inflationsraten von über 10 Prozent. Diese dürften laut IfW-Prognose auch 2023 so bleiben.
Ifo erwartet, dass die Kerninflation, d.h. Energie- und Lebensmittelpreise ausgenommen, werden ebenfalls hoch bleiben. Denn im nächsten Jahr dürfen auch die Gehälter steigen, weil dann neue und neue Tarifverträge abgeschlossen werden. Auch das kann den Konsum anregen.
Höhere Löhne, weniger Kaufkraft
Nach Prognosen des Ifo-Instituts und anderer Institute werden die Menschen in Deutschland im nächsten Jahr trotz steigender Löhne weniger Kaufkraft haben. Denn Lohnerhöhungen dürften bei den meisten Menschen weitgehend durch die Inflation aufgefangen werden. Erst wenn sich die Energiepreise stabilisieren, wird die Inflation langsam wieder sinken. Sie dürfte auch 2022 hoch bleiben. „Wir rechnen erst 2024 mit einer Normalisierung der Inflation bei 2,4 Prozent“, sagt Wollmershäuser.
Dann kann sich die Wirtschaft mit Kaufkraft langsam erholen. Bis dahin durchlebte das Land eine Phase wirtschaftlicher Stagnation mit hoher Inflation.
Der Artikel erschien zuerst auf Capital.de.
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