Michelle Imhoff aus Turin (I)
Das war sein ganz großer Auftritt: Marius Bär stand am Samstag kurz nach 21.30 Uhr beim 66. Eurovision Song Contest in Turin (I) auf der Bühne und sang zum dritten Sieg des ESC für die Schweiz. Am Ende reichte es für den 17. von 25 Plätzen, eine Enttäuschung für Bär. Er wollte in die Top Ten.
Bei einem anschließenden Medientreffen im Hotel der Schweizer Delegation konnte Bär seine Gefühle nicht zurückhalten, getreu seinem Beitrag «The Boys Cry». Er war den Tränen nahe, sagte nur: “Alles Liebe, schönen Abend.” Dann schloss er sich in seinem Zimmer ein. Besonders schwer schien es den sonst so fröhlichen Appenzellern, die Nullpunkte beim Televoting zu meistern.
Blick-Reporterin Michelle Imhoff: „Viele waren enttäuscht, dass die Ukraine gewonnen hat“ (02:09)
Das war “einfach nicht der richtige Zeitpunkt für diese Ballade”
Am gestrigen Sonntag hat er sich ein wenig vom ersten Schock erholt. «Mir geht es gut», sagt er zu Blick. “Ich habe 200 Prozent gegeben und bin mit meiner Leistung zufrieden.” „Es war einfach nicht der richtige Zeitpunkt für diese Ballade“, fügte er hinzu. „Ich finde die Performance großartig, das Licht fantastisch. Aber ich vermute, es ist das falsche Lied.”
Die Eurovisionstage seien anstrengend gewesen, sagte Bear. “Ich bin erschöpft und brauche eine Pause.” Nach seiner Rückkehr aus Italien wird er am Montag mit seinen Eltern zu Mittag essen, danach nimmt er sich eine Woche frei.
Die Ukrainer triumphierten
Die kommende Zeit wird für die ukrainische Gruppe Kalush Orchestra schwieriger. Die Quoten-Favoriten überzeugten die ESC-Zuschauer und holten mit ihrem Song „Stephanie“ einen dritten Sieg für ihr Land. „Hilf der Ukraine, hilf Mariupol, hilf Asowstal!“, rief Sänger Oleh Psyuk, 27, dem Publikum kurz nach seinem Auftritt zu.
Lange sah es bei der Show nicht nach einem Sieg der Ukraine aus. Vielmehr kämpften die Spanierin Chanel, 31, die Britin Sam Ryder, 32, und die Schwedin Cornelia Jacobs, 30, um die Jury-Punkte. Allerdings belohnten die Fernsehzuschauer die Ukrainer mit regelrechten Punkten, sodass am Ende niemand an ihnen vorbeikam.
Marius Bär möchte jedes Jahr am ESC teilnehmen
Kritiker sagen nun, die Ukrainer hätten nur aus Mitleid gewonnen, sie hätten kein Recht zu gewinnen. Marius Bär konnte dem nicht zustimmen: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Das ist ein Zeichen für Europa und es zeigt, dass wir zusammenstehen. Dass wir uns nicht mit dem abfinden, was gerade passiert. Es ist wunderbar.”
Vielleicht schaut er sich den größten Musikwettbewerb seit langem an. „Ich bin der größte ESC-Fan der Welt geworden“, schwärmte Bär. “Es war die beste Erfahrung meines Lebens.” Er würde sofort wieder mitmachen, „am liebsten wäre ich jedes Jahr dabei.“
Add Comment