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Medienkunst-Pionier Herbert W. Franke mit 95 Jahren gestorben – Kultur –

16.07.2022 20:28 (akt. 16.07.2022 20:30)

Der Medienkünstler war Mitbegründer der Ars Electronica ©APA/GEORG LEYRER

Der österreichische Science-Fiction-Autor, Medienkünstler, Höhlenforscher, Mitbegründer der Linzer Ars Electronica und Physiker Herbert W. Franke ist am Samstag im Alter von 95 Jahren in der Nähe von München gestorben, teilte seine Familie der APA mit. Anlässlich seines 95. Geburtstages widmete ihm die OÖ Landes-Kultur GmbH am 14. Mai eine Ausstellung im Francisco Carolinum in Linz. Franke sei “ein Besserwisser”, lobte Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne).

„Er vereinte physikalische, mathematische, philosophische und chemische Erkenntnisse und war seiner Zeit in vielerlei Hinsicht weit voraus. Als Forscher, Schriftsteller und Künstler beschritt er bisher unbekannte Wege. Er entwickelte als einer der Ersten die ästhetischen und künstlerischen Möglichkeiten der Computertechnik, dachte als Autor seiner Science-Fiction-Romane und Kurzgeschichten seine wissenschaftlichen Fragestellungen weiter und wurde sozusagen zur Hebamme der Ars Electronica.Mit Herbert W. Franke verlieren wir ein gebildetes, kritisches Multitalent Mann“, fuhr Mayer fort.

„Ob auf dem Gebiet der Wissenschaft oder auf dem Gebiet der Kunst, Herbert W. Franke war ein Universalgenie, ein wahrer Pionier von Weltruf mit herausragenden Werken und großen Leistungen“, würdigte Landeshauptmann Thomas Stelzer den Verstorbenen. „Wir freuen uns, dass wir ihm den Wunsch nach einer Ausstellung in seiner Heimat rechtzeitig erfüllen konnten“, sagte Alfred Weidinger, Geschäftsführer der OÖ Landes-Kultur GmbH, anlässlich des Todes des Künstlers.

Franke wurde 1927 in Wien geboren, wo er auch Physik, Chemie und Philosophie studierte und in Theoretischer Physik promovierte. Von 1951 bis 1956 gab es bereits erste Veröffentlichungen als Autor. Neben seiner literarischen Arbeit, die er auch unter den Pseudonymen Sergius Both und Peter Parsival betreibt, beschäftigt sich Franke seit jeher mit neuen Medien und Technologien. Bereits in den 1950er Jahren gab es Ausstellungen seiner Computerkunst im MAK in Wien.

„Ein Computerkünstler der ersten Stunde“, experimentierte er 1952 mit generativer Fotografie, „benutzte aber bereits 1954 zunächst einen analogen Computer und ab 1960 die ersten Großrechner für seine auf mathematischen Prinzipien basierende abstrakte ‚algorithmische‘ Kunst “, wie er im Mai in Linz bei der Präsentation seiner Ausstellung vor der Presse erklärte. 1979 war er Mitbegründer des Ars Electronica Festivals in Linz. Seit den 2000er Jahren ist er der Mastermind hinter Metaverse, der 3D-Welt „Z-Galaxy “, baute und verwaltete mit seiner Frau Susanne Päch – einen Bereich wechselnder Ausstellungen auf der Internetplattform Aktivwelten.

2007 wurde Franke das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse verliehen. Das deutsche PEN-Club-Mitglied erhielt zuvor den Dr. Beno Wolff-Preis des Verbandes Deutscher Höhlen- und Karstforscher für herausragende Leistungen in der Höhlenforschung und den Computerkunstpreis des Verbandes Deutscher Softwarehersteller.