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Militärsanktionen: Deshalb kann Russland sogar das Ölembargo der EU ausnutzen

Aktualisiert6. Mai 2022, 09:19 Uhr

Die EU will Russland wirtschaftlich ruinieren. Ist das geplante Ölembargo dafür geeignet? Und was bedeutet das für die Schweiz? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Die EU will mit einem Ölembargo die russische Wirtschaft schwächen und damit den Handlungsspielraum von Präsident Wladimir Putin weiter einschränken.

AFP / Alexey Danichev

Deshalb forderte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass die Länder der Union kein Öl mehr aus Russland beziehen.

AFP / Kenzo Tribouillard

Ausnahmen soll es nur für Ungarn und die Slowakei geben. Da sie keinen Zugang zum Meer haben, könnten sie sonst nur schwer neue Lieferanten finden.

AFP / Natalia Kolesnikowa

  • 25 Länder der Europäischen Union (EU) wollen ab 2023 Ölimporte aus Russland stoppen

  • Die EU will Russland auf diese Weise schwächen, aber wird das gelingen? Kaum, sagt der Ökonom.

  • Auf die Schweiz dürfte das Embargo – zumindest kurzfristig – keine grossen Auswirkungen haben.

Auch hierzulande sind die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine zu spüren: Tausende Menschen fliehen in die Schweiz, hohe Lebensmittel- und Benzinpreise gehen ans Portemonnaie. Inmitten dieses schwierigen Umfelds hat die Europäische Union (EU) bereits angekündigt, ab 2023 kein russisches Öl mehr zu kaufen.

Ist dieses Embargo gut? 20 Minuten die wichtigsten Fragen und Antworten beantworten.

Nein, Ausnahmen sind für Ungarn und die Slowakei geplant. Da sie keinen Zugang zum Meer haben, könnten sie sonst nur schwer neue Lieferanten finden.

“Die Schweiz ist vom Embargo nur indirekt betroffen”, sagte Warenexperte Norbert Rücker von Julius Bär. Weil sie den Großteil ihres Öls aus europäischen Raffinerien beziehen und bereits den Übergang zu Alternativen unterstützen. Doch wenn der Ölpreis wegen des Embargos weiter steigt, wird das auch die Schweiz zu spüren bekommen.

„Das wird nicht passieren“, sagte Rucker. Der Ölmarkt ist flexibel und europäische Unternehmen strukturieren seit Wochen ihre Lieferketten um. Anstatt nach Europa geht russisches Öl jetzt nach Asien oder anderswohin. Nichteinhaltung ist weniger schwerwiegend als Bedenken und betrifft nur etwa ein bis anderthalb Prozent des Marktes.

Nein, sagt Fabian Bilger, stellvertretender Geschäftsführer der Avenergy Suisse Fuel Importers Association. Wenn ein Land in Europa weniger Öl in die Schweiz exportiert, dürfte ein anderes Land eingreifen. Darüber hinaus hält die Industrie im Auftrag des Bundes Pflichtlager vor: Sie können den Verbrauch von Benzin, Diesel und Heizöl für 4,5 Monate für alle decken, außerdem ist Flugbenzin für drei Monate verfügbar.

Die Raffinerie Cresier produziert rund ein Viertel aller in der Schweiz verkauften Mineralölprodukte und kann laut Bilger auch im Falle eines Embargos normal weiterbetrieben werden. Die restlichen drei Viertel erhält die Schweiz als Fertigdiesel oder Fertigbenzin, die nicht weiterverarbeitet werden müssen.

Dies ist umstritten. Tatsächlich hätte die EU bessere Alternativen zur Schwächung Russlands, sagt Experte Julius Bär Rücker – als Strafzölle. Die große Frage sei nun, ob der Westen Druck auf China und Indien ausübe – “dann wird das Embargo viel stärker wirken”. Damals war es unwahrscheinlich, dass Russland Käufer finden würde. Rücker rechnet aber auch in diesem Fall mit einem großen Scheitern und einem weiteren Anstieg des Ölpreises.

Das Embargo könnte Öl verteuern, was auch Russland zugute käme, sagte Rucker. Laut Internationalem Währungsfonds deckt das Land seine Produktionskosten von 10 bis 15 Dollar pro Barrel. Im Moment sind es über 100 Euro. Doch so einfach sei das nicht, sagt Rucker: Russland müsse sein Öl jetzt unter Marktpreis verkaufen, um Käufer zu finden (siehe Kasten).

Öl- und Gaseinnahmen machen etwa 36 Prozent des russischen Staatshaushalts aus. Nach Angaben des staatlichen Statistikamtes exportierte das Land im Jahr 2021 230 Millionen Tonnen Rohöl und 144 Millionen Tonnen Mineralölprodukte, etwa die Hälfte davon nach Europa. Russland hat etwa 180 Milliarden Dollar eingenommen.

Nein, sagt Rucker. Es ist illusorisch zu glauben, dass das Ölembargo die Finanzierung des Krieges kurzfristig stoppen kann, ohne sich selbst zu schaden. Russland findet auch Abnehmer außerhalb der EU wie China und Indien, da das meiste russische Öl auf dem Seeweg transportiert wird. Mehr heimische Produktion und weniger Konsum in Europa werden nötig sein, um die Finanzierung des Krieges langfristig zu koppeln. Der Fall Iran zeigt auch, dass das Embargo selten hilft, politische Ziele zu erreichen.

Russland könnte die Gaslieferungen nach Europa unterbrechen. “Aber wenn Putin das tut, wird Russland ein riesiges Problem haben”, sagte Rucker. Weil es schwierig ist, so große Produktionsmengen einfach abzuschneiden. Infrastruktur, Geldgeber und russische Lager würden schwer beschädigt.